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Deutschand muß, will es die neu errungene Freiheit gegen innere und äußere Feinde bewahren, glorreich aus dem Kampfe der Gegenwart hervorgehen, sich ohne alles Zaudern in eine große Werkstatt, wo alles Waffen schmie­det und Munition bereitet, in ein großes Ererzierhaus, wo Alt und Jung sich in den Waffen übt, verwandeln, denn wer den Frieden will, der muß sich zum Kriege rüsten! Die Versammlung in Frankfurt wird, soll und muß, will sie nicht alle Ehre und Reputation verlieren und d«v Va­terland verrathen, in der allerkürzesten Frist eine Central­gewalt schaffen, welche sich an die Spitze der Heeresmacht von ganz Deutschland stellt und solche auf die nachdruck- vollste Weise verwendet wie und wo es die Noth und Ehre des Vaterlands erheischt. Wir aber in den einzelnen Ter­ritorien müssen ihr mit Kraft und Begeisterung vorarbei­ten, ihr die Arme, die Schwerter und die Donnerkeile be­reiten. Das walte der liebe Gott!

Kassel, am 17. Juni 1848.

Henkel.

Veckerhagen, 19. Juni. — Der Reinhardswald hallte gestern von herzlichem Jubel wieder, was ihm wohl in undenklichen Jahren nicht zu Theil ward; Freudenscbüffe bewegten dabei die Luft, und wenn man die biederen Men­schen frug: was bedeutet dieser Jubel? so erhielt man ganz schlicht die Antwort: es ist dies unserm Knobel zu Ehren!

— Und so war cs auch. — Es ist eine eigenthümliche Sache, wenn ein Volk erwacht ist, das sah man auch hier. Trotz aller Niederträchtigkeit der vorigen Minister, trotz Preß, zwang, Censur und Unterdrückungen aller Art, konnten sie es doch nicht verhindern, daß die Landleute in den Schluch­ten des Reinhardswaldes ihren Knobel im Herzen trugen und sich nur vor Schergen und Polizeispionen scheuten, ihre Meinung offen auszusprechen. — Der vieljährige Land­tagsabgeordnete, Bürgermeister Knobel von Ehlen, war von mehreren Einwohnern in Veckerhagen zum dortigen Schützenfest (Kirmes) eingeladen worden. Am Eingang des Reinhardswaldes, vor Holzhausen, ward er unter einer Ehrenpforte, von Blumen und Laubgewinden erbaut, von einer Deputation begrüßt, die zu diesem Zwecke auf einem mit Eichenlaub und deutschen Fahnen geschmückten Wagen angelangt war. Nach kurzem Aufenthalte setzte sich der Zug in Bewegung. Am Fuße des Reinhardswaldes war eine Ehrenwache zu Pferde im buntesten Kostüm aufgestellt und so langte man vor Veckerhagen an, wo eine Abthei­lung Bürgergarde mit der Fahne und dem Musikchor den Gefeierten empfing und unter Freudenschüssen und dem herz­lichsten Jubel des Volkes gings nach Veckerhagen. Alle Straßen, durch welche der Zug kam, waren mit Ehren­pforten , Laubgewinden und schwarz-roth -goldnen Fahnen geschmückt. Beim Fabrikanten Habich ward das Früh­stück eingenommen, wobei mit rührend treuer, einfacher Schlichtheit von den Ortsvorständen der Gemeinden Vecker­hagen, Gottsbüren, Oedelsheim, Hcisebeck, Arenbold, Vernawahlshausen, Vaake, Holz­hausen, Hombressen, Immenhausen, Lippolds- berg und Gottestreu, dem Gefeierten die Diplome als Ehrenbürger dieser Gemeinden überreicht wurden. Man sah es den Leuten an, daß es ihnen Ernst und keine bloße

Zeremonie war. Sie freuten sich, daß sie dem Manne, den sie schon längst als ihren Schutz und Schirm betrach­teten, erkenntlich sein konnten, und in eben so herzlicher Weise dankte Knobel, der sich kaum vor Rührung halten konnte. Nachmittags setzte sich der Zlig nach dem Schützenplatze in Bewegung, wo ein Volksfest im eigentlichsten Sinne statt fand. Unter einem großen Bretterdache ward gespeist, bei welcher Gelegenheit dem Manne des Tages ein silberner, inwendig vergoldeter Becher mit der Inschrift: »Die Reinhardswalder ihrem Knobel. — Veckerhagen, den 18. Juni 1848« übergeben ward. Bei diesem Mahle sprach die Menge durch Toaste ihre Wünsche und Hoff­nungen vollständigst aus. Den Tag schloß ein Feuerwerk, wobei ein Transparent mit der Inschrift: »Es lebe Knobel« leuchtete. — Die schönste Haltung bekundete dieses Fest und macht dem Komitè , das die Leitung übernommen, als auch sämmtlichen Theilnehmcrn, alle Ehre.

C r k l ä r u n g.

Wir werden den in JY? 39 d. Bl. enthaltenen, mit H. unterzeichneten Schmähartikel *) erst dann einer Widerle­gung würdigen, wenn der Verfasser so ehrlich gewesen ist, seinen Namen zu nennen.

Dr. Kühnert. Dr. Schreiber. Thornton

*) Wir überlassen dem Verfasser hierüber die Erklärung D. Red.

Tages-Chronik.

Am politischen Horizont wird es immer trüber; von drei Seiten wird Deutschland von Außen bedroht und im Innern steigt die Uneinigkeit. Wollen wir denn niemals aus der Geschichte etwas lernen? Die deutsche Uneinigkeit führte Deutschland unter das Joch der Fremdherrschaft und der Knechtschaft und wenn jetzt nicht die Partheienwuth schweigt, wenn jetzt nicht jeder Freund des Vaterlandes Alles aufbietet, den Zank nnd Streit im Innern zu ersticken, dann gehen wir einer bangen Zukunft entgegen. Es ist bereits eine alte machiavellistische Grundlehre: theile und du wirst siegen. Jetzt oder niemals gilt es einig zu sein und die Errungenschaften zu befestigen, nach Außen gerüstet zu sein, oder Deutschland gibt der Tummelplatz, auf welchem freilich die großen Prinzipienfragen der Gegenwart ausge- kämpft werden, wobei es selbst aber zu Grunde gehen kann. Wir müssen und sollen rasch eine Centralgewalt haben, der sich Alle fügen, und wer das nicht will, der muß als Feind des Vaterlandes betrachtet werden. In diesen Tagen muß sich das entscheiden. Sie mag ausfallen wie sie will, so ist sie dem Erzfeind der Civilisation, der russischen Knute, ein Dorn im Auge. Nach vielseitigen Nachrichten reifen deshalb auch unter allerlei Gestalten Emisäre, um im Innern Deutschlands Spaltungen und Zwietracht zu erre­gen. Wir fürchten die Kosacken nicht, wenn wir einig sind! —

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Hahndorf.

Kassel. — Verantwortlicher Redacteur und Verleger: S. Hahndorf. — Druck der Estienne'schen Buchdruckerei.