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§. 8. Alle zum Kongreß stattgehabten Wahlen werden durch öffentliche Blätter mitgetheilt. Die Anmeldung geschieht bei der von den Vertrauensmännern zu erwählenden Kommission.
Unsere verehrlicben Herren Abgeordneten erklären sich mit ihrer Mission vollständig zufrieden. > Wir können sagen, wir haben alle unsere Zwecke erreicht«, heißt es in ihrem Schreiben. Also das war Ihr Zweck? — Wir bedauern hier, nicht mit einstimmen zu können; denn, wenn wir uns auch nichts Außerordentliches von dieser Sendung versprachen und deßhalb uns auch der Mitwirkung enthielten, so glaubten wir dennoch nicht, daß man so weit gehen würde, als man hier gegangen ist. Wir haben uns niemals für unbedingte Gewerbefreiheit erklärt, warum, weil wir sie dem Einzel- und dem Gesammtwohl für nachtheilig halten, aber wir haben uns doch stets entschieden für Gewerbefreiheit erklärt und sind ebenso entschieden gegen einen Jeden aufgetreten, der dem Gewerbsmann den Strick um den Hals legen wollte, das mochte Herkommen, woher es wolle. Für eine solche Adresse, da brauchten wir wahrlich keine Revolution, oder wenn sie einmal da ist, dann führt auch ein solcher Schritt nur zur vollständigsten Reaktion, und das nicht zurück bis etwa auf 6, 8, 10 Jahre, nein, mit einem fürchterlichen Saltomortale bis ins Mittelalter hinein. Wenn die vollständige Verwirklichung der demokratischen Staatsform im Innern zum Zwecke hat: »die Befreiung jedes Einzelnen«, dann möchten wir wahrlich gern erfahren, welche Staatsform durch die obige Adresse herbeigeführt werden soll. Wenn eine solche Adresse Männer abfassen und unterzeichnen, die sich »Demokraten, Freisinnige oder Republikaner« nennen, dann bleibt uns »Halbfreisinnigen« warlich nichts weiter übrig, als auf der Hut zu sein, um unsere ErrungenschämmD erhalten und zu behaupten, weil sie uns von d'eq^^^u sinnigen« wieder genommen würden. Es wird ein Schrei des Entsetzens durch Deutschlands Gauen ertönen, wenn man diese Adresse liest; wir glauben noch nicht einmal, daß die äußerste Rechte in Frankfurt sie billigen wird. Dieses Resultat der Sendung ist die Störung der nächtlichen Ruhe bei der Abreise dieser Herren nicht werth! —
In der »deutschen Volksstimme« JV? 14 ist ein Artikel folgenden Inhalts:
»Der Regimentskommandeur in Kassel hat, wenn es »wahr ist, was man versichert, der Bürgergarde die »Perkussionsgewehre abgenommen, und ihr dagegen »schlechte Gewehre mit Feuerschloß eingehändigt. Das »soll geschehen fein, nachdem er an Kurfürstlicher Tafel »zu speisen die Ebre gehabt. Wie das wirkt! Von • da ab sofort Punkt 3 Uhr vollzog er schon den ihm »insinuirten Wunsch. Wählt gute Ofsiziere!«
Den wahren Sachverhalt des Umtausches der in das hiesige Zeughaus gehörigen Perkussionsgewehre gegen ganz neue mit Feuerschloß versehene, habe ich bereits damals durch Regiments-Ordre erläutert, und zugleic» ist in öffentlichen Blättern von vielen glaubwürdigen Mitgliedern der hiesigen Bürgergarde (s. d. Beilage zur Kasselschen Allg.
Ztg. 3§ 115) das Sachverhältniß so aufgeklärt worden, daß ich darüber kein Wort mehr verlieren würde, wenn nicht in der mir erst jetzt bekannt gewordenen JV? 14 dieses Blattes die Wahrheit auf eine mich verletzende Weise entstellt wurde. Soviel hier zur Berichtigung: daß ich niemals danach gestrebt habe, an einer fürstlichen Tafel zu speisen und daß mir diese Ehre auch noch niemals zu Theil geworden ist.
Es bildet diese Erfindung ein Seitenstück zu den hier verbreiteten Gerüchten, wonach ich bald in den Besitz eines Ordens, bald eines goldnen Bechers gesetzt worden sein soll. Dann ist wieder die Rede von geheimen nächtlichen Zufam- menkünften und dergl. mehr.
Nur böswilligen Verlaumdern können solche Unwahrheiten den Ursprung verdanken — die, wenn sie auch ver letzen, mich doch keinen Augenblick an gewissenhafter Pflichterfüllung hindern sollen.
Kassel, am 10. Juni 1848. Seidler.
Tages-Chronik.
Von der russischen Grenze, 26. Mai. — Es ist außer Zweifel, daß sich in dem ganzen russischen Heer, namentlich bei den Offizieren jeden Ranges, den jüngern besonders, eine außerordentliche Kriegslust kund giebt, und daß es sie nach einem Feldzuge nach Westen, wie nach einer Lust- und Erholungsreise gelüstet. Diese Sehnsucht steigert sich mit jedem Tag, und wäre Kaiser Nikolaus nicht unumschränkter Selbstherrscher, so würde er kaum solchen Gesinnungskundgebungen zu widerstehen vermögen. Dazu kommen noch die panslavischen Bestrebungen in den westlichen Ländern, die zwar dem Kaiser selbst fremd sind, denen aber seine nächsten Umgebungen nachhängen. Zu dein kommt ferner noch das religiöse oder kirchliche Element, das, wie ältere Leute behaupten, zu keiner Zeit in Rußland, selbst nicht im Jahre 1812, die untern Volks, schichten so innig in allen ihren Kreisen durchdrang, als gegenwärtig. Ein holländischer Kaufmann, welcher nach mehrjähriger Abwesenheit die Hauptstädte Petersburg und Moskau kürzlich wieder besucht hatte, jetzt aber auf dem Heimwege begriffen ist, versicherte, daß sich in beiden Hauptstädten die äußerliche religiöse Haltung bei der ganzen Bevölkerung so sehr verändert habe, daß er sich uni ein Jahrhundert in der Zeit zurückversetzt glaubte. Unstreitig ist es die Geistlichkeit, welche diese an Fanatismus streifende Haltung heraufbeschworen hat. Der Kaiser aber ist das Haupt der russisch-griechischen Kirche, das hinter derlei Kundgebungen des religiösen Sinnes um so weniger zurückbleiben kann und zurückbleibt, da sich ihm die Na. tion vielmehr noch in dieser Eigenschaft, denn als unumschränktem Selbstherrscher, zu unbedingtem Gehorsam und unverbrüchlicher Treue verpflichtet glaubt.
Warschau, 2. Juni. Auf Befehl des Fürsten PaS- kewitsch ist wegen der in daS Ausland geflohenen Personen eine strenge Untersuchung eingeleitet worden, kraft deren bei denen, welche Vermögen besitzen, dieses mit Beschlag belegt werden soll. Es ist dies bereits mit 161 Personen geschehen.
Kassel. — Verantwortlicher Redacteur und Verleger: S. Habndorf. — Druck der Estienne'lchen Duchdruckerei,