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Daß die Staatskasse die Kosten zu tragen habe'', wird keiner besonderen Begründung bedürfen.

Tages-Chronik.

Schleswig-Holstein. Die gestern so niederschlagend lautenden Nachrichten aus Schleswig werden durch die heute eingegangenen Briefe und genaueren Berichte von dort wenigstens einigermaßen zum Besseren modisicirt. —

Schleswig war nach den neuesten Nachrichten am 11. Nachmittags noch nicht von Dänen besetzt; die östliche Flanke der dänischen Armee mußte wegen der im Lande Angeln sich organisirenden Volksbewaffnung Vorsicht ge­brauchen. Dagegen ist die Stadt Eckernförde in der­selben Weise wie Flensburg durch die von den dänischen Kriegsschiffen angedrohte Beschießung zur Uebergabe ge­zwungen worden.

Auch die Niederlage bei Flensburg stellt sich nach den weiter einlaufenden Berichten als weniger empfindlich für die deutschen Waffen heraus. Zu einer eigentlichen Schlacht ist es daselbst gar nicht gekommen. Das schleswig-holstei­nische Heer war durchaus nicht konzentrirt und nach einem eigentlichen Schlachtplan aufgestellt, sondern die einzelnen Trupps mußten sich vor der Ucbermacht zurückziehen, und nur diejenigen, welche unwillig über diese Nothwendigkeit vergebens ihre Stellung zu behaupten suchten, wurden zersprengt und erlitten Verluste. Uebrigens haben sich in Rendsburg von den Corps, die am meisten gelitten haben sollten, viele bereits wieder eingestellt. Selbst Capitain Michelsen mit 200 Mann kam, nachdem er zweimal vom Feinde gefangen gewesen, am 11. ebenfalls in Rendsburg an. Der Krieg beginnt erst jetzt, nachdem die Preußen in Rendsburg den Befehl zum Vorlücken erhalten haben. — Zum ersten Male wird wieder die schwarz-roth-goldene Fahne ins Feuer geführt.

Rendsburg, 11. April. Die braven preußischen Truppen waren in diesen Tagen in Verzweiflung darüber, daß ihnen bisher versagt war an dem Kampfe gegen die Dänen Theil zu nehmen, und daß sie müßig in der Festung verbleiben müssen. Gestern nun ist die Nachricht aus Ber­lin gekommen, daß der Dänen-König aufgefordert werden soll, seine Truppen sogleich aus dem Herzogthume Schles­wig auf dänisches Gebiet zurückzuziehen, und daß, wenn dies nicht geschieht, von den preußischen und den Truppen des zehnten Bundes-Armeekorps sogleich zum Angriff gegen die Dänen geschritten, die Verhandlungen über die staatsrecht­lichen Verhältnisse unseres Landes zu Dänemark erst beginnen sollen, wenn die Dänen aus dem Lande vertrieben sind.

— Abends 10 Uhr. Gottlob! endlich ist Marsch­ordre für die Preußen angelangt; sie sollen mit dem 10. Bundesarmee-Korps bis an die Königsau vorrücken. Ein Parlamentär ist ins feindliche Lager geschickt, um die Dä­nen zur Räumung des Herzogthums Schleswig aufzufor­dern. Natürlich nur Formalität, denn die Sieger werden und können ja nicht solchem Begehren Gehör geben.

Kassel. — In der am 13. stattgehabten Volksver­sammlung ward Hr. Schwarzenberg als Kandidat für

das Parlament nach Frankfurt bestimmt. Künftigen Dien­stag heißt es: Israel zu deinen Zelten! da muß Alles zur Hand. Jeder thue seine Schuldigkeit. — In dieser Ver­sammlung ward zugleich ein Comite für die Schleswig-Hol­steinischen Angelegenheiten bestimmt, welches aus den Mit­gliedern des Wahlcomites mit Hinzuziehung zweier Delegir- ten des Freikorps und der HH. Oberappellationsrath Elvers, fand. phil. A. Pfaff, Major v. Cochenhausen, Major v. Kaltenborn besteht. — Der deutsche Bund hat nun­mehr den Beschluß gefaßt, daß von Bundeswegen in Schles­wig-Holstein eingeschritten werden soll.

** Kassel, am 14. April. In der am gestrigen Abend stattgehabten Versammlung schlug das Comite die­jenigen Männer vor, welche das hessische Volk am deut­schen Parlamente zu Frankfurt a. M. vertreten sollen. — Wenn gleich es sich durchaus nicht verkennen läßt, wie sehr das Comitè bemüht gewesen ist, Männer des allge­meinen Vertrauens dazu zu bestimmen, so fehlt jedoch darunter ein Mann, welcher sich nicht allein die größte Achtung und Vertrauen in seinem Vaterlande, sondern sogar im ganzen gesummten Deutschland einen unsterblichen Ruhm erwarb: es ist der Hr. Obergerichts-Direktor Günste, dermalen zu Fulda. — Dieser Ehrenmann im vollsten Sinne des Worts, dieser muthige Vertheidiger des Rechts in den vergangenen Zeiten der Schmach und Unterdrückung, dem wir dadurch die Erlösung unseres allgefeierten Jor­dan aus Ketten und Banden verdanken, sollte es ihm wohl and) jetzt nicht vergönnt fein, Hand mit an das große Werk der deutschen Wiedergeburt zu legen? O, gewiß! er, der in den vergangenen Zeiten alle Zurücksetzung und Kränkung mit Geduld ertrug lind demohngeachtet aus Liebe zu seinem Vaterlande alle Rufe und glänzendere Aussichten vom Ausland her zurückwies; — ja, ein solcher edler Mann ist würdig, als Vertreter nach Frankfurt a. M. ge­schickt zu werden; möchten daher die wohllöblichen Wahl­kommissionen auch diesen Ehrenmann ins Auge fassen und demselben so Gelegenheit geben, seine aufopfernde Liebe zum Vaterlande bethätigen zu können. P. S.

— Die Ständeversammlung faßte heute auf Antrag mehrerer Kasseler Bürger einstimmig den Beschluß: die Staatsregierung zu ersuchen, den Unteroffizieren sämmtlicher Corps durch militairische Ordre bekannt zu machen, wie es nie Absicht gewesen, noch je Absicht werde, den wohl­erworbenen Ansprüchen treu gedienter Militair-Unterofsiziere auf Anstellung im Civilstaatsdienst Nichtbeachtung zukünftig entgegen zu setzen. —

Außerdem nahm die Ständcveisammlung die oben ge­stellte Petition des Comite für Schleswig-Holstein einstim­mig an. Auf die Zurückrufung der beiden sich dermalen in Dänemark befindlichen hessischen Prinzen stellte Hr. Pfeiffer einen selbstständigen Antrag. Der Hr. Land- ragskommissar Duysing versprach noch für heute die nöthige Mittheilung. —

Kassel. — Verantwortlicher Redacteur und Verleger: S. Habndorf. — Druck der Estienne scheu Buckd^ickcrei.