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Tages-Chronik.

Paris, 23. Juni. Die Regierung, durch die Aus- sprüche der Nationalversammlung gedrängt, hat beschlossen, die Nationalwerkstätten aufzulösen. Den ganzen Tag über zogen Massen von Arbeitern dieser Werkstätten durch die Hauptstadt; am Abend bilden sich zahlreiche Zusammenrot­tungen auf dem Pantheon-Platze; sie rufen: »Nieder mit Lamartine! Nieder mit Paris! Es lebe Barbès!« Die

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Haufen wollten nach dem Luxembourgpalaste ziehen, um von den Mitgliedern der Vollziehungsbehörde-Arbeit zu langen; sie fanden aber alle Straßen, melden dem laste führen, von starken Truppenabtheilungen abgesperrt. Die Massen wälzten sich nun nach dem Platze des Stadt­hauses und dem Bastilleplatze. An der Porte St. Denis

und der Porte St. Martin bildeten sich große Haufen; mehrere Redner forderten auf, nach Vincennes zu ziehen und Barbès zu befreien; sie sagten, die Offiziere und die Soldaten im Fort würden keinen Anstand nehmen, Barbès in Freiheit zu setzen, denn das Heer sei mit dem Volk; sie würden Barbès dann in den Palast der Natioyalver- sammlung bringen und ihn mit Gewalt dort ickstalliren, * wenn die Repräsentanten ihn nicht willig annehMeWwürden. Die Bewegungen unter den Massen in den vcrsâedenen Quartieren von Paris wurden immer drohender. «Die Be­hörden trafen ausgedehnte und energische MaßnaAi'Gf.um die Ordnung zu schützen und aufrecht zu erhalten»* Die Nationalgardc wurde zusammenberufen; in den Umgebungen des Luxembourg-Palastes wurden inposante Streitkräfte, sowohl von der Linie, wie von der mobilen Garde und der Nationalgarde ausgestellt, eben so bei dem Stadthause und dem Justizpalaste; bei allen Mairien wurden Truppen- abtheilungen zusammengezogen; zahlreiche und starke Pa­trouillen zogen ohne Unterlaß durch die Quartiere, wo sich die Bewegung mehr concentrirte.

— Heute früh sind die Arbeiter der Nationalwerkstätten in offenen Aufstand ausgebrochen. Sie errichteten Barrika­den an der Porte St. Martin und St. Denis. Die Natio­nalgarde wurde durch den Generalmarsch zusammenberufen ; sie fand sich rasch und sehr zahlreich ein, da die Gefahr bedrohlich zu sein schien. Die Barrikaden waren von etwa 6 — 7VV Mann, die meistens mit Flinten bewaffnet waren, vertheidigt; in den Vorstädten St. Denis und St. Martin drängten sich große Massen von Arbeitern, wie es schien, auf ein Signal wartend, um sich den Insurgenten anzu­schließen. Der Posten von Bonne Nouvelle wurde von einer Anzahl Insurgenten angegriffen, die ihn entwaffnen wollte, aber wüthigem Widerstände begegneten und, nachdem einige Schüsse gewechselt worden waren, die Flucht ergriffen. Ge­gen 11 Uhr wurden auch noch auf anderen Punkten Barri­kaden errichtet. Die Nationalgarden und Linientruppen rück­ten indeß rasch und von allen Seiten an, so daß man hoffte, es würden keine weiteren Barrikaden mehr errichtet werden können. Auf eine zwölf Mann starke Patrouille der Nationalgarde wurde in der Abukir- Straße von einem Jn- surgentenhaufen gefeuert; die Patrouille erwiederte sofort das Feuer und mehrere Mann wurden getödtet oder verwundet;

bie Insurgenten drangen darauf gegen die Patrouille vor, die sich vor der größeren Zahl zurückzuziehen genöthigt sah. Ein gleicher Auftritt chatte in der Rue de Elery statt; hier aber trieb die Nationalgardc die Insurgenten in die Flucht. Um 1 Ul)t wurde von den» Truppen ein heftiges Gewehr­feuer gegen die Barrikaden an der Porte St. Denis und der Porte St.^grtin eröffnet; die Insurgenten antwvrte- hcftlgem Gewehrfeuer, liegen aber bald,

ten anst

nachdem die TM^pen mehrere Ladungen abgeschossen hatten, nach; die Truppen machten hierauf einen Bajonet-Angriff; sie thaten es mit großer Unerschrockenheit; eine große An­zahl Insurgenten wurde getödet oder verwundet; vier Bar­rikaden wurden nacheinander erstürmt, und es wurde nun auch schweres Geschütz aufgefahren. Auf allen wichtigeren Punkten der Hauptstadt sind starke Z^uppenmassen ausge­stellt.^ Eine Barrikade, die zum Mittag in der Rue St. Antoine errichtet worden, und zwei Barrikaden in der Ge­

gend des Justizpalastes wurden von Abtheilungen der Na­tionalgarde alsbald mit dem Bajonette genommen. Viele Vertheidiger der Barrikaden und eine große Anzahl von Personen, die aufrührerisches Geschrei erhoben hatten, sind verhaftet. ' ° - D ,

Wien, 21. Juni. Ein Plakat des demokratischen Klubbs, den Erzherzog Johannen, die Spitze der provisorischen -Regierung zli stellen /Giâte großes Aufsehen.

£BAimtmndMnigcii

24. Die Unterzeichneten.herben heute ihren Austritt aus dem demokratisch-saciaken Verein hierselbst erklärt, weil sie mit der Tendenz dsr Majorität seines provisorischen Komi- te's nicht einverstanden sind. ;

Kassel, am 28. Juni 1848.

Winkelblech, Präsident. WâlNach, Vic^präsident.

Dippel. B. Breithaupt. C' Heckmann

23. Unterzeichnete ertheilt gegen ein billiges Honorar gründlichen Un­terricht im schulgerechten Gesang, sowie Anfängerinnen auch im Clavier- und Guitarrespiel. •*

CH. S. Geist,

am Markt Nr. 372, dritte Etage.

25. „Die Spargesellsch<rst zum gemeinschaft­

lichen Ankauf von Winterbedürfni^sen —Kassel, 1848" — zählt dermalen bereits 89 Mitg linder. Die weiteren Beitrittserklärungen und Einzahlungen erfolgen Sonnabend-Abends von ^6 bis ^8 Uhr: 1) im ^athhäuö, 2) im Hallengebäude, 3) im Stadtbau.

E° Zur gefälligen Beachtung für hiesige Abon- ? nenten, welche direkt durch die Expedition diefes Blattes dasselbe beziehen.„Nur ge­gen Quittung mzt meiner Namensunterschrlft wird der Abonnementspreis erhoben."

â Hahndorf.

Kassel. — Verantwortlicher Redacteur und ^Verleger : G.«H ab ndvrf

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