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Hornisse.
Zeitung für hessische Biedermänner.
X- 6. Cassel, am 2. September 1848.
Die „Hornisse" erscheint wöchentlich einmal und kann gleich nach dem Erscheinen für I Sgr. die Nummer bei Hrn. Buchhändler 3. C. 3. Raabe K Comp., Steinweg Nr. 190 in Kassel, in Empfang genommen werden. Unbemittelte können sich das Blatt durch bemittelte Personen kaufen lassen. Alles, was Stachel hat, wird ersucht, Beiträge zu liefern. An Honorar ist freilich nicht zu denken; es ist nur der Ehre wegen. Auszüge aus der „Neuen Hessischen Zeitung" und der „freien Presse" werden indessen gut bezahlt. Die „Kasseler Zeitung" schreibt der Redacteur selbst ab, weil er sich diesen Genuß nicht versagen mag. Aus „dem Henkel" wird nichts ausgenommen. ,
Motto: „Das Platt ist theils Hornisse, theils nicht."
Nicht-Hornisse.
Der Redacteur.
Ich bin des kalten Tons einmal satt; und da es wieder still im Lande ist, so habe ich Zeit, poetisch zu werden, und die Erlaubniß, zu lachen und fröhlich zu sein. Glaubt nicht, daß ich lachen wollte, wie Einer, der ironisch ist, daß ich mir vorgenommen hätte, witzig zu werden — nein! ich will lachen im eigentlichen Sinne deS Wortes, ohne alle Nebenrücksichten, lachen wie ein Stadtrath nach dem Mittagseffen, wenn seine Kleinen ihm den Hals kitzeln, — und poetisch will ich sein, wie ich gerade Lust habe. Ich hoffe, das wird mir erlaubt sein, dagegen wird Niemand etwas haben, selbst nicht du, den ich am meisten fürchte, alter, diensteifriger Sezekorn.
Kassel ist also ruhig — ja! aber auch die Lichter, die einst leuchteten und davon ich glaubte, sie würden eine schöne, heilige Flamme der Freiheit und Brüderlichkeit werden, verlöschen allmählig. ES beginnt schon zu dämmern, in der Kürze wird es vielleicht dunkel sein. Vielleicht? Sicher, wenn das Leben der Welt in den Händen Derer läg, die es jetzt im engen Raum ihres Kopfes zu halten glauben, die da wähnen, dem jungen Frühling müßten seine Lerchen, dem Jahre seine Ostern genommen werden. O ihr Thoren! Weisst mir eure Hand — sie ist kalt, euer Herz — eS ist todt, eure Stirn — sie ist trocken! Und ihr wollt ein Leben im Zaum halten, dessen erste Pulsschläge schon hinreichten, euch irrsinnig zu machen? Viele noch werden gleiches Schicksal mit euch haben, vielleicht beim zweiten, vielleicht beim dritten Lerchenschlage — ihr aber, seht! ihr seid jetzt schon verloren — und daö ist doch zu früh für einen Helden in unserer Zeit; eö ist erst Morgen, und doch seid ihr schon alt, abgenutzt, ausgebraucht.
Der Staat ist keine Poesie, sagt ihr — nein! Aber die Herzen der Menschen sind jetzt noch der Poesie voll, jetzt, wo der neue Tag angebrochen, der neue Heiland erstanden ist; und diese unsere Poesie ist eine tiefe, wilde, unbändige, mit der ihr hinausschreiten, der ihr euch nicht abwenden solltet, wollt ihr den Staat der Zukunft bauen. Was ihr schafft, wisset, das sind enge Klosterzellen, Gefängnisse, das ist nicht die deutsche Kirche, der prächtige Dom, unter dessen Wölbungen auch das gewaltigste Herz schlage» und der schwindelndste Geist sich entfalten könnte. Wehe euch, ihr begreift das nicht! Wie sich die Kunst der Minne- und Meistersänger schied, so die unsre und eure. Jetzt dürftet ihr nicht Göthe sein, jetzt müßtet ihr den Schiller verstehen lernen. — Das „Halt!", was ihr uns zuruft, 'ü daS „Halt!", was der Herr euch, euerm Leben zuruft. Da steht ihr