geziemt, an das Versprechen der Barbaren und ihrer Oberbefehlshaber glaubt, die Freiheit werde unangetastet bleiben, es gelte dem Hofe nur, Ruhe und Ordnung herzustellen, weil dieses Volk, das immer vertraut hat und immer verrathen ist, das jetzt auf's Neue betrogen werden soll, und gälte es die europäische Cultur, gälte es den Untergang der deutschen Nation, weil dieses Volk es einmal wagt, das ewige Vertrauen auS dem Herzen zu
reißen und stärkere Bürgschaft zu verlangen, als das Wort eines kaiserlichen Schwachkopfs.
Wien wird unterliegen. Nachdem die Hosknechte pointirt und pointirt haben, mit dem Blute unflätiger
Horden gegen das heiße, von Freiheitsliebe glühende Blut unserer deutschen Brüder pointirt haben, werden sie
beim letzten Einsatz die rechte Karte treffen und — Wien wird untergehn. Man muß sich nachgerade in Deutschland daran gewöhnen, solche Dinge mit kalten Lippen zu sprechen, man muß sich die Fieber des Ingrimms abgewöhnen, man muß die Faust so fest ballen lernen, daß ihr Zucken unmöglich ist.' Wien wird unterliegen. Von Südosten her wird über die Phrasenmacher Deutschlands das geschwungene Beil getragen werden, von Südosten her werden über die Parlamente zu Berlin und Frankfurt die Wetter der Fürstenrache hereinbrechen , von Südosten her wird der Hagel für die junge Saat unserer Freiheit kommen. Ihr, die ihr schon längst das Spiel durchschaut hattet, die ihr schon seit Monden dem deutschen Freiheitsjubel seine Fratze zeichnetet, seit Monden den Kindern die Ruthe und Knute prophezeitet, ihr, die ihr geweint hättet, wenn Männern eine Thräne ziemte, die ihr über die Greuel, die da kommen mußten das Auge geschlossen hättet, wenn der Brand, der aus dem Herzen aufflog, eö geduldet, ihr — — o! unter den Bajonetten, die euch die Reichsgewalt in Voraussicht der entsetzlichen Dinge, die herausbeschworen wurden, auf die Brust gesetzt hat, unter den Bajonetten, die nicht nach Wien, aber nach Berlin, nach Thüringen, nach Baden getragen wurden, unter diesen Bajonetten werdet ihr mit den Zähnen knirschen können — aber ihr müßt schweigen; ihr werdet jenen furchtbaren Traum träumen müssen, wo es uns treibt, heran- und immer heranzustürzen, wo aber Bleikugeln an unsern Füßen hängen und wir bleiben müssen.
Wien wird unterliegen, und dann wird es sich zeigen, ob jener Welker und Bassermann, jenes deutsche Parlament und jene Centralgewalt die Geister, welche sie losgelassen haben, zu beschwören im Stande sind, es wird sich zeigen, ob sie stark genug sind, den Bund wieder zu brechen , zu dessen Abschluß sie geholfen haben, den Bund der Höfe zu Petersburg, Potsdam und Ollmütz. Es wird sich zeigen, ob dieses Parlament, das einst, als der frische Sturm der Revolution hinter ihm stand, nicht groß und begeistert genug war, dem Verrath der Fürsten entgegenzutreteu , groß und stark genug sein wird, seinen eigenen schmachvollen Untergang zu vermeiden, jetzt, wo es einsam und verlassen steht, wo sich die glühenden Herzen der Vaterlandsfreunde getäuscht und schmerzvoll von ihm wenden, wo sich Niemand um es schaart, als jene verblendeten Menschen, deren erstes Gebot „Ruhe" lautet und deren einziges Gefühl die Angst ist.
Oder meint ihr, die Zeit käme nicht? So ewig die Wahrheit ist, daß die Revolution, die nicht den Muth hat, das Letzte zu wagen, ihre eigenen Kinder verschlingt, so gewiß ist das Dasein jener Verschwörung eurer Fürsten; so sicher ist es, daß nur ein Schwachkopf erstaunt sein würde, wenn heut oder morgen von Berlin die Nachricht käme, der Hof von Berlin habe auch seinem Jellachich befohlen, den haarscharfen Säbel zu ziehen und die Kugeln in die Läufe der Gewehre rollen zu lassen. Dann, dann — aber nein! Ehe die Donner des Himmels ertönen, ehe der Blitz zu deinen Füßen einschlägt, eher wirst du nicht aufwachen, mein armes, verrathenes Volk!
Das Parlament.
(Fortsetzung und Schluß.)
Ihr sprecht euch das Recht der Kritik zu, ihr behaltet euch vor, jeden Beschluß der Nationalversammlung eurer Prüfung zu unterwerfen, die Nationalversammlung durch Adresseu und Petitionen auf dem rechten Weg zu erhalten. Wohl, daS Recht der Kritik, das Recht jener Prüfung ist aber nichts anderes, als die Anerkennung deö Rechts der Revolution , der Revolution für den
Fall, wo die Kritik nicht mehr ausreicht, wo der Petitionen genug sind, wo die angethane Schmach nicht mit Worten zu repariren, wo die Grundlage, die Pulsader alles unseres Rechtes, wo unsere Souveränetät selbst angetastet ist. Das Recht der Kritik ist nur jener matteste , jämmerlichste Abklatsch, ist nur jener feigste Ausfluß , jener kalte, für die Augen abgelebter Schulmeister und Professoren zuträgliche Schein des lebendigen Volks - geistes, der nicht Schatten und Schemen, sondern Fleisch und Blut ist, der im letzten Falle nicht mit der Feder,