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Die freie Presse.

Zeitschrift für Unterhaltung, Staats- und Volksleben.

2O. Donnerstag, den 27. April 18^8.

Der Preis dieses wöchentlich dreimal erscheinenden Blattes ist halbjährlich 1 Thlr. 15 Sgr. Man abonnirt bei allen lobt. Postämtern des Jn- und Auslandes. Bekanntmachungen die Zeile I Sgr.

Auszug aus dem Bericht des Dr. Eisenmann an seine Wähler in Nürnberg und Bayreuth über unsere Zustande und Aufgaben.

(Schluß.)

Es sind bisher auch Fälle vorgekommen, wo man Ab­geordnete gewählt, und ihnen dann eine Instruktion gege­ben hat, wie sie stimmen sollen. Dieses Verfahren ist nicht zu loben, denn wenn die Instruktion nicht mit der Gesin­nung des Mannes zusammentrifft, so kann er nicht mit ganzer Seele für dieselbe thätig sein. So wurde ein Mann von meiner Bekanntschaft für die stattgehabte Versamm­lung in Frankfurt gewählt, und dann von den Wählern beauftragt, nicht für die Republik zu stimmen. Dieser Mann erklärte: ich bin zwar republikanisch gesinnt, aber ich unterwerfe mich der Majorität. Nun was kam dabei heraus? Er stimmte in Frankfurt durchaus mit den Repu­blikanern! So geht es, wenn wir Mandate übernehmen, die mit unserer Ueberzeugung im Widerspruch stehen.

Ich werde unter allen Umständen meinem Vaterlande dienen, und wenn je die Republik in Deutschland eingeführt werden sollte, so werde ich auch der Republik dienen; wenn mir aber von irgend einem Wahlkörper der Auftrag gege­ben werden sollte, für ihn ins deutsche Parlament zu ge­hen und dort auf unmittelbare 'oder mittelbare Weise zur Herbeiführung der Republik mitzuwirken, so würde ich er­klären: Da nach meiner Ueberzeugung die Republik mit dem Wohl von Deutschland unverträglich ist, so kann ich einen solchen Auftrag nicht annehmen; und so müssen alle ^ure Wahlkandidaten sprechen, wenn sie Eures Vertrauens würdig sein wollen.

Das bisher Gesagte betrifft alles die Art und Weise, wie gute Wahlen zu Stande kommen können, es gilt aber nun auch alle mögliche Thätigkeit aufzubieten, um die Wahl von entsprechenden Abgeordneten durchzusetzen. Die Repu­blikaner begreifen diese Aufgabe und sie entwickeln eine Thä­tigkeit, welcher ich meine volle Achtung zolle, so lange sie sich dabei redlicher Mittel bedienen, so lange sie keine Un­wahrheiten vorbringen, so lange sie ihren Zweck nicht auf dem Wege der Gewalt erreichen wollen. Nehmt an ihnen ein Beispiel, wenn Ihr nicht eine schmähliche Nie­derlage erleiden, und einer schweren Neue über Eure Träg- Helt verfallen wollt; denn ich sage Euch: an der Republik hängt der Communismus, die Plünderung der besitzenden

Klassen, die Aufhebung des Eigenthums, das allgemeine Elend und die Barbarei.

Es ist sehr bedauerlich bemerken zu müssen, daß in ei­nigen Städten sich eine regsame Minorität für die Reprä­sentanten der ganzen Stadt ausgeben, und auf die weit überwiegende Majorität einen wirklich unglaublichen Despo­tismus üben konnte. So vermochten in Bamberg ohnge- fähr 15 Männer ihre Ansicht als die der gestimmten Bür­gerschaft darzustellcn, und die andern ließen sich solches, wenn auch mit verbissenem Grolle gefallen. Wer ist hier zu tadeln? Das kleine Häuflein von Republikanern, das mit unendlicher Anstrengung das Feld zu behaupten sucht, oder die große Masse von Konstitutionellen, welche es nicht wagt, 15 entschlossenen Männern entgegen zu treten? Es ist hohe Zeit, sage ich, daß die Konstitutionellen das Bei­spiel der Republikaner nachahmen, daß sie in Vereine zu- sammentreten und so durch Zusammenwirken erreichen, was dem Einzelnen nie möglich ist.

Es müssen in allen Städten unverzüglich Wahlcomitès gebildet werden; diese Wahlcomites müssen unter einem Centralcomite der Provinz stehen; die Filialcomitès müssen dein Centralcomite tüchtige Wahlkandidaten vorschlagen; das Centralcomite der Provinz muß dann eine Liste der Wahlcandidaten der ganzen Provinz entwerfen und den Filialcomites zur Genehmigung vorlegen, und alle Wahl­kandidaten müssen dann alles aufbieten, um ihre gemein­schaftlichen Kandidaten bei der Wahl durchzusetzen. Alle lokalen Eitelkeiten müssen dabei Wegfällen, alles kleinliche Gezänke muß unterbleiben, man muß um des hohen Zweckes willen sich lieber ein vermeintliches Unrecht gefallen lassen, als die Stimmen zersplittern und den Erfolg der Wahlen gefährden.

Für Mittelfranken (in Baiern) hat sich bereits ein sol­ches Centralwahlcomitè gebildet; dasselbe hat als Prinzip angenommen, die 10 Wahlkandidaten für Mittelfranken aus den verschiedenen Bezirken dieser Provinz zu wählen; es hat sich an alle andern Städte von Mittelfranken ge­wendet und dieselben aufgefordert, Filialwahlcomitès zu bilden, und die tüchtigsten Männer aus ihrer Gegend dem Centralcomite als Kandidaten vorzuschlagen. Das Centralwahlcomitè wird dann eine Kandidatenliste für Mit- telfranken entwerfen, diese Liste den Filialcomites zur Ge­nehmigung vorlegen und dieselben auffordern, diese Kan­didaten mit allen redlichen und erlaubten Mitteln durchzu­setzen. So müssen sich auch für Oberbaiern in München,