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Man muß auch bedenken, daß man das Kind mit dem Bade ausschütten kann. Die ganze Sachlage muß anders aufgegriffen werden, man schaffe , daß die Wünsche befrie­digt werden, dann kann man mit Kraft auch alle Exzesse verhüten. Der Herr Präsident brachte die Frage zur Abstimmung: ob der Antrag des Hrn. Vietor in Erwägung gezogen werden sollte? was bejaht wurde. Der Rechtspflege- Ausschuß ward mit Begutachtung desselben beauftragt. Hr v. Trott I. hat seinen Austritt aus der Slände- versammlung angezeigt und auf Einberufung seines Stell­vertreters angetragen, was auch beschlossen ward.

Tages-Chronik.

Kassel. Die deutschen Waffen haben einen entschei­denden Sieg über die Dänen errungen !! Der Hauptkampf pel bei Bustorf , dicht bei Schleswig, vor. Die Preußen hatten sich das Wort gegeben, zu siegen oder zu sterben, und waren, ohne ihre Artillerie zu erwarten, zum Angriff geschritten. Der Kampf hat viele Menschenleben gekostet, aber mit der Einnahme von Friedrichsberg und Erdbeeren­berg geendet. Die Dänen haben auch das Schloß Gottorf geräumt. Bei Missunde ist das 3. Bataillon unter Bau- dissin und das 5. unter Zastrow, sowie ein Tbeil der Frei- tchaaren über die Schlei gegangen , um den Dänen in den Rücken zu fallen. Eckernförde ist ohne Schwertstreich darauf von der dänischen Armee geräumt worden. Nähere Nachrichten über den beiderseitigen Verlust fehlen noch, nur so viel es tollen allein 50 Wagen mit Verwundeten in Rendsburg angekommen sein. Die preußischen Garden, die ohne Artillerie-Unterstützung mit dem Bajonett die dänischen starken Verschanzungen bei Schleswig genommen haben, verdienen für diese Heldenthat volle Bewunderung und machen dem deutschen Namen Ehre. Es ist dies der erste Sieg, den die schwarz-roth-goldnen Farben wieder errun­gen. 2000 Mann Freischaaren waren mit im Gefecht. Was aber bemerkenswerth ist, ist daß die Dänen einige Sieb hen vorgeschoben, die in grüne Kittel gekleidet und mit der schwarz-roth-goldnen Kokarde geschmückt sind. Der £ffb zier hat auf deutsch den Unsrigen zugerufen: daß sie doch nicht schießen möchten, sie wären ja "ihre Brüder, ein neu angekommenes Freikorps. Als darauf aber die Truppen sich mehr einander genähert und der diesseitige Offizier den jenseitigen hat begrüßen wollen, haben die Dänen eine Salve gegeben und ihre dänische Montur sowie ihre Artil­lerie couvrirt. Den Oberbefehl üoer sämmtliche Truppen hat der einstweilen aus preußischen Diensten entlassene General-Lieutenant von Wrangel. Im Centrum der Armee stehen die Pretißen unter dem Fürsten Radziwill, bes dem sich auch der Prinz Friedrich Karl von Preußen befindet; den rechten Flügel bilden die schleswig-holsteinischen Truppen unter Prinz Friedrich von Augustenburg; den lin­ken die Truppen des >0. Armeekorps unter Generallieutenant Halkett; die preußische Garde-Brigade befehligt General v Möllendorf, die andere Brigade General v. Bonin.

Der Männer-Turnverein.

Es hat sich dahier ein Männer-Turnverein gebildet,

von welchem die Unterzeichneten als vorläufiger leitender Ausschuß gewählt worden sind.

Der nächste Zweck dieses Vereins ist die Beförderung derAusbildung der körperlichen Kräfte, wobei eS auf's Praktische, auf die Brauchbarkeit für's wirkliche Leben ab­gesehen ist. Es kommt darauf an, den Körper durch ange­messene Uebungen gesund, stark und gewandt, zu einem tüchtigen Werkzeug der Seele zri machen. Die Turnan­stalten werden hierdurch nicht nur für das bürgerliche Leben im Allgemeinen, sondern insonderheit auch für die Vater­landsvertheidigung nützlich wirken, indem sie als Vorschule oder Beihülfe derselben dienen, besonders da auch Waffen- Übungen in ihren Bereich gezogen werden.

Daneben will der Verein aber auch für Beförderung und Hebung des öffentlichen Lebens thätig fein, in­dem außer den Zusammenkünften Behufs der Uebungen, auch gewisse Tage und Stunden der geselligen Unterhal­tung gewidinet werden, wo man sich über gemeinnützige, besonders allgemeine vaterländische Angelegenheiten aus­spricht rind durch Wort und Schrift den öffentlichen Geist, die Vaterlandsliebe zu wecken und zu beleben sucht.

Mitglied kann Jeder sein, welcher nicht durch ent­ehrende Vergehen oder durch Sittenlosigkeit die Achtung seiner Mitbürger verscherzt hat; denn auf Ehrenhaftigkeit und edle deutsche Sitte wird das ganze Werk gebaut. Jünglinge von 14 bis 18 Jahren sind zwar aufnahmfähig, aber in den Versammlungen nicht stimmberechtigt. Auch Männer, welche zwar nicht an den Uebungen Theil neh­men , aber doch die gute Sache in anderer Weise unter­stützen wollen, können beitreten. Sie sind, wo nicht als Turner, doch als Turn freun de willkommen.

Ein gut gelegener, geräumiger Turnplatz ist ermittelt, welcher auf Aktien eigenthümlich erworben werden soll und bald werden sich darauf die Gerüste erheben. Als erste Einlage werden 15 Sgr. und als monatlicher Beitrag 5 Sgr. erhoben, wobei die Einrichtung besteht, daß, wer sich nur abwechselnd hier aufhält, wie die Studirenden, für die Zeit seiner Abwesenheit vom monatlichen Beitrage befreit wird. Der Betrag einer Aktie zum Ankauf des Turnplatzes ist auf 3 Thlr. bestimmt. Listen zur Beitritts­erklärung, sowie zur Aktienzeichnung liegen auf bei:

1) Obergcr.-Anw. Henkel, Garde du Corpsstraße JV£ 239.

2) Privatsekretär Ho ffmann, am Wall Ni 564.

3) Buchhändler Luckhardt, Mittelgaffe JV? 165.

4) Seifen- u. Lichterfabrik. Reul, unt. Siegengaffe JV? 289.

5) Lehrer Röse, Königsthor JV? 16 an der Chaussee.

6) Lederhändler Schopp ach, Mittelgasse JV? 127.

7) Gymnasial-Lehrcr Dr. Schwaab, Köm'gsstraße JV 201.

8) Lehrer Wagner, Poststraße JV? 991.

Vorerst ist verabredet, jeden Freitag Abend s6Uhr auf dem Heine'schen (früher Lipsiussschen) Felsenkeller bei Dieling sich zur geselligen Unterhaltung einzufinden, also zunächst Freitag den 28. d. M. Daselbst können dann auch Beitrittserklärungen, Aktienzeichnungen und Einzah­lungen erfolgen.

Kassel, am 21 April 1848.

Henkel. Hoffmann. C. Reul. J. G. Luckhardt. F. W. Schoppach. E. Wagner. Röse. Schwaab.

Kassel. Verantwortlicher Redacteur und Verleger: S. Hahndorf. Druck der Cstienne'schen Buchdruckerei.