Was hat der sächsische Gesandte in Wien für Robert Blum gethan?
Der sächsische Gesandte in Wien hat auf die Nachricht von Blums Werurtheilung hin, sich sofort (schaamlos, schaamlos!!!) erkundigt, weshalb Robert Blum verurtheilt sei, bei der Nachricht von seiner Ermordung aber alsbald die Effecten Robert Blums recla- mirt und ihm (vermuthlich an irgend einer Mauer) ein Grab angekauft.
Es ist überall ein und dasselbe Gesindel — liebes Volk!
Der türkische Gesandte in Wien hat zwölf Kämpfern für die deutsche Freiheit das Leben gerettet!
O wären wir Türken!!
Die Volksversammlung in Leipzig hat beschlossen , die Deputaten der Nationalversammlung von Frankfurt abzurufen.
Das Frankfurter Parlament wird ausgehn wie ein Nachtlicht, eine neue Revolution wird ein neues schaffen — ich denke ein Volks-, kein Lakaienparlament.
Das hiesige Ministerium des Innern hat auf die Bitte des Volks, so schnell als möglich die Stände an seine Seite zu rufen, geantwortet: die kämen doch bald, — und ohnedem habe Hessen gar nichts zu befürchten. — Das nenne ich nur doch eine Zuversicht auf Se. Königliche Hoheit, den Kurfürsten, der ganz nach Gefallen das Ministerium Eberhard heute oder morgen zum Teufel jagen kann. Oder ist das gar keine Möglichkeit? Biedere Hessen!!!
Was hat das Volk nach jener Antwort zu thun?
Es hat alle bereits gewählten Vertreter, die das Gewicht des Augenblicks fühlen, und es wohl mit dem Vaterland meinen, aufzufordern , sich alsbald hier in Cassel einzufinden , um im Fall der Noth gemeinsam wirken zu können.
Alle Behörden mißbrauchen noch ihre Gewalt.
Alle Behörden mischen sich noch in Dinge, die ihnen nichts angehen.
Alle Behörden verfälschen noch den klaren Ausdruck des Volkswillens.
Alle Behörden sind noch im Dienste der Polizei.
In allen Behörden sieht das Volk noch von Gottes- Gnäderchen.
In allen Behörden sieht das Volk noch seine Schulmeister und Vormünder.
In allen Behörden sieht das Volk noch seine Gläubiger.
In allen Behörden sieht das Volk noch seine Priester und Seelsorger.
Was ist deshalb nöthig? Man muß daS Volk lehren, daß die Behörden weder von Gottes Gnaden, noch unsere Schulmeister, noch Vormünder, noch Gläubiger, noch unsere Seelsorger, sondern vorläufig nur Polizeidiener sind.
Erwiederung.
In Sachen der Schulmeister.
Der Herr Lehrer Gottschalk von Grifte theilt uns mit (siehe N. 15 der Hornisse): Herr Seifert, Bauschreiber zu Gunteröhausen, habe von ihm verlangt, daß er Arien beim Begräbnisse des erwähnten Eisenbahnbeamten hatte absingen lassen sollen, was er verweigert, daß er dagegen 4 Lieder selbst gesungen habe und habe singen lassen. Für die Aufführung dieser Gesän ge durch 36 Dorfknaben, die Elite der Grister Schuljugend, wären 5 Thlr. versprochen worden, man habe aber des andern Tages nur 3 Thlr. verwiegen wollen, die noch nicht bezahlt sind. Er hätte nicht allein Takt geschlagen, sondern auch bedeutend mitgesungen, wofür ihm 5 Thlr. von Herrn Seifert zugeworfen wären, von denen er 3 Thlr. zurückgegeben hätte. Auch hätte er nicht gewußt, daß der verstorbene Zimmerpolierer Zänker arm gewesen, sonst hätte er, Herr Gottschalk, seine Verrichtungen dabei umsonst gethan, wenn auch auf kurzem Wege und nicht mit demselben Gepränge. Es stände Herrn Seiffert besonders als Fremden übel an, einen Lehrer beim Publikum zu verleumden (?). Warum die Schulmeister nicht besser besoldet werden, das möchte er sich von einem Andern beantworten lassen, als von ihm.
Er bedauere sehr, daß Herr Seiffert nicht mit dem Nante zugleich in die Nationalversammlung gewählt worden wäre, weil er dann doch gewiß auf Verbesserung der Lehrerbesoldungen dort angetragen hätte. Er will ihm aber bei der nächsten Wahl seine Stimme geben rc. Jam satis. _ »
Kassel. — Verantwortlicher Herausgeber: J. C. I. Raabe. - Druck der E st, enne' scheu Buchdruckerei.