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Dritte Auflage.

D t e

Hornisse.

Zeitung für hessische Biedermänner.

Mi- IV

Cassel, Sonnabend am 4. November

1848.

C^ DieHornisse" erscheint wöchentlich zweimal, und kann jede» Mittwoch und Sonnabend Mittag gleich »ach dem Erscheinen bei dem Verleger gegen den Betrag von 8 Hlr. in Empfang genommen werden.

J. C. J. Raabé & Comp., Auch - und Kunsthändler.

Steinweg Nr. 190.

Der Congreß zu Caflel.

Folgendes ist daS Ende der Riesenagitation, von der wir in Nr. 8 dieses Blattes bereits trommetet und po­saunt hatten. Dieses ist dasLeben" und sind die Reden und Thaten" des großen nationalen Congresses, der gehalten wurde zu Cassel im Kurhessischen am zwei­ten Tage nach dem Buß- und Festtage.

Die Revolution Deutschlands ist zu Ende. Hehr und heilig wie eine Viehmagd auf den Alpen erhebt sich der Frieden des Bürgervereins über den Abgründen der Anarchie!

Ueber 30 Männer, mehr denn der Hirten waren, welche zu der Krippe Jesu zogen, wallfahrteten unter dem Scheine des Sternes gen Cassel, zu verkünden:Ehre Gott in der Höhe, Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen". Mehr waren ihrer, denn der sächsi­schen Schulmeister, welche den großen deutschen Schul­meisterverband schufen, der da ist eineThat", eine Wahrheit", ein Fact in dem Act der europäischen Re­volution.

Saßen da zuerst und scheuten sich, das Werk zu be­ginnen , und sehnten sich zurück in die Gefilde der Hei- math, bis sie einenkühnen Griff" thaten und einpro- visouum gründeten, ein provisorium, sage also ein pio\isorium, und abermals ein provisorium, das übergehen wird in eindefinitum. Saßen da zuerst und scheuten sich sehr. Beriethen Anfangs, ob sie bera­then wollten, besprachen sich zuvörderst, ob sie sprechen

wollten. Stille saßen zur Seite die Gläubigen aus dem Bürgervereine , langsam gähnten die nationalen Raths­frauen der Tribünen bei gelben Glacehandschuhen und klatschsüchtigen Händen, als der Riesencongreß sich für impotent und incompetent erklären wollte. Aber süß klangen die Worte des Provisoriums, und hold lächelten die Damen, als das jugendliche Provisorium die impo­tenten Männer der Hauptstadt an ihrer Ambition griff, und so lange schüttelte und rüttelte, bis sie endlich er­faßt wurden vom Fieber der ReichsgenSd'armerie, und sich ällcsammt , 20 an der Zahl, verbanden zum Kern des nationalen Reichsregiments, Pfaff hinterdrein als freundliche Marketenderin auf dem Bagagewagen.

Nun ist er geschehn der gewaltige Griff, nun stehen sie da auf dem Kampfplatz

Die Reichsbüttelei, die Schandarmerie, die Frankfurter Stadtsoldateska.

Hoch, Wippermann hoch! und Biedermann hoch! und Bassermann, Hansemann, Dahlmann!

Nicht länger gezagt, nur munter gewagt und cosackt und croatet die Deutschen,

In geschlossenen Reih'» die Bureaucratie, die Schulmei­ster stehn auch zur Seite,

Die Kirche zumal, die lange geschmäht, und jetzund doch nichts zu thun hat.

Nun frisch an das Werk und reichsbombardirt, wo ir­gend ein Feind noch den Kopf hebt,

Die Crème der Welt, der Bürgerschaft Kern, zwar feige und öfters im Nachtrab,