— los —
Mienen der Prolerarier entsetzten; Ruhe! rief es aus den Cabinetten der Fürsten, die den Strom immer höher schwellen, die da sehen, wie das aufgeregte Volk, das Volk von Gottes Gnaden nicht mehr niedersank vor dem Allerheiligsten, vor dem mit Purpur beschlagenen Throne, vor Krone und Scepter, vor den Kammerherren und deren Maitressen.
In der lebendigen Masse stemmte sich eine Hand nach der andern gegen die klopfende Brust der Helden der Revolution, eine Hand nach der andern erhob sich, um in der gewaltigen Debatte den Schluß zu fordern, ein Verräther nach dem andern durchlief die Reihen der Feigen, der Zweifelnden , der Kurzsichtigen, um ihnen das Kreuz zu predigen gegen ihre Mitkämpfer, um sie zu fanati- siren gegen die „rohen Massen", um ihnen Bündniß anzutragen mit den versinkenden Göttern der Vorzeit,--es wurden Orden und Privilegien verheißen, es wurden Gewissen erhandelt wie feile Dirnen, es wurde Geld ausgestreut und die Lüge in Umlauf gesetzt, es wurde Koth auf die Revolution geworfen, der Begeisterung das Blut abgezapft, dem frischen, saftigen Baum des Frühlings Blatt vor Blatt, Ast vor Ast abgeschlagen, bis, — bis der herrliche Stamm nackt und kahl da stand, ein Monument des Wollens, ein Monument des verlorenen, vergessenen Wollens, ein Zeichen des schmachvollsten, nichtswürdigsten Verrathes, des Verrathes der Freiheit für die Ruhe der Wucherer, der--- Vampire der Gesellschaft. Europa hatte sich aufgerafft, aber der lebendige Geist wurde so lange geschlagen, so lange gezerrt und niedergerissen, bis er zuckend am Boden lag, bis Herkules zum Torso verstümmelt war.
Der Spießbürger hat Ruhe! Alles was der Vaterlandsfreund im März geträumt hat, ist stückweise zerfallen, das Volk ist in seiner heiligsten Begeisterung betrogen, seiner letzten Erhebung hat man Keulen in's Gesicht geworfen, — das Volk ist muthlos, theilnahmlos, — über kurz wird es ruhig sein wie der Tod!
Ihr habt Ruhe gewollt, ihr werdet sie haben! Und ob ihr demnächst mit Riesenglocken läutet, ob ihr mit Löwenstimme das Volk beschwört, sich aufzuraffen für das Vaterland, für seine Ehre, seinen Ruhm, seinen Glauben, seine Geschichte,--das Volk wird schweigen!
Einst, einst, wenn eine andere Stunde schlägt, wenn's aus ureigener Kraft in jenen Gründen lebendig wird, wenn sich die Männer dort unten Jahre lang nur zugeraunt haben, wenn der Mann mit der schwieligen Faust auf den Ambos steigt, den Hammer schwingt, und nur die erste Sylbe der Revolution ausstößt, — — dann, — — ■— das ist die Stunde, von der ich immer gesprochen, vor der ich immer gewarnt habe, die ich nicht heraufbeschwören wollte, euch zu Liebe nicht, ihr Fanatiker des Wuchers, ihr Priester der Ruhe!
Ihr habt der Revolution das Genick gebrochen, — die Revolution wird auferstehen, sie wird, so wahr euch Gott helfe! Ihr habt das Volk verstoßen, — das Volk wird sich auf sich selbst stellen, es wird stark werden in seiner Einsamkeit, Tag für Tag wird es rechnen und nachdenken, nicht einen Augenblick wird es seiner Rache vergessen, ihr habt das Volk wie einen Hund von euch gewiesen, ihr werdet es wieder sehen, wenn es eurer nicht mehr bedarf, wenn es groß geworden ist im Stolze des Verbannten, groß in seinem Stolze, wie in feinem Hasse. Einst ging der Patrizier ins Exil, um an der Spitze eines Heeres wieder zu kommen, auch der Proletarier, der Proletarier nicht allein, alle jene Jünger der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit werden mitten unter euch verbannt sein, um einst ihre Ge>etze nicht zu predigen, sondern zu dictiren! H. Heise.