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Der W end eroth warf den Farbtopf um, Zusch ist Conservator, der ist nicht dumm.

Doch wo bleibt X und Ypsilon? Dye Hornixe lacht und stiegt davon.

Der Einfluß der Literaten in der Stände­kammer.

Bürger Vetter! Jetzt bin ich dahinter gekommen, woher die schlechten Gesetze stammen in unserer Stände­kammer. Lieber Peter! Du erinnerst Dich doch, woher die guten im Wiener Reichstag kamen. Von den Li­teraten, von den Zeitungsschreibern. Diese Menschen hatten auf die nichtsdenkende Menge der Deputirten ei­nen ganz abscheulich starken Einfluß. Da hat man denn die Bürscherchen genommen und hat sie in ein apartes Ställchen gethan, hinter Gitter und Gatter; nun thun sie keinen Schaden mehr. Der Wiener Reichstag und der central-pyramidal-langweilige Schuselka kann un­gehindert die dümmsten, gesinnungslosesten Streiche ma­chen. Siehst Du, Vetter, vom Feind muß man lernen. Du weißt, ich bin kein unrechter Rechter, sondern ein rechter allerrechtester Linker.

Als ich nun so in unserer Ständekammer saß, ver­glich ich sie in meinem Geiste mit dem Wiener Reichs­tag. Und ich mußte lachen. Freies Lachen, Peter, ge­hört zu den Märzerrungenschaften. Und als ich genauer aufmerkte, sah ich, wie ein Mann mit einem langen Barte, von sauertöpfischer Miene hinter den Stühlen der Nickemänner hin und herlief, und hörte, wie er ih­nen in die Ohren zischte, und jedesmal stimmten sie contra rationem, d. h. kontrakt und rantzig. Und dann sah ich ihn wieder mit den Regierungsmännern lachen und flüstern und zischeln. Und als ich mich nach seinem Namen erkundigte, erfuhr ich, es wäre der Redacteur der Neu-Hessischen Zeitung, der Obergerichts-Anwalt Oetker.

Da sielen mir die Literaten von Wien ein. Und ich mußte abermals lachen. Halt! dachte ich, dem Mann muß ein kleiner Käfig gebaut werden, damit er unschäd­lich gemacht wird, und damit die Nickepeters (lieber Peter nimm diesen Ausdruck nicht vor übel) ganz ver­lassen sind. Und ich dachte mir recht lebhaft den Spaß, wo der Einfluß der hessischen Literaten hinter dem Git­ter springen würde, wie ein wilder Zeiselbär, und wie die Nickeköpfe voll Jammer nach ihm hinstierten, um aus seinen Sprüngen zu erkennen, wie sie abstimmen sollten, und wie sie voll Unentschlossenheit und Angst den hellen Schweiß vergössen.

Und siehe da, ich lachte zum brittenmale und ganz laut. —

Mein' ich aber, die Welt ging unter! Der Präsi­dent wollte die ganze Tribüne räumen wegen mir. Der

Reichskanonier Bergk interpellierte gleich um eine Bat­terie Artillerie zum Schutz der Ständekammer, und der Reichsdeclamator König sang im Gesangbuchstakt ei­nen Strafpsalm auf Alles, was sich regt und beweget auf Erden.

Nun bitt' ich Dich, Peter! Nicht einmal lachen soll ich in dem Kasseler Reichstag, und der Deputirte Thon lacht selber von Anfang bis zu Ende.

Ich ging hinaus. Aber ich nahm mir fest vor, die Zeitungsredaction muß hinter ein Gitter. Eine Sturm­petition vom ganzen Lande muß eingereicht werden.

Da kommt mein Nachbar, der politische Schuhmacher, und sagt, die ganze Geschichte wär' zu Ende. Der Landtag wär aus, und in den nächsten Landtag käm mein bewußter Zeiselbär mitten hinein.

Da sagte ich: o Rintelenser, Rintelenser, ihr Ge- burtStagsfeieranten, ihr Jlluminanten und Kranzfabrikan­ten — warum habt ihr uns Das gethan ? — Sei Du nur ruhig, sprach der Schuster, eS wird nicht lange dauern. Das wolle Gott,'lieber Vetter!

Dein Vetter Links Linksior, LinkissimuS, Hornist bei der Hornisse.

Ein sogenannter Aufsatz über das soge­nannte Wort „Sogenannt".

Da haben die Spießbürger einen köstlichen Fund gethan. Schlug Einer einmal das sogenannte Lexikon nach und fand daS sogenannte Wort „Sogenannt". O welche himmlische Wonne war das. Von der Stunde an war Alles im Reinen. Nun swar daö System des sogenannten Constitutionaliömus gerettet für im­mer. Es gab kein Widerspruch mehr gegen die Weis­heit der Doktrinäre, gegen die Klugheit dieser Eintags­fliegen. Es war ja gar kein Widerspruch mehr. Es war der sogenannte Widerspruch von sogenannten Men­schen , vom sogenannten Volk, in sogenannten Volks­versammlungen. Das ist daS Heil dieser Kleinbürger von Kleinschöppenstadt; — wo die Begriffe fehlen, wo der Geist ein unbekanntes Etwas ist, wo der Muth, die volle frische Thatkraft der Seele sich in einem kümmer­lichen, verkrüppelten Menschengeschlechte verloren hat: „da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein". Das Wort „Sogenannt" wird die Welt erretten. O ihr wirklichen Pfahlbürger, wie seid ihr glückliche, benei- denöwerthe Menschen; mit diesem Zauberworte allein streicht ihr ganze Jahrhunderte, schlagt ihr die ganzen Schmerzen, das ganze Unheil von der Bühne der Zeit. Lebet glücklich, ihr sogenannten Volksfreunde, in eurer sogenannten Dummheit, damit das sogeuannte Elend, der sogenannte Zorn des sogenannten Volks niemals zu euerm sogenannten Bewußtsein kommt, damit euer sogenanntes Hirn so arm bleibt und so zufrieden, wie