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gelesen, hier wird unterschrieben! Stäubos, krieg die Kränk! Du willst doch lesen? Dreh daâ Blatt ’rum!
Der Hanauer. Aber .....
Unteroffizier. So? — Rindvieh, Du willst mucksen. Hast diese Woche die Stubenjour. Euch Hanauer Himmelhunde wollen wir fegen. Ich glaube gar, die Racker wollen Republikaner sein. In die Eisen sollt Ihr. Verlaßt Euch nur nicht auf Eure Freunde unter den Bürgerlumpen. — Ein Soldat hat Niemanden über sich, als seinen Fürsten und seinen Herrgott.
Hanauer. Und den Herrn Leutnannt habe mer über uns, und Sie, und noch ein Dutzend annerer Herrgötter.
Soldaten. Ha! ha! ha!
Unteroffizier. So! Ihr Esel! Ihr exerziert heut Abend mit Sack und Pack. Dafür steh ich Euch. Und der Hanauer kommt in scharfen Arrest. Hundezeug Ihr!
3.
(Auf dem Exerzierplatz. Abends.)
Lieutenant Brrr. Wo sind Seine Leute, Unteroffizier ?
Unteroffizier. Meine Leute? Halten zu Gnaden! Keiner vorhanden.
Lieutenant. Er haftet, der Appell ist vorüber.
Unteroffizier. Da kommen ein Paar. Hanauer hierher! Wo habt Ihr gesteckt?
Hanauer. In der Volksversammlung.
Lieutenant. Was? Gottskreuzdonnerwetter! Unteroffizier, was ist Das?
Unteroffizier. Himmelhunde! Wer heißt Euch in Volksversammlungen gehn. Habt Ihr das in der Theorie gelernt. Ihr ......
Hanauer. Habe mer nit heut Morge die Liste zum Volkscomite unterschriebbe? Da habe mer gedenkt, wenn mer alsdeweil mit.airke, solle mer au in de Versammlungen.
Lieutenant (sieht ihn durch die Lorgnette an). Also gelesen! — Nun, gut! — Dienst versäumt! Alle Stubenarrest bis auf Weiteres! Unteroffizier!
Unteroffizier. Was befehlen der Herr Lieutenant?
Lieutenant (nach langem Stillschweigen). Er — Rindvieh! —
Unteroffizier (für sich). Die Stelle ist zum Deubel.
Das zweite Aufgebot.
Briefe an Herrn v. Schmerling, Kartätschenminister, Excellenz.
I.
, ,^'" pfiffiger Streich! mein verehrter Kartätschen- mmlster, den Sie da gemacht haben und Ihr Kollege, der Barrrkaden-Pauker. — O Sie sind zwei alte schlaue
Gesellen. Aber wahrhaftig, der Streich ist so gelungen, so fein, daß er zu fein ist. DaS Gewebe Ihrer Kartätschenpolitik ist so zart angelegt, daß es ein jedes Windchen aus der Wiener Aula oder von den Berliner Linden her in die Lüfte fegt.
Herr Kartätschenminister! Ich begreife allerdings recht gut, daß Ihnen elend zu Muthe ist manchmal. Alle Herren LandeSväter brauchen ihre Soldaten selbst in ihren Länderchen für ihre lieben Unterthanen, so daß Sie gewissermaßen ganz ungeschützt in Frankfurt sitzen, ganz blank, so zu sagen. Ich möchte in Ihrer Haut nicht stecken. Namentlich seitdem keine Lebensversicherungsbank mehr Versicherungen auf Mitglieder der Rechten annehmen will; noch weniger seitdem sogar dem rechten Centrum von tüchtigen Aerzten nur schlechte Gesundheitszeugnisse geschrieben werden.
Ich begreife außerdem, wie sich unser liebe Hans langweilen, wie die gute Haut sich verlassen fühlen mag. Kann doch nicht Holters alle Tage auf Stelzen laufen zum Zeitvertreib. Muß Soldaten haben, ist'S Holter gewohnt von Kindsbeinen an. Ist nun 'mal eine fürstliche Leidenschaft, das Soldatenspielen. Eine theure Leidenschaft; nun, dafür ist's eine fürstliche. Bis jetzt hat man noch Nichts von wohlfeilen fürstlichen Leidenschaften vernommen.
Sehen Sie, meine liebe Kartätfchenexellenz! Wir verstehen uns. Früher hatten wir für die 36 Fürsten eine halbe Million Soldaten zum Manövriren, Paradi- ren und Chikaniren, zur Uebung eines guten Geschmacks in Erfindung kleidsamer Trachten, zur Uebung im Schneidern, Schustern u. dergl. für hohe Herrschaften. Ihre schöne, wohldotirte Muse gab ihnen Zeit genug, sämmtliche Gewerke mit den schönsten Erfindungen zu bereichern. Früher hatten wir eine halbe Million, jetzt wollen wir noch 500,000 Mann dazu nehmen, damit der neue Prinz — den Sie und Ihre Consorten gemacht haben, und der ebensoviel sein soll, oder noch mehr als alle anderen zusammen -- damit der neue Johann ohne Land doch wenigstens kein Johann ohne Soldaten bleibt; damit er standesmäßige Beschäftigung erhalten kann. Vielleicht kann man auch durch zweckmäßiges Mediatisiren mit Hülfe der neuen Armeen einige Streifen Landes für ihn erobern. Man muß sich auf Alles schicken, denkt der ächte Diplomat. Sie schicken sich sehr geschickt auf die Zukunft, das muß Ihnen Ihr Feind ; lassen : ich nämlich.
Ich wollte es Ihnen von Herzen gönnen, wenn Sie und Ihr Johann mit Ihren neuen Soldaten so einigen kleinen Souveränchen den steirischen Abschiedswalzer aufspielten. Ihnen gönne ich'S, weil ich's uns gönne. Sie mögen meinetwegen dann ein Paar Tage Minister über diese kleinen neuen Reichsländer sein. Wird immer dabei gespart. Und Sie werden ja wohl auch 'mal Alle werden mit sammt Ihrem unverantwortlichen alten Sei- feusieder. Und die Soldaten werden Ihnen hoffentlich so viel zu schaffen machen, die alten Jungen vom zwei-