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Zweite Auslage.

D i e Horni s s e.

Zeitung für hessische Biedermänner.

ML 11. Cassel, am 7. October 1848.

DieHornisse" erscheint wöchentlich einmal und kann gleich nach dem Erscheinen für 1 Sgr. die Nummer bei Hrn. Buchhändler 3« C. 3» Naab» fC Comp., Steinweg Nr. 190 in Kassel, in Empfang genommen werden. Unbemittelte können sich das Blatt durch bemittelte Personen kaufen lassen. ?(Ueè , was Stachel hat, wird ersucht, Beiträge zu liefern. An Honorar ist freilich nicht zu denken; es ist nur der Ehre wegen. Auszüge aus der Neuen Hessischen Zeitung" und der freien Presse" werden indessen gut bezahlt. DieKasseler Zeitung" schreibt der Redacteur selbst ab, weil er sich diesen Genuß nicht versagen mag. Ausdem Henkel" wird nichts ausgenommen.

Meine Preßproeesfe

Es würde mir nicht einfallen, Hausangelegenheiten vor die Oeffentlichkeit zu bringen, wenn ich damit nicht den Beweis liefern wollte, daß mit der schlagenden Darlegung des Volkswillens im Monat März das Lied noch nicht zu Ende gesungen, sondern noch ein gut Theil zu singen übrig geblieben ist. Meine Processe beweisen, daß auch die hes fische Regierung den Glauben angenommen hat, sie habe ein Recht auf Vertrauen, sie habe ein Recht darauf, daß alle Agitationen, alle politischen Bewegungen fortan eingestellt und nur die Parteien zur Rede zugelassen würden, welche im allerunterthänigsten Unterthanentrott ihre gehorsamste Zufriedenheit mit den bestehenden Staatöeinrichtungcn abwinseln. Meine Prozesse beweisen, daß die hessische Regierung als obersten Grundsatz den hinstellt: Ruhe!!! Sie beweisen, daß die Sage von democratischen Grundlagen, von einer Majestät des Volks, vor welcher sich alle Behörden, alle Fürsten zu beugen, von der Fürsten und Behörden ihre Beglaubigung und ihr Urtheil zu empfangen hatten, daß diese democratischen Grundlagen, diese Majestät des Volkes, Lügen sind, Lü­gen, ausdrücklich erfunden, um den freien Geist, dem offen ins Gesicht zu schlagen eine Verwegenheit wär', den Dolch meuchlings in den Nacken zu stoßen.

Armes Volk! Daö ist mein Glaube, für den ich zu sterben gedenke, daß du nicht eher zu einer sittlichen Größe gelangst, daß du nicht eher frei, groß und mächtig wirst, bis du den letzten Lappen deines Vertrauens aus dem Herzen gerissen, bis du dein ewiges Recht zur Geltung gebracht hast, in jedem Augenblick deines Lebens mit der Regierung brechen, ihr nicht den Gehorsam, wohl aber die Liebe aufkündigen zu können. Es ist eine wahnsinnige Idee, daß ich deshalb, weil die Mehrheit des Volkes gerade mit einer Negierung zufrieden ist, daß ich deshalb verdammt sein soll, meinen Grimm, meinen Haß zu verschweigen, daß ich deshalb verflucht sein soll, mein Herz, meinen Kopf in Ketten und Banden zu legen, verflucht und verdammt, mit eigener Hand meine Ideale zu morden, die heißesten Wünsche meiner Seele, zu Paaren zu treiben. Die Negierung hat nur von mir zu fordern, daß ich dem Gesetze gehorsam bin. Frei muß es mir stehen, diese Regierung mit allen Waffen des Frie­dens zu stürzen, kein Gott darf mich zwingen wollen, auf die Geltendmachung meiner Ansicht zu verzichten.

Aber siehst du, mein Volk, das ist der Unverstand einer konstitutionellen Monarchie, dieser Spottgeburt auS Dreck und Feuer, daß der Volkswillen sich immer nur bis zu einem gewissen Punkte geltend machen kann, bis zu dem Punkte nemlich, wo ihm ein selbstberechtigtes Wesen und dieses Wesens Kreaturen entgegenstehen, wo der Trotz auf die augenblickliche Majorität und die Angst vor den majestätischen Erscheinungen der Freiheit deine Mi­nister anspornt, sich mit allen zu Gebote stehenden Mitteln in der Majorität und damit an ihrer Stelle zu erhal­ten, also die Minorität in Zaum zu legen, ihrer Propaganda den Weg zu verlegen, ihren Gedanken daS Wort zu stehlen. Man tröstet dich mit deinen Kammern! Aber dieser Trost ist ein Hohn auf deinen Verstand, denn jede Agitation, in der nächsten Kammer die Majorität zu gewinnen, wird als Angriff auf das Bestehende betrachtet, als eine Erregung der Unzufriedenheit, als ein beabsichtigter Aufruhr, und deshalb mit den ergebenen Schergen der Gewalt verfolgt und zu Boden geschmettert. Der Majorität wird eS gestattet, die andere Partei mit allen