D i e H o r n i s s e.
Zeitung für hessische Biedermänner.
M- SS. Cassel, Sonnabend am 16. Dezember 1848.
C^“ Die „Hornisse" erscheint wöchentlich zweimal, und kann jeden Mittwoch und Sonnabend Mittag gleich nach dem Erscheinen bei den Verlegern gegen den Betrag von 9 Hlr. in Empfang genommen werden.
J. C. J. Raabé & Comp., Buch- und Kunsthändler.
Steinweg Nr. 190.
Die gesellschaftliche Reform.
(Zweiter Artikel.)
Wir haben im früheren Artikel erklärt, daß seit jener schmachvollen Verleugnung der Revolution, seitdem die Revolution mitten in ihrem Laufe abgebrochen, seitdem jener Spießbürgerschrei nach „Ruhe" erklungen, seitdem mit dem Fanatismus des Eigennutzes jenes Harren und Hoffen, das Bitten und Flehen der armen, dem Hunger verfallenen Masse unserer Brüder als Verrath an den geheiligten Rechten der Wucherer verfolgt worden ist, daß es seitdem keine Begeisterung für das „neue Reich" der Politiker mehr gebe, daß die Massen der Armen, der Betrogenen, mit Füßen getretenen Armen sich getäuscht, bitter, in ihren heiligsten Wünschen getäuscht, abgewendet hätten, und daß erst eine neue Revolution die Wangen wieder röthen, das Auge wieder leuchten machen werde.
Acht Monden hat eS gedauert, bis der Riese erschlagen war. Acht Monden haben die Spießbürger ihre KriegSknechte umhergesandt, um nachzusehn, ob irgendwo in den deutschen Landen noch eine Seele zucke, irgendwo noch ein Herz für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit schlüge, sie haben sie umhergesandt, um diese Seelen und Herzen, die letzten Reste des verlorenen Frühlings, mit Gewalt zu erschlagen, sie haben sie umhergesandt, um das Land zu säubern von den treuen Söhnen ihrer Tage, jenen glühenden Männern, die nur ein, nur ein Gefühl hatten, das Gefühl der immer höher anschwellenden Verzweiflung in den Hütten der Armen.
Ihr habt gesiegt. Mit Waffengewalt habt ihr den Eigennutz, den Betrug wieder auf den Thron gehoben, mit Waffengewalt habt ihr die zerlumpten Gestalten bei Seite geschafft, die euch Tag und Nacht umschlichen, deren Schatten in euren Träumen aufstieg, deren bleicher Schatten euch mahnte an die Tage deö Versprechens, an die Tage eurer Verstellung, an jene Tage vor der Revolution, wo ihr mit diesen Gestalten einen Männerbund beschwöret, den Bund gegen alle Lügen, alle Herzlosigkeit, allen Unterschied der Stände, gegen die Tyrannei des Bruders durch den Bruder. Nachdem ihr das erste Blut getrunken, nachdem ihr vergebens gesucht hattet, euer Gewissen mit den Phrasen der „politischen Nothwendigkeit" zu beschwichtigen, den Mord mit dem „höheren Interesse der Menschheit" zu beschönigen, als euch die Lüge, der Betrug, der Verrath auf der Seele brannte, als der Weg zur Hölle bis zur Genüge mit guten Vorsätzen gepflastert war, — da, als ihr längst verworfen, längst vom Volke gebrandmarkt wäret, da schütteltet ihr den allgemeinen Bürgerkrieg aus dem Schurzfell, da zeigtet ihr dem Volke, daß ihr die Herren der Gewalt wäret, daß ihr der Liebe des Volks nicht bedürftet, weil ihr seine Waffen in den Händen hieltet. Ihr brachet offen und entschieden, ihr