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digungsfähig sein, welches den inneren Feind besiegt und von ihm nicht nur Nichts mehr zu fürchten, sondern ihn zu seinem Bundesgenossen umgewandelt hat. Dieser Bun- dcsgcnosse ist das in seinen Rechten anerkannte, geschützte, zufrieden gestellte Proletariat.
Deutschland möge die vortheilhafte Stellung nicht verkennen, welche es gegenwärtig Frankreich gegenüber einnimmt. Wir wünschen dem großen Experimente der französischen Republik in ihrer jetzigen Gestaltung aufrichtiges Gedeihen; doch zweifeln wir so gut wie Andere an dem Gelingen des Versuchs, das Loos der Arbeiterbevölkerung in der projektirten Weise zu verbessern. Lassen wir unsere westlichen Nachbarn nach Belieben experimentiren! Wir haben den Vortheil unbefangenen Zuschauens und Abwartens der Erfolge. Sind sie glänzend, so wollen wir der großen Nation gerne die Ehre der Erfindung lassen und in ihre Fußtapfen treten. Mißlingen sie, so haben wir die herbe Lektion umsonst und können's besser machen. Wir wollen aber nicht passiv zusehen, sondern auch im eigenen Hause eine Umgestaltung auf anderen und sicheren Prinzipien mit dem Vorbehalte versuchen, jedem Fortschritte zum Besseren den Raum offen zu lassen. Wenn vorhin gesagt wurde, Deutschlands Stellung zu den hier berührten sozialen Fragen sei günstiger, als die Frankreichs, so schwebte hierbei der Vergleich der Gesinnung und sittlichen Grundlage germanischer Stämme mit der der romanischen Völker vor. In der deutschen Nation wurzelt die Achtung vor dem Eigenthum noch tief genug, als daß der krasse Kommunismus großen Anhang fände; der Deutsche verlangt nicht, die Hände in den Schooß zu legen und sich im Traume an die Urzeit des Menschengeschlechts der Güter der Erde zu erfreuen; Fleiß ist Grundcharakter unseres Volks, und es ist zufrieden damit, sein Brod im Schweiße des Angesichts zu erwerben. Ich glaube, daß es nicht schwer sein wird, dem wenigst Gebildeten aus unserem Volke begreiflich zu machen, wie nicht die Regierung die Verpflichtung auf sich nehmen könne, für seinen Unterhalt und seine Beschäftigung zu sorgen, daß, wenn sie ihm auch die Wege zum Erwerbe bahnt und alle ihr zu Gebote stehenden Kräfte zur Erleichterung des Looses der bedürftigsten Klassen der Gesellschaft aufwendet, doch jeder Einzelne seines Glückes Schmied sein müsse. (Forts, folgt.)
Was bedeuten die Jahreszahlen auf unseren neueren hessischen Geldstücken?
Seit mehreren Jahren ist die Bemerkung gemacht worden, daß die auf unseren hessischen Geldstücken befindlichen Jahreszahlen mit der Zeit ihrer Ausprägung nicht über- einstimmen. Bald courfiren Münzen, welche notorisch so eben geschlagen wurden und nichts desto weniger die Jahreszahlen von viel früheren Jahren enthalten, bald begegnet man sogar solchen Geldstücken, welche gleich den Almanachen u. s. w. die Jahreszahl des folgenden Jahres führen. Was sollen unter diesen Umständen die Jahreszahlen auf Münzen bedeuten, wenn sie nicht das Prägjahr bestimmt bezeichnen? Man bedenke, daß Geldmünzen, welche die Staatsregierung schlagen läßt, öffentliche Staatsur künden sind, welche sich durchaus streng an die Wahrheit halten müssen, wenn das öffentliche Vertrauen nicht wanken soll!
Nur Kurzsichtigkeit kann die Wichtigkeit strenger Wahrheit auf Münzen verkennen und es ist nicht zu rechtfertigen, aus falscher Sparsamkeit ältere Stempel zu benutzen, ohne die Jahrzahl entsprechend zu verändern. B.
Laudtagsangelegenheiten.
Sitzung vom 15. Juni.
Der Hr. Minister Eberhard war anwesend. — Der Hr. Landtagskommissar machte folgende Mittheilungen: ]) daß der Oberappellations - Gerichtsrath v. Dehn- Rothfelser von dieser Stelle entbunden worden sei; 2) daß hinsichtlich des Jagdrechtsgesetzes in nächster Sitzung eine Mittheilung erfolgen würde; 3) daß für die Städte des Schwalmstroms, welche den Obergerichtsrath Werth- müller zum Depulirteu gewählt hatten, eine neue Wahl angeordnet worden sei, da der Gewählte die auf ihn gefallene Wahl nur unter der Bedingung angenommen habe, daß diedermalige Slandeversammlung vertagt würde; 4) daß das Verbot, das Wandern der Handwerker nach der Schweiz und Frankreich betreffend, zurückgezogen worden sei; 5) daß Einleitung getroffen worden sei, um die Kriegsartikel und namentlich die darin enthaltenen Strafbestimmungen abzu- ändern. — Hr. Lederer bemerkte, daß er unter diesen Mittheilungen das Lehngesetz vermisse, worauf der Hr. Landtagskommissar erwiederte, daß dies Gesetz bei der Ständeversammlung so wesentlich geändert sei, daß es einer weiteren Prüfung bei der Kommission und dem Gesammt- Staatoministerium unterliege, und sobald diese beendigt sei, hierher gelangen würde. — Hr. Knobel wünschte auch Auskunft über den früher gestellten Antrag: den Fah- , neneid des Militärs betreffend — Hr. Landtag skom- missar: Hinsichtlich der Offiziere ist eine Untersuchung ein- geleitet, die aber nicht beendigt werden konnte, da das Militär nicht anwesend war, was die Soldaten anbelangt, so haben diese den Eid auf die Verfassung bereits im löten Jahre geleistet. —
Hr. Nebelthau begründete einen Antrag: die Organisation der Bezirksräthe betreffend. — Hr. Minister Eberhard: Seit meiner Amtsführung als Vorstand des Ministeriums des Innern, habe ich meine volle Aufmerksamkeit auf wesentliche Reformen in der Verwaltung gerichtet, es hat sich damit eine Kommission beschäftigt, deren Arbeiten schon so weit gediehen sind, daß sie die Hauptgrundsätze festgestellt haben. Ich wollte deshalb zur Beschleunigung des Geschäftsganges die hohe Versammlung ersuchen, noch heute einige Mitglieder zu bezeichnen, welche den endlichen Berathungen über diesen Gegenstand beiwohnen. So wird auch Vieles zu beachten sein, was in dem eben angehörten Antrag vorgekommen. — Der Antrag des Hrn. Ne- belthau ward in Erwägung zu ziehen beschlossen. —
Hr. Lederer: In Rotenburg sollen bedauerliche Ruhestörungen vorgekommen sein, die nicht allein gegen das Eigenthum sich vergingen, sondern auch das Leben von Personen bedrohten, ja, die so weit gingen, daß die Bürgergarde ihre Mitwirkung zur Unterdrückung dieser Unruhen verweigerte. Ich wollte mir deshalb an den Hrn. Ministerialvorstand die Anfrage erlauben, ob diese Gerüchte gegründet, und wenn das der Fall ist, ob die geeigneten Mittel und Wege eingeschlagen sind, um ernstliche Maß-