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welche ihr bisher besetzt gehalten, nicht zu verlassen; für die Freiheit Eures Volkes fortzuarbeiten und zu ringen; mit der Freiheit Eures Volkes zu stehen oder zu fallen.
Und diesen Ruf, wer erhebt ihn? werdet Ihr fragen. Wir wollen Euch antworten auf Eure Frage. Diesen Ruf erhebt ein Verein von Männern, welcher, unter unscheinbarem Namen, lange schon, als die Nacht der Schmach noch die Augen unseres Volkes deckte, in dem Freiheits- kampfe thätig gewesen ist in der einzigen Richtung, wo er damals möglich war, auf dem religiösen Gebiete. Der Kampf für die Freiheit aber, er ist nur Einer; er ist überall derselbe, er mag geschlagen werden, auf welchem Felde es auch sei. Angefeindet und gelästert, sind wir stark geblieben und treu, und wir durften, als derselbe Kampf auf dem politischen Felde begann, da nicht zurückbleiben, und wir haben es nicht gethan. Wir sind, wie alle unsere Mitstreiter für die religiöse Freiheit, in die Reihen der Kämpfer für die politische Freiheit eingetreten. Wir haben uns in Wort und That für unser Volk erhoben, und unsere Losung heißt:
Freiheit, Einheit, Ordnung, Recht!
Unter diesen: Banner haben wir uns geschaart; unter ihm sind wir ausgezogen gegen jede Gefahr, welche drohte; unter ihm wollen wir weiter streiten, von ihm nicht lassen in Glück oder Noth. Es ergeht unser Ruf an alle Gleichgesinnte im Vaterlande zu g em ei n sam er Thätigkeit. Es ergeht unser Ruf an alle Vereine, welche zu demselben Zwecke schon zusammengetreten sind, sich enger aneinander zu schließen; an alle Vaterlandsfreunde, solche Vereine zu bilden, wo sie noch nicht bestehen. Das Volk darf nicht mehr vereinzelt stehen wider geschlossene, wohlorganisirte Gegner: es muß auch seine Kolonnen schließen, seine Vertheidigung und seinen Angriff regeln. Es muß die Waffen, welche es sich erstritten hat, die freie Presse, die freie Rede, das freie Vereinigungsrecht, geordnet, überlegt, und in Uebereinstimmung gebrauchen, damit sie auch als Waffen wirken und nicht zum leeren Spielzeuge herabsinken. Das wollen wir; dazu aufzufordern ist der Zweck dieses Aufrufs. Zeigt die Einheit des Volkes nicht blos nach Außen; zeiget sie vorerst und vor Allem im Innern. Zeiget sie in der Einheit Eures Willens, in der Einheit Eurer Forderungen, in der Einheit Eurer Mittel, und die Einheit der Wirkung wird gewaltig und unwiderstehlich sein. Sammelt Euch, bildet Euch zu Vereinen; keine Stadt, kein Dorf soll ohne einen solchen Verein sein. Diese Vereine treten in alle Verbindung unter einander und richten ihre Wirksamkeit auf dasselbe Ziel. Dies Ziel ist das Wohl unseres Volks; die Macht des Volkes nach Innen und Außen hin. Was diese beiden bedrohet, ist unser gemeinschaftlicher Feind, er mag kommen, woher er will, aus den Regionen, welche sich die oberen zu nennen pflegen, und welche mit Reaktionsgelüsten schwanger gehen; oder aus denen, welche unter dem Deckmantel neuer Gestaltungen die Gesetzlosigkeit über unser Volk heraufbeschwören ; oder aus denen, welche die Völker verdummen, um sie für ihre Sonderzwecke auszubeuten, oder aus denen endlich, welche aus Ruheliebe und Genussesfreude gleichgültig sind gegen jeden Fortschritt und gegen jede Erhebung, die da bedeckt sind mit dem schlimmsten Sumpfe unter allen, mit dem Sumpfe des kalten, herzlosen Jndifferentismus, Gegen alle solche muß sich die Spitze unseres Kampfes wenden:
denn alle, alle, in ihrem gesetzlosen Treiben, in ihren Rückschrittsgelüsten, in ihren Verdummungsbestreben, in ihrer stumpfsinnigen Gleichgültigkeit, alle gefährden das Wohl des Volkes; alle sind Verächter und Feinde des Volkes. Ihnen allen rufen wir unsern Wahlspruch zu, und unter ihm werden wir siegen:
Es lebe die Freiheit, die Einheit, die Ordnung! es lebe das Recht!
Frankfurt a. M., den 9. Mai 1848.
Das Mvntagskränzchen und in dessen Auftrag der Vorstand:
N. Hadermann. Dr. Textor. Dr. Schott.
Dr. B eha g Hel. Simon Humbert.
Landtagsangelegenheiten.
Sitzung vom 2. Juni.
Hr. Weinzierl wünschte zu wissen, was die Regierung in Betreff des auf seinen Antrag schon vor längerer Zeit gefaßten Beschlusses, wegen Beschränkung des Nothund Hausirhandels zu thun gedenke, oder schon gethan habe — Der Hr. Landtagskommissar erwiederte, in den nächsten Sitzungen darüber Auskunft zu geben. Der Hr. Präsident verkündete einen Antrag des Hrn. Sun- kel, die Reorganisation des Handel- und Gewerbvereins, und einen Antrag der HH. Lederer, Sunkel, Gundlach, Vietor, Thon, Knpbel, Specht, Weinzierl, Stöhr, Kaufholz, Lottich, Bierner, Scheffer und Hoos, auf Verminderung der Hofdotation. — Hr. Knobel brachte die Reorganisation der Volksbewaffnung zur Sprache und wünschte- Auskunft darüber, ob die Regierung ein neues Gesetz oder eine Revision des Bürgergardegesetzes vorlegen werde. — Der Hr Landtagskommissar erklärte, daß nächstens deshalb eine Mittheilung erfolgen würde. — Hr. Eissengar then: Wie ich weiß, ist man mit der Redaktion dieses Gesetzes beschäftigt und es ist nur zu wünschen, daß die Herren sich damit beeilen möchten; in der neuesten Zeit sind Verhältnisse eingetreten , welche ein solches Gesetz unerläßlich machen. ■— Hr. Pfeiffer sollizitirte seinen Antrag über Aufhebung des §. 14. des Staatsdienstgesetzes. — Hr. v. Schenk II. bemerkte, daß die Thätigkeit des Ausschusses durch die Gesetze zu sehr in Anspruch genommen würde. — Hr. Knobel: Am 25. April hat die Versammlung den Beschluß gefaßt, die hohe Staatsregierung zu ersuchen, in den Fahneneid des Militärs die Aufrechthaltung der Verfassung mit aufzunehmen, und den Ständen die Formel mitzutheilen, er bitte deshalb um Auskunft, was geschehen sei — Der Hr. Landtagskommissar versprach demnächstige Auskunft. —
Hr. König berichtete über eine Eingabe von 80 Proletarier Marburgs, wegen billiger Gleichstellung mit ihren aus Staatsmitteln beschenkten reichern Mitbürgern. Sie führen an, daß durch die Gesetze über Aufhebung des Jagdrechts und Auseinandersetzung der Lehn- und Meierverhältnisse den reichen Grundbesitzern (sie führen deren einige namhaft an) aus Staatsmitteln große Vortheile zu- geführt würden cs sei demnach billig, sie gleichzustellen. Der Ausschuß trägt auf die Tagesordnung an. —Hr. Bergk: Man sollte diese Eingabe schon wegen ihrer Form für er-