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Zeitung für hessische Biedermänner.
le Cassel, am I. August 1848.
Die „Hornisse" erscheint wöchentlich einmal und kann gleich nach dem Erscheinen für 1 Sgr. die Nummer bei Hrn. Buchhändler I. C. I. Naab« S» Comp., Steinweg Nr. 190 in Kassel, in Empfang genommen werden. Unbemittelte können sich das Blatt durch bemittelte Personen kaufen lassen. Alles, was Stachel hat, wird ersucht, Beiträge zu liefern. An Honorar ist freilich nicht zu denken; es ist nur der Ehre wegen. Auszüge aus der „Neuen Hessischen Zeitung" und der „freien Presse" werden indessen gut bezahlt. Die „Kasseler Zeitung" schreibt der Redacteur selbst ab, weil er sich diesen Genuß nicht versagen mag. Aus „dem Henkel" wird nichts ausgenommen.
Motto. Der Line lügt und der Andere lügt nicht; es ist ganz egal.
Programm der Hornisse.
Das Blatt ist theils Hornisse, theils nicht. Es hat die Tendenz der größtmöglichen Unselbständigkeit. Als entschiedener Feind jeder eigenen Idee wird es seine Spalten mit Nachdruck und ^Nachreden füllen und sich dadurch jeder Verantwortlichkeit auf die gründlichste Weise überheben. Wie es deutschen und zumal hessischen Biedermännern gebührt, verachtet es jede Entschiedenheit der Meinung, vor allen Dingen aber die moderne Sucht der Volksaufklärung und sucht vielmehr durch die Mannichfaltigkeit seiner Standpunkte eine totale Verwirrung der Ansichten hervorzurufen. Es wird sich somit besonders als Lec- türe der Staatsdiener, Advocaten und Stadtverordneten empfehlen, und nur an den constitutionellen Kammerdebatten einen allerdings gefährlichen Concurrenten finden.
Das Blatt hört auf zu erscheinen, sobald es die Polizei oder eine Anzahl von 30 Unterthanen wünscht, da es jede Opposition für das Grundübel dieser Tage hält, und nur in der christlich-germa
nischen Nachgiebigkeit und dem gemüthlichen Brei des Parlamentscentrums unser Heil erblickt. Seinem Grundsätze getreu wird es gleichwohl auch als Vertheidiger selbst der wüthendsten Opposition auftreten und den Parlamentsbrei mit Entrüstung angreifen, ganz auf Verlangen des Publicums, und jenachdem der Wind bläst. Das Blatt schwimmt niemals gegen, sondern stets mit dem Strome, und hält es als Anhänger der strengsten Unparteilichkeit ebensogut mit den Heulern als mit den Wühlern. Es vergöttert die Könige und den Hecker und Struve, eine lumpige Thronnull wie den großen Washington, schießt ebensogut aus Militär- wie aus Volksbewaffnungsbüchsen, und betet die Geldsäcke so inbrünstig an wie den deutschen Barrikadier. — Niemand wird diese Zeitung unbefriedigt aus der Hand legen, — dafür bürgt schon der Name des Redacteurs, der überall, nur nicht in der Druckerei des Blattes, zu erfragen ist. Sobald der Name bekannt wird, werden die Abonnenten wie Heuschrecken herbeistürzen und ohne Ueber- legung ihre Silbergroschen auf den Altar des Vaterlands werfen. Der Redacteur ist in dieser Hinsicht ein zweiter „der Henkel", und damit Punktum. Der Redacteur.