Zweite Auslage.
D i e Horni
Zeitung für hessische Biedermänner.
Ufa 18. Cassel, Mittwoch am 8. November 1848.
G^” Die „Hornisse" erscheint wöchentlich zweimal, und kann jeden Mittwoch und Sonnabend Mittag gleich nach dem Erscheinen bei dem Verleger gegen den Betrag von 9 Hlr. in Empfang genommen werden.
J. C. J. Baabé & Coinp., Buch- und Kunsthändler.
Steinweg Nr. 190.
Wien.
H?at die Kaiserstadt gesiegt, oder ist sie ein Aschenhaufen? DaS ist die große Frage, welche seit Wochen von Munde zu Munde geht, und mit deren Beantwortung alle Zeitungen ihre Spalten füllen *).
Was unS anlangt, so haben wir die fürchterliche, aber unerschütterliche Ueberzeugung, daß die Metter- nich'sche Spitzbubenpolitik, der Verrath der Höfe siegt, siegt, sagen wir, daß jenes Wien, daö vor Monden noch wie ein Kind zu den Füßen seines Kaisers tändelte, jenes Wien, dessen Vertrauen unerschütterlich war, das in seiner Kaiserburg seinen Heerd, seine Kirche, sein Alles sah, daß dieses selbe Wien, welches das Schwert nicht erhoben hätte, wenn eö nicht gar zu deutlich gesehn hätte, wie eine nichtswürdige Camarilla, jenes Geschmeiß, das sich überall sammelt, wo AaS ist, wie es mit teuflischem Hohne, mit Ränken und Kniffen, mit der satanischen Gier eines Banditen und der barbarischen Herzlosigkeit eines Nationen wie Puppen auf's Spiel setzenden Paschas, zwischen die Begeisterung des Frühlings, zwischen die blutig errungenen Rechte des Volks schlug: unS ist eS klar, sage ich, daß dieses selbe Wien sein Herzblut umsonst verspritzt, daß es umsonst die Qualen des Hungers erduldet, umsonst nach Recht und Gerechtigkeit schreit, umsonst den Himmel zum Zeugen seiner guten Sache auffordert, sich umsonst gegen die Fäuste der Croaten und eines Windischgrätz verschanzt, daß es umsonst an ein deutsches Parlament, eine deutsche Centralgewalt appellirt, eine Centralgewalt, die einen Welker nach Ollmütz schickt, um an demselben Tische sein Mittagsbrod zu essen, an welchem die Kartätschen gezählt werden, die hinreichen, Wien in Schutt zu legen. Uns ist es klar, daß die alte, jahrhundertlange Tyrannei der Fürsten das deutsche Volk so erniedrigt, ihm eine so gründliche Liebe zur spießbürgerlichen Ruhe eingeflößt, ihm so gründlich und nachdrücklich alle Begeisterung, allen Muth, alle Aufopferungskraft für das Edle und Große aus der Seele gemaßregelt hat, so gründlich, daß Metternich und NikolaS ruhig unter den Flammen Wiens — während â Glocken der Kaiserstadt den letzten Ruf nach Hülfe ertönen lassen und zum letzten Male Sturm läuten — ihre Papiere wechseln, neue Bundesacten unterschreiben können; unS ist eö klar, daß daS deutsche Volk so entwürdigt ist, mit seinem Bassermann zu rufen: Die Croaten — diese Croaten, welche nicht daran gedacht hätten, gen
zu ziehn, wären sie nicht gen Wien gehetzt worden, hätte nicht die Hand des Russen sich ihnen zuvor geöffnet, — dieseCrvaten haben Recht, Wiens Revolution ist Wiens Schande. So tief entwürdigt ist dieses deutsche Volk, daß es seinem Bassermann, demselben Manne, der sich die Gültigkeit seiner Worte und die Ehrfurcht gegen seine Worte erst durch GenSd'armen garantirt hat, nicht mit Abscheu den Rücken zuwendet, wenn er das Wiener Volk zu einer Rotte nichtswürdiger Meuterer stempelt, weil es nicht, wie es Unterthanen
Siehe die offenen Spatten.