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Zweite Auslage.

D i e H o r n i f s e.

Zeitung für hessische Biedermänner.

ass iS Cassel, am 28. October 1848.

C^* DieHornisse" erscheint wöchentlich zweimal, und kann jeden Mittwoch und Sonnabend Mittag gleich nach dem Erscheinen bei dem Verleger gegen den Betrag von 9 Hlr. in Empfang genommen werden.

J. C. J. Baabé &omp., Kuch- und Kunsthändler.

Steinweg Nr. 190.

Das neue Wahlgesetz.

(Fortsetzung und Schluß.)

Cs ist geschehn. Die Ständekammer hat mit ^Stimmen daS neue Wahlgesetz angenommen; ich hab' eS vorausgesagt. Aber auch Du, Brutus Henkel? Wer hätte das gedacht.

Volk, Simson, Du schläfst; Philister über Dir! Ermanne Dich; schüttle Deine wallenden Locken, daß sie entfliehen voll Schreck, diese Armseligen.

Was denken diese Gesetzgeber? Das ganze Volk hat im Voraus den Stab gebrochen über ein jedes Wahlgesetz, das die alten Ständeunterschiede und Vermögensbestimmungen beibehalten würde. Wird das Volk sich von Neuem den Unterschied des Besitzes in seiner ganzen brutalen Nacktheit gefallen lassen, wird das Volk dulden, daß 16,000 Höchstbesteuerte den dritten Theil aller Macht in ihren steuerzahlenden Händen haben?

Wäre ein solches Gesetz im Jahre 1847 erschienen, es wäre ein freisinniges gewesen. Aber heute, mitten im Sturme der Freiheit ist es lächerlich, ist es ein Hohn auf das Streben der Menschheit, ist es Verachtung gegen die lautfordernde Stimme des Volkes.

Ja Verachtung ist es. Es gibt genug, die mit dem greisen Jordan' sprechen:pah! was ist die Stimme des Volkes, was sind Petitionen; man weiß, wie sie zusammengebracht werden." Arme Freunde! Seht ihr nicht ein, daß ihr selbst euer Urtheil sprecht. Oder war das Volk, das euch zujauchzte, das euch auf seinen Händen trug damals, als ihr als Plänkler den Kampf begännet, etwa ein anderes, als jetzt, wo ihr müde und matt im Hintertreffen einherhinkt. Es war dasselbe, ihr aber seid alt geworden. DaS ist der Lauf der Dinge.

Es ist dasselbe Volk wie damals. Aber es ist einmal betrogen um die Früchte seiner Kämpfe; es will nicht zum zweitenmal vergebens sich erhoben haben.

Und soll es sich deswegen erhoben haben, damit der Spießbürger zur unumschränkten Herrschaft komme, zur Herrschaft in den Ministerien, zur Herrschaft in der Ständekammer? Bei Gott, diese Herren glauben, die Revolution habe nur deswegen die alten Throne der Fürsten erschüttert und die alten Standesprivilegien gebro­chen, damit sie ihre wohlhabenden Bäuche auf den weichen Thronsesseln niederlassen können und herrschend ausruhn von den Strapatzen eines gesegneten Daseins. Die Kurzsichtigen!

Ein solches Spießbürgerregiment ist wie ein wohlgenährter geistloser Mensch, der zurückgelehnt in seinen Polstern mit dem Daumen spielt aus Langerweile , aus Gedanken- und Gefühlsarmuth. Arbeiten, Essen, Trinken, Steuern zahlen, ist der ganze Kreis seines Verständnisses. Die Armuth, die Arbeitslosigkeit stört seinen Mittags-