— «2 —
es sogenannten Menschen eurer Art zukommt. Der sogenannte Donner des jüngsten Gerichts wird euch bald aus eurer sogenannten Weisheit aufschrecken. Bis dahin schlaft und träumt ruhig unter dem schützenden Panier eures erhabenen, eures allmächtigen Wortes „Sogenannt ".
Ein sogenannter Auswärtiger und ein inwärtiger Sogenannter.
Dem Finder eine Belohnung!
In der Kaffelschen Zeitung hat ein kleiner Kasseler Thiers einen kleinen Blanqi entdeckt. Ein kleiner hessischer Louis Philipp wär' auch nicht übel. Dem Finder eine Belohnung.
Bitte um Aufklärung.
Wer ist denn eigentlich der König, der die Gesetze so gut an den Straßenecken erläutert?
Angekommene Gegenstände.
— Eine Schachtel voll bleierner Soldaten, als Ersatz für gehabte Verluste, bei S. u. 8.
— Einige rein-adelige Vollblutzöpfe, welche die Amerikaner den an England verkauften Hessen abgeschnitten und in die kühle Erde begraben hatten, sind durch einen glücklichen Zufall wieder ausgegraben und hier angelangt. Stift Kaufungen.
In Sachen der Schulmeister!
Ein fremder (deutscher!) Eisenbahnbeamter der Guntershäuser Brücke stirbt! Seine Kollegen veranlassen den Schulmeister Gottschalk zu Grifte, an seinem Grabe ein Kirchenlied durch die besonders bezahlte Schuljugend singen zu lassen. Dem Lehrer stellte man für das Taktschlagen beim Singen Zwei Thaler zu; das genügte ihm aber nicht und er sandte diesen Betrag, den die Kollegen des verstorbenen Armen col- lectirt hatten, mit der geistreichen Bemerkung zurück: „Ob man etwa glaube, daß er eines Eisenbahners wegen seine Lunge zum Teufel singen solle? er werde sein Geld schon bekom- men!" — Warum werden die Lehrer nicht so besoldet, daß sie dergleichen Pflichterfüllungen gratis thun können?
Gunteröhausen. F. 8......t.
3« Sachen der Pfarrer.
— Warum erhält eines Pfarrers Ehehälfte von einem armen W a ifenhause einen starken Gehalt um einen Küchenzettel für die Waisenkinder zu schreiben, trotzdem daS nie geschieht?! Es gibt also auch Pfründen für die Frauen der Geistlichen! und zwar Pfründen
aus der Tasche der Witwen und Waisen. O Christenthum ! —
Offene Spalten.
In der Neuen Hessischen Zeitung Nr. 141 stehts recht erfreulich zu lesen: „Wer gut schmeert, der gut fährt; wer aber als Beamter jeglicher Art, also auch Eisenbahnbeamter, sich selber schmieren läßt, hat zu gewärtigen, daß deutlicher auf ihn hingewiesen werde." — Sollte nach dieser Andeutung sich wohl irgend wo ein crimen repetundarum et flagrans — wie der Lateiner sagt — begründen lassen? — warum da nicht gleich mit der Farbe heraus, schon um Ehrenmänner willen, die sich niemals haben schmieren und beschmieren lassen, damit einem solchen „Langhals", wie man zu sagen pflegt, das noble Handwerk auch entsprechende Früchte trage: „sonst treibt man so so, den Esel zum Stroh". — Um nun auf Schmiere zu kommen, so diene zur Nachricht, daß man dieselbe am wirksamsten aus dem Auslande beziehet; daher man in der Regel auch den Fabrikanten daselbst bei etwa erforderlichen Lieferungen den Vorzug giebt. Im Jnlande hat man des Fabrikates zwar ebenfalls, soll jedoch weniger gut und zähflüssig sein, daher wenig benutzt. Also bessert Euch, Ihr inländischen Fabrikanten, wollt Ihr Absatz erhalten! — Das Produkt nun, um daS es sich handelt, zerfällt, wie daS 1 te und 2te Aufgebot, in 2 Abtheilungen, nämlich 1) in dünne Schmiere fürs Innere , die da Gleiches bewirkt, als wie, wenn müde Gäule noch einmal so schnell laufen, dadurch, daß der Kutscher erst vor einem Wirthshause einen tüchtigen SchnapS zu sich genommen hat, und 2) in dicke, goldige Schmiere von Außen; diese ist bei weirem kräftiger , anhaltender und den Erfolg sichernder als jene, sie macht alles gut, hat ferner die Eigenschaft, Risse, Faulbrüche und dergl. zuzudccken, vertheuert aber durch ihre Anwendung die Sache. Nun der Zweck heiligt ja die Mittel.
Hierzu sodann nicht gehörig, erlaubt man sich die Frage: Ob Eisenb ahnd ir ecti on en Lieferungen selbst auszuschreiben, zu verdingen, oder darin dritten Personen unbeschränkt freie Hand zu lassen haben? Wie es mit der Gunteröhäuser Brücke stehet? Ob die Einschnitte bis Rengshausen noch fleißig einrutschen? und wie weit die Untersuchung, wegen der Schienenlieferung von v. Rothschild u. Comp. im kurhess. Landtage vorgeschritten ist?? *)
Drei Feinde der finkenden Nordbahn- Aktien.
*) Und was das pot ä vin (bet schöne Schmuck) macht?
An merk. b. Hornisse.
Kassel. Verantwortlicher Herausgeber: I. C. I. Raabè. - Druck der ^fhennewn Buchdruckerei.