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flüchtet. Unter den Gefangenen befanden sich mehrere Fran­zosen , die von der hies. Regierung in Folge energischer Pro­testation von Seite des Admirals Baudin 'freigegeben werden mußten; das scheint uns nun freilich den Schutz etwas zu weit getrieben , wenigstens hätten sie den französischen Ge­richten nicht entgehen sollen, denn die meisten hatten sich am Kampfe beteiligt und auf die Truppen geschossen. Aber in solchen Fällen wirken freilich einige Kriegsschiffe mehr, als alle diplomatischen Noten; der franz. Admiral hatte sogar mit Beschießung der Stadt gedroht und seine Schiffe bereits in Schlachtlinie ausgestellt, wenn ihm nicht sogleich Genugthuung geschafft würde. Bei solchen Gelegen­heiten wird es erst recht klar, wie schlecht wir Deutsche im Auslande berathen sind; während den Franzosen hier für jeden erlittenen Schaden bereits Entschädigung zugesagt ist, vor den Häusern vieler Franzosen selbst Sicherheitswachen aufgestellt sind, kümmert sich um uns Deutsche Niemand, und wir werden warten müssen, bis einmal eine deutsche Flotte auf den Meeren schwimmt, ehe wir nur den Mund aufthun dürfen; aber bis dahin kann noch Manches zu un­serm Nachtheile vorfallen. Es liegen hier eine Menge Bei­spiele vor, wo Engländer und Franzosen schnelle und erfolg­reiche Unterstützung durch ihre Repräsentanten fanden, wäh­rend wir Deutsche in den gleichen Fällen leer ausgingen.

Die Breslauer Ztg. meldet: Der König von Neapel hat seine nach der Lombardei entsandten Truppen, welche zuletzt unter Pepe und Sratella in Bologna standen, so­fort nach der Revolution zurückberufen. Statella wollte zurück; Pepe dagegen beschloß, auf eigene Hand mit den Truppen zu bleiben und am lombardischen Krieg Theil zu nehmen. Eine Demonstration der Eivica von Bologna soll ihn dabei bewogen und bestärkt haben. Nach neuesten Nachrichten aus Neapel wäre ein Ausnahmsgericht für die politischen Vergehen auch vor den letzten Ereignissen einge­setzt worden. (D. Ztg.)

Altona, 25. Mai. Gestern Abend und heute Morgen war unsere Stadt sowie Rendsburg in der größten Bewe­gung, es hatte sich das Gerücht verbreitet, daß Dänen im Anzuge seien und auf Rendsburg und hier losrückten. Es waren wirklich 4 Korvetten und ein Schoner in der Eckern« förder Bucht gelandet und hatten gestern Nacht ihre Mann­schaft bei Eckernförde ans Land gesetzt. In der Nacht noch hatte sich die Nachricht wie ein Lauffeuer über das Land verbreitet, die Dorfgemeinden waren überall aufgeboten wor­den, und die Dänen gingen nach Tagesanbruch, nachdem sie Lebensmittel und Wasser requirirt hatten, wieder an Bord, so daß die ganze Landung und die Angst sich in Nichts auflöste. Aengstlich ist es sehr, da die Dänen von den Schiffen aus überall ans Land können und der ganze südliche Theil von Holstein und fast ganz Schleswig unbe­setzt ist, also bei jeder Okkupation dem Feinde widerstands­los preiß gegeben ist. Gestern Abend kam der erste Trupp der dänischen Gefangenen, Offiziere und Unteroffiziere, hier an, unter ihnen befand sich auch der berüchtigte Pirat Dirking -Holmfeld. Heute Mittag werden noch 500 Ge­meine nachfolgen. Die Gefangenen sollen alle nach Stade gebracht werden, doch sind sie vorläufig hier in eine Kaserne gebracht, bis die Nachricht von Hannover eintrifft, daß sie in Stade ausgenommen werden können.

Kassel, den 30. Mai. In der gestrigen Volksver­sammlung ward der Beschluß gefaßt, zwei Deputirte nach Hamburg zu dem Gewerbekongreß zu senden. Die Wahl fiel auf die Herren Winkel blech und Heckmann (Chemiker).

A p h o r i s m e n.

In den Tagen der Gegenwart, wo sich .jeder Gutge­sinnte des politischen Fortschritts herzlich freut, dürfte es nicht anangemessen sein, an einige Worte Mirabeau's, des glühendsten und begeistertsten patriotischen Redners, zu erinnern, worin er gleichwohl frühere Staatseinrichtungen mit den neuern zu amalgamiren empfiehlt. Er sagt näm­lich: »Wir sind keine Wilde, nackt von den Ufern des Ori­noko kommend, um eine Gesellschaft zu bilden. Wir sind eine alte Nation, und ohne Zweifel zu alt für unsere Zeit. Wir haben eine vorher bestandene Negierung, einen vorher dagewesenen König, vorher bestandene Vorurtheile. Wir müssen soviel als möglich alle diese Dinge der Revolution anpassen und so den plötzlichen Uebergang retten.« Wer möchte diesen Ausspruch nicht auch von unseren deutschen Vaterlande und unserem deutschen Einrichtungen und Zustän­den heute gelten lassen wollen?

Allgemeiner Frühling.

Nun wohlauf zum trogen Singen,

Denn vergangen ist die Nacht;

Ueberall ist lautes Klingen

Und die Morgenröthe lacht.

Denn ein Frühling ist im Lande,

Wie die Welt noch keinen sah,

Und eS springen alle Bande,

Denn die Freiheit ist nun da.

Ja, das Schwert hüpft in der Scheide

Und die Kugel rollt im Lauf,

Selber schärft sich Spitz' und Schneide,

Und die Lanze hebt sich auf;

Sieh! es richtet sich die Sense,

Und von selber sie sich schleift;

Denn in solchem mächt'gen Lenze

Lebet Alles, Alles reift.

Noch ist Polen nicht verloren

Und Italien ist erwacht,

Unser Deutschland neu geboren

Wird zu Ehr' und Ruhm gebracht.

Denn e^r Frühling ist im Lande,

Wie die Welt noch keinen sah,

Und es springen alle Bande,

Denn die Freiheit ist nun da.

Bekanntmachung.

18. Die vereinigten Kasseler Sänger werden grettag den 2. Juni, Nachmittags von halb 5 Uhr an, im Oestreich'schen Lokale, und zwar bei gutem Wetter im Garten, sonst aber in den Sälen eine Auswahl deutscher Lieder vortragen. Indem sie dieses allen Freunden vaterländischer Musik statt besonderer Einladung hierdurch mittheilen , bemerken sie zugleich, daß beim Eintritt fr e i w i l l i g e Gaben gesammelt werden sollen, von denen der eine Theil als Beitrag für die deutsche Flotte, der andere zur Unterstützung der ärmeren Einwohner unserer Stadt verwandt werden wird.

Das gewählte Komi.

Kassel. Verantwortlicher Redacteur und Verleger: S. Hahndorf. Druck der Estienne'scheu BuchdruckeLdi.