Einzelbild herunterladen
 
  

— 104 —

die Eröffnung des Kaiserreichs gefeiert ist? Das Parlament soll sich auflösen, eh' es den Tauf- und Hochzeitsschmaus gehalten und den Katzenjammer ausgeschlafen hat? Das ist mehr als Injurie, das ist eine Sottise, eine Reichsgrobheit.

In den Septembertagen haben ein paar undankbare Reichsbürger das verehrliche Parlament mit Waffengewalt auseinandersprengen wollen — gut, darin liegt noch die Anerkennung einer Macht, die Anerkennung der Ebenbürtigkeit, das ist noch was Ritterliches, Großes, Erhabenes — aber zu ver­engen , das Parlament solle sich auflösen, es solle sich für bankerot erklären, sich ein Zeugniß voll­kommener Reichsdummheit ausstellen — beim zukünftigen Kaiser, — beim kaiserlichen Reitstall, das ist Landesverrath, Mord, Räuberei, Anarchie!

Ich verlange vom hiesigen Landgericht, daß es Mecklenburg auf irgend eine passende Art h'.erher zu bringen und ein beliebiges Forum gegen dasselbe zu begründen sucht.

Nein, Mecklenburger, das hättet ihr nicht thun sollen. Wenn euch das Parlament nicht gefällt, so geht das dem Parlamente nichts an, ihr gefallt dem Parlament auch nicht. Deswegen kann das Parlament noch lange nicht verlangen, ihr solltet euch auf lösen. Wenn euch Jemand vor den Kopf geschossen hat, so wird kein Gericht den Spruch fällen, besagter Jemand solle sich nun eben­falls vor den Kopf schießen, — dazu hat man Staatsdiener angenommen, Scharfrichter zum Beispiel.

Es gibt nur zwei Wege, das Parlament fortzuschaffen, man muß es entweder bestehen lassen, oder — und dafür stimme ich - man muß die Reichsfrauen, d. h. die Frauen der Reichsvertreter, allarmiren, man muß ihnen vorsprechen, ihre Männer seien in Frankfurt untreu geworden, man muß ihnen das vorsprechen und immer vorsprechen, bis genannte Reichsfrauen mit Kochlöffeln und Gieskannen gen Frankfurt ziehen, und — — das Weitere findet sich dann.

Stehender Artikel.

So lange das Volk noch stehende Heere duldet, ist es nicht werth, frei zu sein, und verdient, was ihm stündlich zu Theil wird, die Knute! Auf 10 Millionen er­wachsene Deutsche anderthalb Millio­nen Polizeiknechte!

Der edle Gagern ist gar demüthig wieder nach Frankfurt rommen. Der König vom ehemaligen Bundesstaate Preußen, sehr nvet gelaunt wegen der beiden Nationalversammlungen, die er auf den Hals geladen hat, soll den Parlamentspräsidenten nicht KL fiX*^ - *”***•

. Brandenburger Clubb bekommt immer mehr AchnUchkett mit einer Theegesellschaft. Die Deputaten kommen, gemeßen etwas parlamentarische Grützesuppe und empfehlen sich dann wieder. '

. beiläufig gesagt, ist der Papst wirklich fort. Ca- vaignac, der französische Wrangel, hat ihm 4 Schiffe kutgegengesandt, um Seine Heiligkeit in die Arme der'

gallischen Spießbürger zu führen, — gerade kein gar zu heiliger Aufenthaltsort!

Die organische Entwickelung der deutschen Einheit macht erfreuliche Fortschritte. Es bleibt nur die eine Frage übrig, ob das deutsche Volk sich nicht der weiteren Gemeinheit unterziehen und die Erklärung abge­ben will: es habe sich im März geirrt, veralte Bund (vulgo Schund, vorausgesetzt, daß das Par­lament Beleidigungen seines hohen Vorfahren duldet!) sei doch besser wie gar nichts, es ersuche daher die geehrten Reichöfürsten, die Sache wieder auf den alten Fuß zu setzen.

Neben der organischen Entwickelung der deutschen Einheit entwickeln sich auch die Handels- und Ge­werbsverhältnisse aufs Blühendste. Wrangel und Genossen ordnen neben der Ordnung auch den Wohl­stand der gehorsamen Unterthanen. Die organische Ent­wickelung ist allerdings etwas kostspielig und wird näch- stens zu einem sehr unorganischen Staatshalt- kerot führen, der Einiges zur Lösung der socialen Frage beitragen dürfte, — indessen ist Wrangel für die Philister doch ein sehr gemüthliches Wesen!