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dazu noch nicht von England angekommen ist. Sind wir denn noch immer verkehrt und haben die Nachtmütze über­gezogen, so daß wir nicht sehen und nicht hören? Deutsch­land hängt nicht von England, aber England hängt von Deutschland ab. Würde eine unserer Fabriken still stehen, wenn wir in Konflikt mit England kämen? Mit einem Worte, mit einem Satze, ausgesprochen vom deutschen Bunde der Völker, und England muß und wird nachgeben. Das eine Wort lautet: Ausschluß englischer Producte! Geschieht das, so ist die Revolution in England selbst da. Die alten Kabinctsdiplomaten haben nichts gelernt und nichts vergessen, sie sind seit 100 und mehr Jahren gewohnt, England als den natürlichen Verbündeten Deutschlands und den alten eingefleischten Feind Frankreichs zu betrachten; bedenken aber nickt, daß die Verhältnisse sich ganz geän­dert haben und daß die Zeit vorüber ist, wo in den Kabi­netten die Völker pfirchweise gezählt, ausgetauscht oder an Zahlungsstatt gegeben wurden. Deutschland will nicht mehr von andern Staaten ins Schlepptau genommen werden, und wenn der König von Preußen diese neue Politik nicht be­griffen rind danach die Diplomatie zu leiten gedenkt, dann begreifen wir unserer Seits noch immer den Auszug mit schwarz-roth-goldenen Schärpen nicht. —

Nachschrift. •— Den neuesten Nachrichten zufolge sollen nunmehr die preußischen Truppen vorschreiten.

— Das erste Treffen zwischen dem Rebellenhaufen, ange­führt von Hecker, und den deutschen Truppen, hat bei Kandern stattgefunden. Der Generallieutenant v. Sagern fiel von drei Kugeln durchbohrt, als er zu seinen Truppen von einer Anrede, die er an die Aufrührer gehalten, zurück­kehren wollte. Das ist die erste Heldenthat dieser Sckaar; das das erste Auftreten. Dies Treffen hat an 100 Men­schen das Leben gekostet. Es endete damit, das die ganze Hecker'sche Schaar zersprengt wurde.

Daß man in einer so bewegten und erei'gnißvvllen Zeit, wie die gegenwärtige, wo die verschiedenartigsten Interessen von wichtigster Natur sich kreuzen, ja oft einander gegen­über stehen, nicht stets und überall Allen genügen könne, ja daß es bei den fast sich überstürzenden Maaßnahmen mehr als menschliche Kraft erfordern würde, um überall die rechte Mitte zu treffen und selbst jede äußere Form zu wahren, wird jeder Wohldenkende unter unsern Mitbürgern zugeben müssen, und diese billige Berücksichtigung steigert sich zur unabweislichen Pflicht, wenn die der öffentlichen Beurtheilung unterworfenen Verfügungen von solchen Män­nern ausgehen, deren Vaterlandsliebe und freund bürgerliche Gesinnungen über jeden Zweifel erhaben sind. Zu diesen Betrachtungen sind die Unterzeichneten durch ein'unter der Ueberschrift:

»Niederschlagendes Erwachen aus einem

Percussions -Gewehr-Traume«

erschienenes Druckblatt veranlaßt worden, worin der von dem verehrten Regiments - Kommando unserer Bürgergarde vor einigen Tagen erfolgte Umtausch der im Besitz der Bürgergardisten befindlichen Percussions - Gewehre gegen Steinschloß - Gewehre.heftig angegriffen und getadelt wird.

Der einfache Sachverhalt ist folgender:

Behufs vollständiger und, wie sich von selbst ver­steht, gleichförmiger Armirung des stehenden Heeres (ein gewiß keinem andern an Wichtigkeit und Dringlichkeit nachstehender Zweck) war wegen dieses Umtausches das Re­giments-Kommando der Bürgergarde schon mehrere Male, von Seiten des Kriegsministeriums angegangen worden, daß dieser wo möglich noch vor den herannahenden Oster­feiertagen zu bewirken sein wurde, und ersteres hielt sich umsomehr verpflichtet, dieser Requisition zu entsprechen, als dadurch die fraglichen Percussions-Gewehre ihrer ursprüng­lichen Bestimmung zurückgegeben wurden und dagegen die Aushändigung von andern im guten Stande befindlichen weiter umgewechselt werden würden.

Aus diesen einfachen Thatsachen erklärt sich die Kürze der Zeit, innerhalb welcher die Inspektion (und unter einer andern Form war der Umtausch schicklicher Weise nicht aus­zuführen) angesagt und vollzogen wurde, wobei wir aller- dings nur bedauern können, daß solche gerade in die Tages­zeit fiel, wo mancher fleißige Bürger nicht wohl von Hause abkommen konnte. Herr T. P. Z. (der Unterzeichner jenes Druckblatts) dürfte nun wohl selbst einräumen müssen, daß es sich hiernach weder um eine Überrumpelung der Bürgergarde, noch überhaupt um eine Anordnung handelte, wodurch der Würde unseres Instituts und der Bedeutsam» feit, zu welcher es namentlich in dieser Zeil gelangt ist, in irgend einer Weise zu nahe getreten wäre, zudem als die am 22. d. M. im Zeughaus als nicht brauchbar empfangenen circa neunzig Stück Gewehre gegen taugliche aus­getauscht werden.

Kassel, den 24. April 1848.

Vogt. Denhardt. Luckhardt. Alsberg. Hornstein. Wagner. Stegemöller. Gläß­ner. Schoppach. v. Ditfurth. Schreiber- Weißenborn. Tischer. Ruhl. Schäfer'. Hornhard. Hahndorf.

Um zum letzten Mal allen böswilligen und zum Theil lächerlichen Gerüchten öffentlich entgegenzutreten, erklären wir jetzt, nachdem es möglich geworden ist, an die Stelle der provisorischen Einrichtung des hiesigen freiwilligen Korps eine entsprechende Organisation treten zu lassen, daß unser Korps, welches fortwährend unter dem Kom­mando des Herrn Seidler stand und steht, nie­mals eine andere politische Richtung gehabt hat, als um fer großes Vaterland nach bestem Wissen und Gewis­sen, um unsere Vaterstadt in Gemäßheit der deshalb erlas­senen oder noch zu erlassenden Gesetze und Verordnungen schützen zu helfen.

Kassel, am 21. April 1848.

Der provisorische Kommandeur Kersten.

Das Offizier-Korps:

Koch. Börsch. Lotzgesell. Wagner. Engelhardt. Seelig. Schwarzenberg. Morchutt. Köckert. Dedolph. Theiß. Hermann. Ganß. Eich­mann. Kellner.

Die Beigeordneten der Kompagnien: Ely. Siebert. Holstein. Heise. Weigel.

Sallmann.

Kassel. — Verantwortlicher Redacteur und Verleger: S. Hahndorf. — Druck der Estienne'schen Bachdruckerei.