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anbere- l000-Guldennote für l4 Zwanziger verkauft, so schleuderten die Soldaten mit dem Papiergeld

9) Gegen^OO Häuser wurden auf das ärgste geplün­dert und nach der Plünderung Feuer in den Hau­sern angelegt. _ „ _, .

10) In dem Palais des Grafen Hardeg soll sich der angerichtete Schaden auf 40,000 Gulden Conven- tionsmiinze belaufen.

11) Das Haus eines 83jährigen Mannes, der sich lelbst- redend, an dem Kampfe nicht betheiligen konnte, wurde von den plündernden Soldaten mehrere Neale überfallen. Die kostbare Bibliothek und ein Mine- ralienkabinet dieses Greises wurden zerstört

12) Das HauS des berühmten Anatomen Hyrtl, wel­cher reiche Sammlungen der seltensten Präparate und werthvollsten Instrumente, die er im Lause von 16 Jahren mit Mühe und Fleiß zusammengebracht hatte, wurde geplündert und ausgebrannt. Um jene Schätze zu retten, waren sie in die Souterrains gebracht worden, aber auch hier drangen die plün­dernden Soldaten ein und zerstörten jene Samm­lungen. In dieses Haus wurde ebenfalls mehrere Male plündernd eingedrungen.

. 13) Einem Studenten, der in die Hände deS Militärs gefallen war, wurde die Zunge ausgeschnitten, die Lippe abgelöst und Hände und Füße abgehackt; so­dann wurde ihm eine Patrone in den Mund ge­steckt , diese angezündet und so der Kopf gesprengt.

14) Anderen Gefangenen hat man Nase, Ohren, Hände und Füße abgeschnitten, die Augen ausgebrannt, das Fleisch striemenweise aus dem Rücken geschnit­ten und so getödtet.

15) Einem der Anführer der Studenten, Dr. Ludwig, schnitt man gewisse Theile des Körpers ab, steckte sie ihm in den Mund und schickte so die Leiche der Frau des Getödteten.

16) Viele Häuser sind vollständig abgesperrt, um die Gräuclscenen zu verbergen und die Spuren zu ver­nichten.

Diese schrecklichen Thaten wurden aber leider nicht blos von Kroaten und andern nichtdeutschen Truppen, sondern, zum tiefsten Schmerze unseres Vaterlandes muß eS gesagt werden, auch von deutschen Soldaten verübt.

Solche Thaten von Deutschen und Fremden gegen Deutsche in der größten deutschen Stadt verübt, legen den Vertretern der deutschen Nation die traurige aber -.......u. - m ..... ■> • ...

heilige Pflicht auf, dem ganzen Zusammenhänge sorg- der Antrag )u schleuniger Berücksichtigung dem ostreichl- fältig nachzuforschen. Zu welcher politischen Ansicht man schen Ausschüsse überwiesen.

sich auch bekennen mag, das 'Urtheil über solche Hand­lungen kann nicht verschieden sein. Daß die Hohe Na- tionalversammlung bei solchen Thatsachen nicht ruhiger Zuschauer verbleiben kann, hat dieselbe dadurch anerkannt, Der Mangel an Raum gestattet uns diesmal

daß dieselbe mehrfachen Maßregeln in Bezug auf die östreiduidwi Verhältnisse ihre Billigung ertheilt hat.

Zu beklagen ist nur, daß diese Maßregeln, namentlich

die Absendung der Reichskommlstare Welcker und Mosle, so unzureichend und erfolglos blieben. Noch weit mehr aber ist es zu beklagen, daß die Absendung eines neuen NeichSkommissars zwar vor längerer Zeit verheißen aber nicht ausgeführt war. Diese Thatsachen durften einiges Licht in die Maßregeln werfen, welche von den Reichs- kommissären Welcker und Mosle getroffen worden um, laut ihrer Proklamation, die frühere Gemüthlichkeit Wiens rurückzufübren. r .

Oder lautete ihre Instruktion dahin, statt die deut­schen Interessen in Wien bis zur letzten Instanz und mit aller Energie zu wahren und zu schützen, an kaiserlicher Tafel zu speisen unb nach Frankfurt zurückzukehren, wäh­rend in Wien die schmachvollste Katastrophe des 19ten Jahrhunderts vor sich ging? Sind endlich diese ungluck- lichen Ereignisse uns die Thatsache, daß politisch Ver­dächtige ohne Urtel und Recht zwangsweise unter die Soldaten gesteckt werden, eine Folge der kcuseiltchen Edikte, welche die unverbrüchliche Festhaltung der konsti­tutionellen Freiheit verbürgen?

Es ist jedes Deutschen heilige Pflicht, der der ge genwärtigen politischen Bewegung sich nicht unthätig z verhalten, sondern seine politischen Rechte überall ui mit Kraft geltend zu machen, damit durch einiges Zu­sammenwirken die gesetzliche Freiheit geschützt, und i schlimmste Anarchie, die Anarchie von oben, besiegt werde. Unerklärlich bleibt es daher, bap weder Beamte noch sonst rechtschaffene Bürger bei Verübung jener Greuel- thaten hinzugetreten sind, um bte Urheber festzuhalten, unb sie ihren Vorgesetzten mit der gehörigen Anzeige zu-

5 Sollten aber auch die obersten Handhaber der Macht nicht im Stande gewesen sein, dem zu steuern oder gar sich einverstanden erklärt haben, sei es stillschweigend oder ausdrücklich, so wäre dies eine Anarchie von oben.

Daß aber hier der eigentliche Zusammenhang er­forscht werde, ist heilige Pflicht der Volksvertreter.

Ich stelle deßhalb bei der hohen Nationalversammlung den Antrag: eine besondere Commission zu ernennen, welche

1) an Ort und Stelle den Thatbestand der in Folge der Wiener Ereignisse gemeldeten Gräuelthaten auf das Genaueste zu erforschen und

2) darüber zu berichten hat, in wie weit daS Gesetz gehandhabt ist, um die Urheber solcher Handlungen zur Strafe zu ziehen.

Das Wort zur Begründung der Dringlichkeit ward dem Antragsteller von der Majorität verweigert, und

Deutschland, Deutschland, wo bist du!

nicht, von Frankreick, Preußen, England u. s. w. zu reden. Auch für Kurhessen müssen wir unö das Wort für die nächste Nummer vorbehalten.

Kassel. — Verantwortlicher Redacteur: I. H. Koch. — Druck von Karl Gotthclft.