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D i e Horni s s e.

Zeitung für hessische Biedermänner.

M* SS. Cassel, Sonnabend am 2. Dezember 1848.

C^ DieHornisse" erscheint wöchentlich zweimal, und kann jeden Mittwoch und Sonnabend Mittag gleich nach dem Erscheinen bei den Verlegern gegen den Betrag von 9 Hlr. in Empfang genommen werden.

J. C. J. Raabé & Comp., Duch- und Kunsthändlrr.

Steinweg Nr. 190.

Fritz Wilm IV, deutscher Kaiser?

(Fortsetzung und Schluß.)

Nachdem der edle Gagern längere Zeit auf den Knien gelegen und sich höchlich gewundert hatte, überkam ihn das dunkle Gefühl, daß es in seinem Deutschland brenne. Ob ihn zugleich die dunkle Ahnung überkommen hat, daß der Brand von den Majestäten zu Petersburg, Wien und Berlin allerhöchsteigenhändig angelegt, vermöge der unverbesserlichen Nichtsnutzigkeit der Fürsten angelegt worden sei, und daß er selbst, der edle Gagern, durch seine kaiserlich-republikanische Centralgewalt, durch seinen Verrath an der deutschen Freiheit, Stroh und Feuer dazu geliefert habe ob ihm diese Ahnung überkommen ist, wagen wir nicht zu behaupten. Gewiß ist aber, daß es der einfältigste Schuljunge, der nur ein einziges Mal von der Politik im Norden und Osten Europas hörte, begreifen konnte, daß Deutschlands Einheit und Freiheit nur durch einen aus dem Volke hervorgegangenen Präsidenten zu sichern war, dessen von der Revolution gestählte Faust zu gehöriger Zeit die naseweisen Majestäten und Hoheiten unter dem Jubelruf deS Volks auf die Köpfe geschlagen hätte. Gewiß und klar wie die Sonne ist es, daß Johann ohne Land zu nichts nutze war, als das gutmüthige deutsche Volk an der Nase herumzuführen, seinen Einheitsschwindeleien zur Puppe, zum Götzenbild zu dienen, daß Johann ohne Land nur zur schöngemalten Coulisse zu brauchen war, hinter der die großen Mordthaten ausgesonnen, die Dolche geschliffen, die Stricke für die deutsche Freiheit gedreht werden konnten. Der edle Gagern merkte nichts.

Der edle Gagern und in seinem Gefolge alles, was blos und allein schwatzen und immer nur schwatzen kann, applaudirte den Kunststücken, welche Fritz-Wilm und der blödsinnige Ferdinand durch ihren Vetter Johann ausführen ließen, jenen berüchtigten Kunststücken, die man mit dem für das deutsche Volk so lieblich tönenden NamenUnterdrückung der Anarchie" bezeichnete. Man applaudirte den Centralgewaltstreichen in Baden, Würtemberg, Thüringen, jenen Gcwaltstrcichen, die man mit dem ebenfalls so süß klingenden Worte Truppenverlegungen" bezeichnete. Man applaudirte jenen polizeilichen Operationen, die man ohne ein Weiteres bei ihrem wahren Namen als B el a gerung szustand bezeichnete. Man applaudirte den Verfolgungen der Repu­blikaner, der freien Presse, des freien Wortes. Man riefHosianna", als sich das Frankfurter Parlament unter den Schutz von 50,000 Bajonetten stellte und 5 Stunden in der Runde sich Barrikaden baute.

_ Unter all dem Jubel und Bravorufen, ein Rufen, das mir immer so scheußlich klang, wie der Jubel eines ^runkenen am Grabe seines Kindes, wurde zu Wien und Berlin der Plan geschmiedet, das monarchische ^r'nzip zu retten, die beiden Bundesstaaten zu selbstständigen Weltmächten zu erheben, Deutschland mit der eigenen Ccntralgewalt und die Centralgewalt mit Deutschland zu schlagen. Am leichtesten war der Plan in Oester- rcich auszuführen. Hier brauchte man nur die Slaven gegen die Deutschen, den Osten gegen Wien zu hetzen, man brauchte nur das deutsche Wien in einen Aschenhaufen zu verwandeln und Oesterreich war von Deutsch­land frer, die Monarchie war gerettet. Also geschah's. Die Nationalversammlung genehmigte den Plan, sie ermordete sich, die deutsche Freiheit mit eigener Hand. In Wien rissen sie Croaten unsere Brüder