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Wunsches der Vertreter des Landes bedürfen wird, um Se. Königl. Hoheit den Kurfürsten zur Darbringung eines solchen Opfers auf dem Altar des Vaterlandes bereit zu finden.

Wir hoffen dies um so mehr, als in der Vereinbarung über die Hofdotation vom 20. Dezember 1830, unter IV. Nr. 6, ausdrücklich vorgesehen ist: »daß bei eintretenden Kalamitäten und bei anderen ungewöhnlichen Ereignissen, welche eine Verminderung der Staatseinkünfte aus den Domänen, Bergwerken u. s. w. zur Folge hätten, eine verhältnißmäßige Minderung der Dotalionssumme für die betreffende Zeit huldreichst zugestanden werde.« —

Wir stellen daher den Antrag:

»Se. König!. Hoheit den Kurfürsten unter Darlegung »dieser und der sonstigen, das Vorhandensein einer »solchen Landeskalamität kundgebenden, Verhältnisse »zu ersuchen, auf den Zuschuß zu Seiner Civilliste »für dieses Jahr mit 355,000 Thlr. zn verzichten.« Kassel, am 2. Juni 1848.

Lederer. Sunkel. Gundlach. Vietor. Bierner. Seyl. Knobel. Specht. Bredemeier. Lambrecht. Lott ich. Stöhr. Weinzierl. Schleicher. Kaufholz. Hooß. Kaiser. Winneberger. Scheffer. Pfeif­fer. Thon.

Der Aufsatz Herrn Dippels zur Vertheidigung des bekannten Erlasses der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn-Direk- tion sieht aus wie ein Vertrauensvotum, das er seiner Direktion witmet. Ich weiß zufällig, daß er selbst gegen diesen Erlaß Protest eingelegt hat, sonst würde ich sagen, er ist ein Vertrauensvotum.

Ich habe hier weder die Rechtfertigung des Volksraths noch die der Volksversammlung gegen Hrn. Dippel zu über­nehmen. Nur Das wollte ich ihm bemerken, daß der be­kannte Erlaß aus sich selbst, in seiner vorliegenden Form als ein Eingriff in die Rechte freier Bürger erscheint und als solcher die Mißbilligung der Volksversammlung erhielt. Interessant ist es allerdings, die Gründe genau zu erfahren, welche diese verletzende Fassung hervorriefen; sie mögen aber sein, wie sie wollen, der Erlaß bleibt immer derselbe mit Tadel zu belegende Erlaß.

Man nehme ihn zurück! Je bereitwilliger das geschieht, desto eher leuchtet ein, daß ein Irrthum ihn hervorrief. Je zäher man ihn aufrecht erhalten will, desto mehr ist der Argwohn gerechtfertigt, daß mehr als Furcht oder Ueber- eilung ihn diktirt hat. Man war ja so schnell bei der Hand, ihn zu erlassen, weil man ihn der öffentlichen Stimmung schuldig zu sein glaubte, man wollte ja auf dem Vertrauen des Publikums ruhen. Warum also nicht eben so schnell ihn zurückgenommcn, da man jetzt die öffentliche Stim­mung besser kennt? warum nicht schnell das Vertrauen sich damit zurückerobert? Komische Widersprüche! Einmal so hastig, dann so langsam!

Es handelt sich übrigens hierbei nicht blos um den Erlaß der Nordbahn-Direktion, sondern um jeden möglichen zukünftigen Erlaß jedweder Behörde. Dieselben Thaten, dieselben Angriffe! — Sonst wird nicht einmal mehr von einer Interpretation die Rede sein, geschweige denn von einer Zurücknahme. — Böse Beispiele verderben gute Sitten!

Kassel, am 8. Juni 1848. vx. H. Kellner.

Rüge.

Mehrere Lehrer der höheren Gewerbschule, die Herren Dr. Kühnert, Dr. Schreiber und Thornton, ver­stehen ihre amtliche Stellung zur Erreichung von Privat- Vortheilen auf Kosten anderer Privatlehrer gut auszubeu­ten. Sie wollen (vergl. Bekanntmachung sub JV? 533 der Kasselschen Allg. Zeitg. JV 122), weil eine genügende Vorbereitung zur Aufnahme in die höhere Gewerbsschule in »Vorbereitungs-Schulen« nicht wohl zu erzielen stehe (die Realschule dürfte sich berufen fühlen, gegen diese Beschuldigung in die Schranken zu treten), eine »Vor­bereitungs-Schule« gründen. — Sonderbar! Das Auffallendste ist dabei aber, daß die bereits zur That ge­wordene Absicht der genannten Lehrer Zeugniß davon giebt, daß sie ihre auf die Gewerbschule angewiesenen Kräfte Privatzwecken in einem Umfange zuwenden, der ihr Wir­ken an der Anstalt, bei welcher sie angestellt sind, auf ein Kleines reduziren muß. Das stimmt denn auch ganz mit den immer lauter werdenden Gerüchten überein, wonach Lehrer dieser Kathegorie sich um die Forthülfe der Schüler der Staats-Schul-Anstalt, ja nicht einmal darum beküm­mern, die Namen derselben kennen zu lernen. Solche Leh­rer arbeiten natürlich krebsgä'ngig am Aufblühen des Insti­tuts; die Früchte davon liegen auch genugsam zu Tage. Es will somit scheinen, als wenn dieselben weniger auf den Fortschritt des Instituts, als auf eigenen Vortheil sähen, da ihr Hauptaugenmerk darauf gerichtet wird, alle Privatschüler an sich zu ziehen, beziehungsweise andern Privatlehrern abwendig zu machen. Was dabei der »Ruf« als Lehrer nicht zu erzielen vermag, das deckt zehnfach der »Beruf« als Examinator bei den Prüfungen zur Aufnahme in die höhere Gewerbschule. Unzweifelhaft gehen die Eltern für die Aufnahme ihrer Söhne in diese Anstalt einen ganz sichern Weg, wenn sie dieselben durch diese Examinatoren vorbereiten lassen; denn letztere sind alsdann für den beabsichtigten Zweck verbindlich gemacht und — honorirt. Aber! aber! — oftmals dürfte der Hauptzweck dabei geopfert, die Erfahrung dessen theuer bezahlt werden müssen!

Ob das gerügte Unternehmen die Genehmigung der Gewerbsschul- Direktion und der Oberaufsichtsbehörde, des Ministeriums, erhalten haben mag? Bejahenden Falles wäre im Interesse der Gewerbsschule und zum eigenen Besten der später darin aufzunehmenden Schüler zu wün­schen, daß die genannten Lehrer von den erwähnten Prüfungen ausgeschlossen würden. Eine solche Maßregel erheischt allein schon die Rücksicht auf andere Privatlehrer, die anjetzo den Wettkampf mit den Genann­ten nicht bestehen können, da letztere sich im Vortheil der Stellung befinden. H.

Fürstenthum Waldeck, 8. Juni. Bis heute hat sich unser Volksvertreter in Frankfurt a. M., Herr Back­haus, noch nicht hören lassen; ob die große Versammlung ihn erschreckt hat, oder ob er sein Rednertalent in Jena gelassen? Wäre Hr. Dr. Speyer nach Frankfurt gekom­men, derselbe wäre bestimmt schon aufgetreten; wir hoffen, Herr Backhaus wirkt im Stillen. — Auf unsere neuen Landstände, welche den 14. d. M. leider erst zusammen kommen, sind wir Waldecker sehr gespannt, wir hoffen, sie werden den alten Sauerteig in allen Zweigen des Staats-