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du es heute oder morgen, oder über's Jahr, wie gerade die Zeiten sind, wieder herauszugeben und für die Zinsen doppelt und dreifach zu dulden hast; was dir aber einmal genommen, was dir abgeschwatzt, abdiplomati- sirt, abgetrotzt worden ist, das, lieber Michel, ist dir ewig verloren, du magst dich stellen, wie du willst, oder du mußt es dir zurückbetteln. Das ist die Anerkennung alter Verträge, das ist das historische Recht. Und würde die ganze Welt einmal zusammen-vulkanisirt, sobald deine Landstände und deine Zeitungen, den. Platz wieder aufgefunden haben, wo geographisch genommen Hessen liegen muß, so decretiren sie Seiner Königlichen Hoheit ihren Thaler pr. Kopf, und schicken ihm das Geld, wohl verpackt und franco, in den Himmel oder in die Hölle, je nachdem er es verlangt — von Rechtswegen.
Lieber Michel, du bist ein sehr ergiebiges Hausthicr!!! Wenn du cs nicht wärest, oder nicht sein wolltest, so würdest du punetn der Civilliste erklären: Wir wollen sie nicht mehr bezahlen — damit Punctum. Wir bezahlen soviel als uns gutdünkt, und wenn das Seine Königliche Hoheit nicht zufrieden ist, so verlangen wir von den Ministern als Anerkennung unserer letzten Revolution und um eine zweite zu vermeiden, daß sie ihre Schuldigkeit thun und abtreten. Das ist die Sache! Minister, welche deine Revolution nicht durch ihre Revolution sichern und fortsetzen, sind deiner unwürdig, sind Verräther. Dder war die Höhe der Civilliste nicht ein geheimer Grund weiter für deine Revolution? Allerdings! Gut, dann ist die schwierige Frage entschieden. Aber deine Minister sagen: — Geduld, lieber Michel, es ist halt dein Landesherr, du mußt hübsch ehrfürchtig sein. — Nun, so geduldige dich.
Wo sind die Waffen?
Das ist eine Frage, die sich Angesichts des europäischen Zerwürfnisses, Angesichts des hereinbrechenden Bürgerkrieges, der den volksverrätherischen Volksvertretern auf der Seele brennen mag, die sich wohl aufwer- fcn läßt, ohne der hochlöblichen Polizei, ohne einem Bergk, König und wie die Leute als heißen, zu nahe zu treten. Es war eine der scheußlichsten Ventilationen der mörderischen Cabinette, deren vollwichtiger Ausdruck im raffinirten Entsittlichungskriege des Bundes gesunden wird, die Faust des deutschen Mannes für waffenunfähig zu erklären, ihn ehrlos und wehrlos zu wachen, ihn bis zum asiatischen Buden zu verweichlichen, ~ — und obendrein in der Todesangst, in der alle Tyrannen verflucht sind, Tag und Nacht hinzuzittern, und obendrein diesem armen; entnervten, alles Stolzes und »Selbstgefühles beraubten Volke gegenüber noch
Cohorten Söldlinge aufzuziehn, durch Knechte geworben, durch Knechte gezogen, durch Knechte geführt, durch Knechte gehauen, geschlagen, bis das letzte Gefühl von Menschlichkeit darin erstorben, der letzte Funke von Brüderlichkeit in ihnen erloschen war. Der Barbarei noch nicht satt, wurde unserer Schande auch noch der Hohn entgegengesetzt, daß wir, die Geknechteten, die Entwürdigten, auch noch das Eisen zu unsern Ketten liefern, daß wir die Ketten mit eigener Hand schmieden und daß wir jubeln, jauchzen, in Freudenthränen ersterben mußten, so oft es einer königlichen oder kaiserlichen oder sonst einer Hoheit gefiel, die Gefangenwärter und Menschenbändiger in ihrer Pracht und Herrlichkeit den erstaunten Blicken der Unterthanen vorzuführen. Blöder Unterthan! das wirst du doch wohl erfahren haben, daß es dein Schweiß war, der an den Helmen der Soldaten glänzte, daß es die letzten Sparpfennige der Armen waren, die deinen Zwingherren die Kugel lieferten, welche vielleicht für daS Herz deiner Kinder bestimmt war. So viel Verstand wird dir wohl trotz all der'Schmach und Verdummungskunst, mit der die Gewaltigen der Erde deine Stirn schlugen, geblieben sein.
Und — frage ich — ist es seit dem vergossenen Blute der Märztage anders geworden? Wo sind die Waffen? rufe ich dir zu, dir, mein Volk, das in jenen Tagen nur die Faust hatte, mit der es seine gestohlene Freiheit zürückholte Die Waffen sind in den Händen deiner Soldaten gebliebett, du selbst bist eben so wehrlos, Und damit eben so elend, eben so ohnmächtig als früher. Was helfen dir alle Petitionen, alle Versammlungen, wenn du im äußersten Fall nicht die Hand an deine Büchse legen und dir mit der Gewalt des Stärkeren dein gutes, ewiges Recht verschaffen kannst, wenn du immer und immer wieder mit einem Stück Holz, selbst wenn es den Scherznamen „Gewehr" führte, — gezwungen bist, tausenden von Flinten- und Mus- quetenläufen entgegen zu treten? „Kein Gewehr!" so rufen deine Peiniger, — denn erst mit dem Gewehr in der Hand bin ich ein Mann, mit einem Gewehr, das ich kenne und liebe, mit dem ich manchen Strauß erfochten, manchen Wettkampf gekämpft, auf das ich sicherer trauen kann, als auf meinen Bruder, meinen Sohn. Seh' dir den trotzigen Hinterwäldler Amerikas an, wenn er von dir auf sein Gewehr blickt und dann den Teufel gegen seine.Freiheit herauöfordert! Solchen Trotz will man nicht für euch! Das hat man hundertfach durch die Jesuitenstreiche bewiesen, mit denen man überall daS Volk wieder entwaffnete, sobald es Pulver und Blei in die Flinte lud, entwaffnete,' sobald ein engherziger Hof- oder EabinetSrath, ein spitzbübischer Commandant in büreâucratischer oder absolutistischer Angst es für gut hielten.
(Fortsetzung folgt)