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ten, welche auch die Vereinbarung über den im Februar vorgelegten Entwurf einer Verfaffungsurkunde zwischen der Regierung und den Ständen verhinderten und endlich die Auflösung der Ständeversammlung zur Folge hatten (10. Mai 1816). Es blieb demnach bei der alten, reflaurirten Verfassung; nur einige Hauptsätze des berührten Entwurfs wurden in das Haus- und Staalsgesetz vom 4. März 1817 ausgenommen. — Der Regierungsantritt des Kurfürsten Wilhelm II. (27. Februar 1821) erregte zwar neue Hoff­nung auf Erfüllung des Art. 13 der deutschen Bundes­akte, allein das am 29. Juni 1821 erlassene Organisations­edikt , welches die Trennung der Rechtspflege von der Ver­waltung anordnete, die Unabhängigkeit der erstern sicher stellte, dagegen die letztere über die Gebühr erweiterte, be­nahm alle Aussicht auf eine zeitgemäße Verfassung. Alles politische Interesse schien nun zu erlöschen unter dem Drucke der vielarmigen Verwaltung. Selbst die alte ständische Verfassung betrachtete man als aufgehoben, indem wenig­stens die Prälaten-Kurie in Ministerial-Rescripten eine ehe­malige genannt wurde. Zwar saßen noch zwei Depu- tirte der Stände bei der Landesschulden-Tilgungskommission, um für die richtige Verwendung der Tilgungsfonds zu wachen; allein ihre Einsprache blieb ohne Berücksichtigung und Erfolg, indem man über diese Fonds, jener Einsprache ungeachtet, willkürlich verfügte. Ein am 20. Juni 1823 in Cassel auf die Post gegebener Drohbrief, worin der Kurfürst und seine Favoritin, die Gräfin Reichenbach, von einer in runder Zahl angegebenen Gesellschaft junger Leute mit dem Tode bedroht wurden, wenn jener nicht binnen Jahresfrist dem Lande eine dem 13. Art. der Bun­desacte entsprechende Verfassung geben, den Einfluß der rc. Reichenbach auf die Regierung beseitigen und das Benehmen gegen seine nächste Umgebung ändern werde, hatte für das Land die traurigsten Folgen. Die einer Spe­cialkommission übertragene Untersuchung hierüber verbreitete, gleich einem drohenden Gewitter, Furcht und Schrecken über den ganzen Staat; die polizeilichen Maßregeln wurden in einer bis dahin unbekannten Weise vermehrt und ge­schärft, der Absolutismus griff polypenartig immer mehr um sich und lastete schwer auf dem Volke, das zwar mit stummer Duldsamkeit das Unabwendbare äußerlich zu er­tragen schien, desto mehr aber sich im Stillen nach einer Verbesserung seiner Lage sehnte. Das Jahr 1830, dessen Julius, einem Erdbeben gleich, alle politischen Einrichtun­gen Europa's erschütterte und mit Einsturz bedrohte, brachte endlich diese lange verhaltene Sehnsucht zum Ausbruch und führte dadurch zur Umgestaltung der politischen Einrichtungen.

