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Tages - Chronik.

Die deutschen Seehäfen sind von den Dänen blokirt, die freie Schifffahrt ist gehemmt. Bereits an 40 deutsche Schiffe sind von den Dänen aufgebracht. Es konnte aber auch nickt anders kommen; statt darüber nachzudenken, wie eine solche Flotte geschafft werden könnte, wo die Mittel herzunehmen seien, beschäftigte man sich, eine förmliche Jagd auf diejenigen zu machen, welche von einem einigen Deutsch­land, von einer deutschen Flotte rc. geredet halten. Glaubte etwa die hohe Diplomatie unsere Küsten gesichert, wenn diejenigen, die von der Vertheidigung derselben geredet, hinter Mauer und Riegel schmachten? Die Entrüstung ist allgemein, aber sie bewährt auch den Satz: »Hilf dir selbst, so wird dir Gott helfen!« — In Hamburg hat H. God-effroy durch einfache aber kräftige Worte die Gesammtheit der Stadt begeistert, um mit bewaffneter Macht einzuschreiten, um Mittel zu schaffen, die Elbe zu befreien. Der Senat gab sofort die Genehmigung zur Bewaffnung von Schiffen, um sie unter Hamburger Flagge agiren zu lassen. Die HH. Sloman und Cäsar Godef- frvy (Brüder des Genannten) haben sofort Hand ans Werk gelegt. Hr Sloman hat hierzu sein Packetboot » Frank­lin« und Hr. Gobeffroy sein Segelschiff »Steinmarder« und jeder 5000 Mark dazu bestimmt. Hr. Marks ist gleich nach gefolgt mit einem Schiff und 3000 Mark und in Hamburg selbst wird zu diesem Uranfang einer Kriegs­flotte von Haus zu Haus gesammelt. Daß die ganze Be­völkerung von dieser Idee begeistert ist, ersehen wir aus einer Aufforderung des Matrosen Jösting, welcher seine Kameraden zu einer Versammlung auffordert, um zu be­rathen, wie die dänischen Schiffe zu vernichten seien. — Die Dänen haben um einen dreiwöchentlichen Waffenstill­stand gebeten. General Wrangel, der Sieger in ^Schles­wig-Holstein, hat ihn abgelehnt. —

— Die Nationalversammlung in Paris ist unter un­beschreiblichem Jubel und dem Rufe »es lebe die Repu­blik« eröffnet. Sie wird entscheidend für die Lage Euro­pas werden. Von ihrer Gesinnung hängt dermalen das Schicksal der Völker auf eine Reihe von Jahren ab.

— Zwischen Dänemark und unseren Bundestruppen ist dermalen auf Vermittelung Englands Waffenstillstand ab­geschlossen.

— Die deutsche Zeitg. bringt in einem Art. »vom Main« die Nachricht, daß in Hanau darmstädlische und preußische Truppen eingerückt seien, um dem Freischaarenwescn ein Ende zu machen Die Entwaffnung der Einwohner sei rasch von statten gegangen, die Bürgergarde werde aber bald wieder organisirt Alles das soll am 4. d. M. statt gefunden haben. Die ganze Geschichte klingt als reine Wahrheit und dennoch weiß man hier nicht eine Sylbe darüber. Briefe vom 8. daher erwähnen auch nicht eine Sylbe davon. Was sollen solche geflissentliche Lügen bezwecken? Sollen sie bezwecken, Angst zu verbreiten und den Muth zu schwächen, so sind die Herren gewaltig irre. Wir können dem, was sich in Hanau in neuerer Zeit ereignet, nicht

unbedingt das Wort reden, allein so viel uns bekannt ge­worden , hat sich manches in besonnener Weise wieder besser gestaltet; allein solche Lügen sollen nur dazu dienen, um darauf aufmerksam zu machen, was die Dunkelmänner wollen. Es ist das die Sorte, die dermalen schon angst und bange werden, und geht ihr auf den Ursprung zu­rück, jo sind cs immer die, welche keine andere Regierungs­form für angemessen hielten als die republikanische; da sie aber bereits auf irgend eine Weise etwas an ihrem Ein­kommen verloren haben, schon so müde geworden sind, daß sie sich erst ausruhen möchten von den zweimonatlichen Strapatzen. Aber vorwärts! Bürger! unaufhaltsam vor­wärts! Haben wir das Haus gut begründet und aufge­richtet, dann wollen wir auch schon dafür Sorge tragen, daß es wohnlich und bequem ist. Der Feind ist thätig, darum seid wachsam, er will uns durch falsche Gerüchte von allerlei Art von der Arbeit abbringen, will das Auge auf andere Dinge richten; das soll nicht gelingen. Jetzt oder niemals! das ist das Losungswort. Aber auch keine Kräfte zersplittert, die Kolonne muß geschlossen marschircn, sonst wird gesprengt. Nun bald treten unsere Volksvereine ins Leben. Die Zählung der Stimmzettel ist gestern be­endigt und heute noch wird das Resultat der Abstimmung bekannt. Dann haben wir einen Vereinigungspunkt, aber dann auch soll unser erstes Losungswort »Eintracht!« auch das für die Zukunft sein.

Kassel. — Es sind am vergangenen Sonnabend 27 Knaben nach Auswahl aus der Bürgerschule I. in die Bürgerschule II gewiesen worden. Als Grund wird von der Stadtschul-Kommission angegeben: aus Mangel an Raum. Dieser Grund genügt nicht, da er nicht stichhaltig ist. Wenn man will, ist der Raum sehr leicht zu beschaffen; man braucht nur z. B. die sogen. Konferenzen in der Biblio­thek oder auch in einem Schullokal selbst zu halten. Da von dem Lehrerstand, nach den in neuerer Zeit so oft ge­hörten Auseinandersetzungen, einzig und allein das Wohl des Volkes abhangt, so möchte wohl hier die Anfrage nicht unstatthaft erscheinen, wenn man einfach um Aufklärung über die angeführte Thatsache ersucht. Wir können es durchaus nicht annehmen, daß die Unbequemlichkeit für die Kinder, z. B. aus den oberen Stadttheilen in die Unter­neustadt in die Schule zu gehen, nur aus Bequemlichkeit für die Lehrer geschehe , eben so wenig können wir an­nehmen, daß die Auswahl der betreffenden Kinder nach Rücksichten statt gefunden.

Aph oris men.

— Talleyrand sagte zu Louis Philipp mit einem gra­ziösen Lächeln, als er ihm den Eid der Treue leistete: »Nun, Sire! es ist der dreizehnte.«

— Was Victor Hugo 1830 von Frankreich sagte: Avant II ne republique, ayons , s’il se peut, une chose publique, sollten alle diejenigen wohl beherzigen, die jetzt einer deutschen Republik das Wort reden.

— Eine Revolution ist die Larve einer Civilisation.

Kassel. — Verantwortlicher Redacteur und Verleger: S. Hahndorf. — Druck der Estienne' scheu Buchdruckerei.