Einzelbild herunterladen
 
  

64

Gesetz, die Ausfuhr von Pferden betreffend. Von Gottes Gnaden Wir Friedrich Wilhelm, Kur­fürst von Hessen ic. rc. erlassen, nach Anhörung Unseres Gesammt-Staatsministeriums und mit Zustimmung der getreuen Landstände, folgendes Gesetz:

§ 1. Unser Ministerium des Innern wird ermächtigt, die Ausfuhr von Pferden nach Staaten, welche nicht zum deutschen Bunde gehören, zu untersagen. §. 2. Ueber- tretungen eines solchen Verbotes sind mit der Konfiskation oder dem Werthersatze der betreffenden Pferde und außer­dem mit einer Geldbuße von zehn bis zu hundert Tha­lern, oder im Falle des Unvermögens mit verhälrnißmäßi- ger Freiheitsstrafe zu ahnden. Urkundlich rc.

Tages-Chronik.

Die Weserzeitung liefert bereits einzelneZüge aus dem schleswig-holsteinischen Befreiungs­kämpfe.

Dem in Hamburg erscheinenden „Freischütz" entnehmen wir folgende Details.

Unweit Flensburg, auf der Straße nach Apenrade, be­findet sich eine große Eisengießerei. Bei derselben hatten sich, nach dem Rückzüge aus Bau, circa 150 Mann Hol­steiner, verschiedenen Truppengattungen angehörig, gesam­melt. Sie beabsichtigten sich nach dem Hauplkorps in Schleswig durchzuschlagen, fanden aber die Vorstadt Flens­burgs schon angefüllt mit dänischen Dragonern, von denen sogleich eine Attaque gegen die bezeichnete Abtheilung unter­nommen wurde. Die Holsteiner warfen sich nun in jene Eisengießerei, wo sic sich zu verschanzen suchten. Die ansprengenden dänischen Reiter, ohnedies in Verwirrung gerathen durch das Stürzen einiger Pferde auf dem abschüs­sigen Boden in der Nähe jenes Gebäudes, wurden nun aus demselben mit so wohlgezielten Schüssen empfangen, daß sie einen beträchtlichen 24erluft an Mannschaft erlitten. Die Salven der Deutschen wiederholten sich so nachdrücklich, daß der Feind anfangs schleunigen Rückzug zu nehmen ge­zwungen ward. — Hierauf warfen sich 30 Mann Deutsche, welche sich ohne Munition befanden, nach Flensburg hinein und suchten, die Meisten verwundet oder sehr erschöpft, in den Häusern der Einwohner Schutz. Leider müssen wir die Befürchtung aussprechen, daß ihnen solcher wohl nur in der südlichen Stadtgegend gewährt sein kann, denn nur bier herrscht eine bessere patriotische Stimmung; die nörd­liche Stadt ist ultra-dänisch.

Drei jungen Männern aus der eben erwähnten Truppe, darunter der Hamburger Griebel (kam mit einem Streif­schuß am Bein hier Dienstags an), Architekt Berghöfer aus Itzehoe und ein Kieler Freiwilliger, gelang cs, sich nach Schleswig durchzuschlagen. Hier empfing man sie auf das gastfreundlichste und beförderte sie zu Wagen nach Rendsburg.

Der Weinhändler Dett'effsen aus Kiel befand sich in dem vor Flensburg mit den Dänen in Kampf gerathenen Freikorps. Er ward hier von einer Flintenkugel in die Achsel verwundet, gefangen und nach Flensburg in das Hospital gebracht. Es gelang ihm, seinen Weg durch's

Fenster nehmend, zu entfliehen, hatte aber daè Mißgeschick, von einem Vorposten, südlich von Flensburg, wieder auf. gegriffen zu werden. Er kam also zum zweiten Male dorthin und wurde in das Haus des Kommandanten ge. bracht; auch hier wagte er jedoch einen Fluchtversuch, der besser ausfiel als der erste. Dettleffsen kam glücklich über Schleswig nach Kiel, wo er im Schooße der Seinigen verpflegt wird.

Als einen Mittelpunkt der Verrätherei wird dem F. das Haus der Posthalterin Wwe. Esselbach in Schleswig bezeichnet; diese Person soll nämlich viele zwischen dem Heere und Rendsburg gewechselte Depeschen und Ordres unterschlagen haben.

Aber die dänischen Spione waren und sind noch jetzt an vielen Punkten, treiben auch ihr Wesen in Hamburg und Altona. Es wird uns mit großer Bestimmtbeit ver­sichert, daß manche in unsern öffentlichen Lokalen die Worte erlauschen , welche in Betreff des holsteinischen Krieges, sei­ner Chancen, Theilnehmer, Hülfsmittel u. s. w. von den Gästen gewechselt werden. Wir rathen aber dänischen Spio­nen, ihr sauberes Handwerk nicht zu plump zu treiben.

. Wie barbarisch hie und da die Dänen ihre Gefangenen behandelt haben sollen: Einer derselben war, nachdem er vier Wunden empfangen, in die Hände des Feindes gerathen und nach Flensburg geschleppt worden; man soll ihn hier an Ketten gelegt und so hülflos, unver­bunden, in einen Winkel geworfen haben. Der Unglückliche sah aber unter dem ihn umgebenden Militärs einen ehema- ligen nahen Freund; er beschwor diesen um Linderung sei­ner Qualen. Und welch eine Antwort erhielt er? „Glaubst Du, daß wir hierher gekommen sind, um Euch zu helfen?"

Beitritt zur Escadron der Bürgergarde.

Es ist als sehr zweckmäßig erachtet, daß die Escadron der Bürgergarde einen recht zahlreichen Zuwachs erhalte; ich ersuche daher alle Diejenigen, welche mit eigenenPfer» d e n oder mit D i e n st pfer d e n versehen sind, sich zur Auf­nahme in dieses Corps bei mir alsbald zu melden. Schon in den letzten Wochen hat ein zahlreicher Beitritt stattgefun» den; doch kann Reiterei nur dann mit Erfolg wirken, wenn solche mit entsprechender Menge auftritt; möchte daher mein Aufruf zum Beitritt von allen Denen, die dazu befähigt sind, berücksichtigt werden.

Zum Zweck der Einübung der Neuhinzutretenden und der an den Kavalleriedicnst nicht gewöhnten Pferde, sowie zur Einübung der Escadron überhaupt ist von Kurfürst!. Ministerium des Innern die Benutzung des Landgestüte- Reithauses in geeigneten Tagesstunden eingeräumt; zur Lei­tung der Reitübungen ist ein des schulgercchten Reitens Kundiger, der die Stelle eines Instrukteurs übernehmen wird, als Mitglied der Eskadron ausgenommen.

Ich erlaube mir, Dieses vorzugsweise allen Denjenigen anzuzeigen, die sich vielleicht abhalten lassen, der Eskadron bei­zutreten, weil etwa sie selbst mit dem Reiten nicht genug ver­traut, oder ihre Pferde für den Dienst noch nicht eingeübt sind.

Der Rittmeister u. Kommandeur d. Bürgergarde d. Residenz:

Hartwig.

Kassel. — Verantwortlicher Redacteur und Verleger: S. Hahndorf. — Druck der Estienne 'schen Buchdruckerei.