Der Kiefcrmeister Herbold veranlaßte am 2. Sep­tember eine Versammlung der Zünfte, deren Zweck zwar zunächst nur die Abhülfe der Beschwerden der Handwerker war; sie wurden aber bald überzeugt, daß die Einberufung der Landstände diese am sichersten herbeiführen würde. In der folgenden Versammlung, nachdem die Bewaffnung der Bürger bereits stattgefunden, wurde eine Adresse in diesem Sinne beschlossen, vom Obergerichtsanwalt Hahn abgefaßt, und in wenigen Tagen mit 1400 Unterschriften versehen. Zum ersten Male traten Bürger auf die politische Schau­bühne; zum ersten Male sah man Bürger, die össentlich in Staatssachen zu handeln wagten, indem sie Unterschrif­ten sammelten. Rasch und mit Energie mußte dies betrieben

werden, denn Seine Königl. Hoheit der Kurfürst, welcher sich damals in Karlsbad aufhielt, wurde mit jedem Tage zurück erwartet. Die Zurückkunft erfolgte am 12. Septem­ber Nachmittags. Es war ein bedeutungsvoller Tag. Der Empfang war ohne Gepränge, still, aber doch ehrerbietig. Kein Vivat durchbebte die Lüfte, weder gezwungen noch frei; auf seinem Zuge nach Wilhelmshöhe konnte er die Stimmung des Volkes erkennen. Es war schnell umgewan­delt und doch waren die Tage zu zählen, seit es angefan­gen, ein Lebenszeichen von sich zu geben. Es ist eine eigen­thümliche Sache, wenn ein Volk ein Lebenszeichen von sich giebt. Alle seine bisherigen Wärter, Pfleger, Zwicker, Schin­der, Blutaussauger und sonstiges Gesindel zittern und beben und wenn sie zur Besinnung kommen, schwätzen sie von nichts als Volkswohl und Volksglück. Ein Schurke, der ihnen glaubt! — Die Galle dreht sich jetzt noch zehn mal im Leibe herum, wenn man bedenkt, wie damals mit des Volkes Tatzen die Kastanien aus dem Feuer geholt wurden. Wohl inögen sie bekommen; ich fürchte nur, daß sie noch ein­mal aufstoßen. In diesen Tagen gab es keinen Unterschied der Stände mehr.—Wie geht's Herr Rath ? Herr Assessor? Herr Sekretär? Herr Kontroleur? Herr Hofrath? — Mein Gott, wir sind ja alle gleich, laßt doch die Titel weg, lieber Kamerad. Ich heiße X; ich heiße V; ich Z; ich A -j- B und ich — X + 9- Kameraden! ich denke wir trinken eine Bowle Punsch. Concedo, concedo, Freund­chen. Bravo! Marqueur, eine Bowle Punsch und ein Dutzend Gläser! — He da! zugegriffen, nur zugegriffen Kameraden. Marqueur, noch Gläser! Noch 50 Jahre so wie heute; die Volkswohlfahrt, sie lebe hoch! hoch! und abermals hoch! Marqueur, noch so'n Vogel! —Ich dachte mir cs gleich und habe ihn schon bereitet.— Wallensteins Lager soll leben! Es soll leben! Ha unsere Kameraden von der Wache! Marqueur, Gläser und noch eine Bowle, aber glühend heiß wie die Hölle und stark wie die ewige Verdammniß! Ha! ha! ha!! der Witz ist gut. — Der Herr L-j-U-s-Z — A -j- B soll leben hoch! Ich danke, danke bestens meine Freunde; wo ich dienen, wo ich helfen kann, ich bin Tag und Nacht bereit; nur eine Bitte habe ich und die dürfen Sie nicht versagen. — Nun?— Lassen Sie das Wörtchen »Herr«, weg. Wir sind alle gleich, es giebt keine Herren mehr; denn wo es keine Sclaven, keine unterthänigen Diener mehr giebt, da kann es auch keine Herren mehr geben! Hurah!! Der freie Bürger X -s- Y-s-Z - A-s-B soll leben! Hoch! ---Ich wollte, der Teufel hätte diese Zucht erst ge­holt. - Still! St! St! - Der Kerl hat mir die Hand gedrückt, daß ich meine Knochen nicht spüre. — Und ich stinke über und über nach Pech, denn ich mußte ja noth- -gedrungen neben dem Schuster sitzen, und es fehlte nicht viel, so hätte mich der Schweineigel sogar umarmt. — Ruhig, um Gotteswillen seid ruhig, das Straßenpflaster könnte Ohren haben und dann hätten wir den Glauben verloren. — Du hast recht; gute Nacht, schlaf wohl. Gott möge uns bald bessere Zeiten bescheeren? Amen. Apropos, setzest Du den von Tz. noch in Kenntniß? Ich finde ihn in meinem Schlafkabinet. — Gott, wie unvorsichtig! Wo ist denn Deine Dienerschaft? — Von Tz. hat den Schlüssel zur Hofthüre — Bon! Bon! — Da kommt eine Patrouille. » Wer da!« Bürger! Ah, schön, Siewerden arretirt, denn wir haben einen köstlichen Grog auf der Wache. Topp, daè ist herrlich. Allons enfans de la patrie ! — Ich glaube»