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sondern mit dem Schwerte schreibt. Daâ ist der Fluch dieser Tribünenhelden , daß sie die That des Mundes als die allein berechtigte anerkennen, selbst dann als die allein berechtigte, wenn sie vergebens und immer vergebens auf den Kampfplatz getreten ist, wenn sie das frische, kräftige Herz nothgedrungen zur That der Faust treibt; das ist eben das Empörende, daß man uns für den äußersten Fall immer nur das Schweigen, den Schmerz, die Verzweiflung gestatten will.
Es ist ein schaamloser Hohn, zu verlangen, daß wir dieselbe Volkssouveränetät, um die wir Jahre lang gebettelt, die wir endlich mit unserem Blute erkämpft haben, daß wir für diese Souveränetät setzt, wo es gilt, sie unS verfassungsmäßig zu erhalten, aufs Neue nur Worte und Worte machen, daß wir es für einen Ruhm halten sollen, die Oberhoheit des Volkes dieses Mal nicht durch die Fürsten, sondern durch unsere eigenen Vertreter in den Staub treten zu sehen. Der Verrath eines Bruders soll mich also weniger empören, als der Verrath meines gebornen, meines Todfeindes? Begreife das, wer da will.
Man kann mit mir streiten, ob das Volk für feden einzelnen Beschluß des Parlaments, der seine Souveränetät verleugnet, das Recht habe, die Hand zu erheben und Einsprache zu thun. Ich für mich bin zwar von diesem Rechte überzeugt, ich bin davon um so fester überzeugt, als feder derartige Beschluß den verrätheri- schen Gewalten, die noch bestehen, daS Heft in die Hand legt, das Messer schärfer wetzt, als feder solcher Beschluß in dieser Zeit der Umtriebe und der von oben gepflegten Anarchie nicht etwa ein ersetzbarer Verlust, sondern ein unheilbarer Schnitt in das Herz unserer Freiheit ist, als es jetzt gilt, mit unbeugsamer Consequenz das Gebäude des deutschen Reiches aufzuführen, die ganze Gewalt des erwachten Volkswillens zu zeigen, den Gelüsten der Fürsten den ganzen Stolz unseres Geistes entgegenzusetzen, als die Souveränetät des Volkes eine heilige, untheilbare ist, die wie die Unschuld des Weibes auch nur angetastet schon verloren ist, — aber, ich wiederhole es, ich wollte über diese Frage mit mir streiten lassen. Aber so viel steht unumstößlich fest, daß die Revolution erst beendigt ist, wenn das vollendete Verfassungswerk von der Maforität aller derer gebilligt ist, die ihre Vertreter nach Frankfurt sandten, wenn eS in den Urversammlungen deö Volkes seine Weihe empfangen hat. So viel steht unumstößlich fest, daß die Revolution nicht etwa ein Recht, sondern eine Pflicht ist, sobald das Frankfurter Parlament sich vermessen sollte, seinem vollendeten Werke den Schutz der Bajonette zu geben, es mit Gewalt in unsere Ge- setzbucher zu tragen. So viel steht unumstößlich fest, daß jede Einwirkung, die freie Abstimmung in jenen Urver'aminlungen zu hindern, ein Majestätsverbrechen ist und daß uns die Köpfe unserer Deputaten dafür haften, wenn die Abstimmung durch ihre Feigheit und
Unentschiedenheit, durch ihr Liebäugeln mit den Gewalten, die wir vernichtet haben, entweder ganz unmöglich gemacht, oder doch verfälscht werden sollte.
Meine Ansicht ist aber die, daß bis zur Abstimmung in den Urversammlungen Deutschland eher russisch, als souverän ist. H Heise.
Die Emissäre
Den Zeitungen zufolge sollen bei den letzten Berliner Unruhen wieder Emissäre thätig gewesen sein, die- sesmal nicht polnische oder französische, sondern — russische. Meinethalben mag es wahr sein, irre sind aber die Zeitungen, wenn sie durch diese Spukgeschichten die Blicke des Volkes von ihrem Ziele abzulenken gedenken, wenn sie ihm damit auszuschwatzen glauben, Seine Knutenmajestät, der Kaiser von Rußland, arrangire die Crawalle und Revolutionen, um seine kaiserlichen Pläne zu verfolgen, der wohlgesinnte Bürger habe keinen Theil daran. Ist ein russischer Emissär aufgefangen, so bin ich überzeugt, daß er ganz in der Stille wieder frei gelassen und das preußische Cabinet lernen wird, für die Folge andere Hebel anzusetzen , um den Berlinern Sand in die Augen zu streuen. ES ist lächerlich, wenn man glaubt, eist russischer, nur für russische Zwecke ausgesandter Emissär werde mit russischem Gelde operiren. Dazu ist der Nikolaus zu gescheidt. Der preußische Hof ist aber freilich dumm genug, um den Russen recht russisch und die Berliner recht stutzig zu machen, irgend einen hergelaufenem Gaudieb mit russischem Geld zu versehen. Uebrigens ist weltbekannt, daß Potsdam und Petersburg ganz dasselbe Interesse an einer Gelegenheit haben, Berlin zu verwindischgrätzen und zu verjellachichen.
Ein Stück zerrissenes Papier.
Das deutsche Volk hat lange, sehr lange geschlafen; deshalb hat es auch sehr lange geträumt. Im März des ewig denkwürdigen Jahres Achtzehnhundert acht und vierzig ist es durch den Ruf des gallischen Hahnes aus dem langen Schlafe geweckt worden. Die Morgensonne der Freiheit leuchtete in seine dunkle Zelle; eS sprang mit einem Satze vom trägen Lager und warf beschämt die Schlafmütze hinweg, durch die eS an seine frühere Trägheit erinnert werden konnte. Hätte nun das deutsche Volk zu gleicher Zeit diejenigen verabschiedet, die es so lange im Schlaf gehalten, so brauchte eö jetzt nicht das zu bereuen, was es im März unterlassen. Das deutsche Volk hat sich im März freier, aber nicht frei gemacht, Es sieht den Tempel der Freiheit offen stehen, aber auf dem Wege, der zu diesem führt, find vier und dreißig gekrönte Hindernisse, die den Eingang