Die freie Presse.
Zeitschrift für Unterhaltung, Staats- und Volksleben.
22. Dienstag, den 2. Mai 1848*
Der Preis dieses wöchentlich dreimal erscheinenden Blattes ist halbjährlich I Thlr. 15 Sgr. — Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern des 2m und Auslandes. — Bekanntmachungen die Zeile I Sgr.
Die Weltgeschichte ist das Weltgericht.
Nicht auf dem Besitz eines Reichs von großem Umfange mit großer Bevölkerung beruht die wahre Macht und achtungswerthe Selbstständigkeit eines regierenden Fürsten, sondern darin, wie, in welcher Art und Gestalt ein solcher sein Land regiert, ob er feinet- oder seines Volkes halber dieses verwaltet; die Geschichte hat es gelehrt, und in ihr keines der gekrönten Häupter diese Behauptung wahrend der Dauer seiner ganzen Regierung glänzender gerechtfertigt, als Friedrich der Große, am glänzendsten im Kampfe gegen fast alle Nationen Europas, im siebenjährigen Kriege. Aber welche treffliche Einrichtungen gingen im preußischen Staate diesem Kriege voraus, und welche folgten nach. — Laßt uns daher einmal die vergleichende Frage aufwerfen, welche Warnung, welchen Nutzen haben sich die fürstlichen Regentschaften aus der schweren, blutgedüngten Prüfungszeit von 1789—1815 gezogen und zu eigen gemacht? Man kann geschichtlich mit wenigen Worten darauf antworten: die Regierungen haben das Schlechte, das Ver- werfliche des Franzosenthums beibehalten und fortgepflanzt, nicht aber das Gute, das Edle der französischen Nation; sie haben das Heil in einer blinden, lebend-todt disciplinir- ten Soldateska, und dem, was daran hängt, gesucht; in der französischen Anmaßung und Despotie, in äußerer Ehre, Ruhm und Glanz, im unbedingten Gehorsam der Untergebenen , im Schmeicheln und Hosiren wurde die Wohlfahrt der Menschheit gefunden. Aber den Edelsinn, die Hochherzigkeit und die Theilnahme jenes Volkes an dem Geschicke unterdrückter Nationen, wie wir es bei Griechen- land und Polen gesehen und erlebt haben, diese wahrhaft christlichen Eigenschaften desselben wollte Niemand nachahmen, sie wurden als verbrauchte Waare, an die Niemand mehr, selbst im eigenen Volke nicht, Glauben haben durfte, in die Rumpelkammer geworfen, um sie nach Belieben, d. h. zu gewissen Zeiten, zur Sturmzeit hervorzuholen. Das haben wir in den letzten Tagen wieder sehen und hören müssen. Wollte aber Gott, wir erlebten solche politisch-klugen Jahre nie wieder, und es würde jetzt mit aller Macht alles Unheil einer mittelalterlichen Zeit zu Haufen gekehrt und verbrannt. — Es muß daher dem christlichen Fürsten eines Landes als ein Hauptziel gelten, daß aller Zwiespalt, aller Keim zur Unzufriedenheit, daß alles hoffärtige Wesen für immer aus dem Staatswesen, und dem Staatsleben entfernt, daß überall ein wahrer Frieden im
Lande herrschend werde. Dies ist in einem christlichen Staate aber nicht anders zu erreichen möglich, als daß alle den Hauptgrundzügen des Christenthums widerstreitenden Grundsätze, Lehren und Einrichtungen aus der weltlichen Gesetzgebung weggeräumt und vertilgt werden, daß alle Gebräuche, Gewohnheiten rc , welche die Früchte des Fleisches — wie die göttliche Gesetzgebung verkündet — reifen und zeitigen, absichtlich ins Leben führen, abgeschafft werden; dahin gehört Rang, Orden, Uniform rc. — Nur dadurch, daß der wahre und lautere, ewig friedliebende Geist dieses einzigen Gesetzes auch das christliche Staatswesen und dessen Formen überall durchdringt und frei belebt, daß er alle diese repräsentirende Personen und Korporationen erfüllt, und aus allen zu allen Zeiten frei herausspricht, ist es möglich, einem Ziele näher zu kommen, welches einer der besten Könige, die je auf Erden regiert haben, »Heinrich IV. von Frankreich« schon vor Augen sah, nämlich »einen Welten frieden unter allen christlichen Völkern für alle Zeiten zu stiften.« Von diesem ewig unveränderlichen Standpunkte der wahren Gleichheit und Brüderlichkeit, dem der christlichen Milde und Liebe, die alle äußere Bevorzugung, Unterschiede verwirft, müssen alle Gesetze, alle Einrichtungen eines Staates ausgehen; dann erst werden wir Zeiten erleben, wo es dem Teufel der Selbstsucht unmöglich ist, eine Rolle auf Erden mit Menschenleben, mit Menschenwohl zu spielen, er wird nur unter Gräbern wandern, unter Todten, längst Verblichenen und Verfluchten Seinesgleichen finden. Den fernen Nachkommen wird es als ein Mahr- lein vorkommen, daß im 19. Jahrhundert nach Christo unter Menschen Menschenschläcbtereien im Großen und im Kleinen, Menschenschlachten auf den freien Fluren und in den engen Straßen der Städte, alles das blos zur Befriedigung eines fluchbeladenen Ruhms oder Ehrgeizes Einzelner oder Mehrerer willen voracnommen worden sind. So lange, als in dem Geist der Regierungen nicht das einzelne Menschenleben höher, heiliger gilt, als alles Ansehen der Person, als alle papiernen Verfassungen so lange als nicht die Erhaltungund die Wohlfahrt ein eis einzelnen Menschenlebens, sei es des Aermsten der Armen an irdischen Gütern, den christlichen Regierungen als das erste Kleinod in der Krone eines Staats mit unvergänglichen flammenden Zügen eingegraben ist, als das erste Aufgebot des ersten Gesetzes aller Gesetze gilt, so lange wird nie der Himmel seinen Segen zu einer Staatscinrich-