klamatiöii dcs Königs von Preußen Protest einlegen. Die Eingabe ward zu den Akten genommen —
Man ging zur Revision deS Amnesiicgcsetzes über und dasselbe ward in geheimer Abstimmung einstimmig angenommen. Eine kleine Zwischendebatte entspann sich wieder über den Antrag deS Hrn. Krauß, erläutert von Hrn. Weinzierl, welcher die Erminister v. Motz rind Scheffer ausgenommen wissen will. Beide können jetzt täglich beten: »lieber Gott, bewahre uns vor unsern Freunden, mit unsern Feinden wollen wir schon fertig werden!« —Hr. Krauß und Weinzierl waren getreue Anhänger SchefferS, ersterer als er erst in der Kammer war; nnd wenn nicht das Amnestiegesetz bereits angenommen wäre, so würden wir auf einige berüchtigte Debatten, als z. B. über die Zulassung des Hrn. v. Waitz, zurückkommen und den geehrten Herren einige Kleinigkeiten in Erinnerung bringen. So aber übergehen wir die Sache mit Stillschweigen. Hr. Krauß wird unsere Verschwiegenheit zu ehren wissen; außerdem verzichten wir auf seinen Beistand in und außer der Kammer. Wir können nun ein - für allemal die galvano-plastisch vergoldeten Liberalen nicht leiden, wozu wir außerdem noch Einige in der Kammer zählen, die wir uns wegen Mangel an Raum noch aufsparen. Wir sind gern gegen jeden gerecht; so soll es auch unbegründet sein, daß das Erministerium Motz-Scheffer eine neue Würde, die eines Geheimen - Oberlandmessers habe schaffen wollen. —
Die Ständeversammlung ging zur Fortsetzung der Berathung der neuen Geschäftsordnung über und vollendete dieselbe, worauf eine vertrauliche Sitzung statt fand.
Tages-Chronik.
Kassel. — Nicht dem Vernehmen nach, sondern mit Gewißheit können wir den Gewerbtreibenden die Nachricht bringen, daß der Hochbau am Bahnhof sofort beginnen soll. Wir verlangen aber zweierlei, einmal eine richtige, möglichst allgemeine Vertheilung der Arbeit und daß es Arbeit mit Verdienst sei. Wir protestiren auch, Namens der Arbeiter, gegen jede Verdingung an den Mindestfordernden. — Unsere freundnachbarliche Kollegin, die » Kasselsche Allgemeine Zeitung «, brachte uns in ihrer gestrigen Nummer einen wirklich rührenden Artikel, des Inhalts, daß wir unseren Feinden verzeihen und sie in Ruhând Frieden laufen lassen möchten. Dagegen hätten wir nichts kinzuwenden, wenn sie damit unschädlich gemacht würden. Das ist aber nicht der Fall. Wir verweisen in dieser Beziehung auf unseren heutigen Schlußartikel » Einem Jeden das Seine«. Es geht nicht anders. Es ist unsere feste innige Ueberzeugung, daß gerade dieses Heer es sein wird, was bei der ersten passenden Gelegenheit sofort das Pausier der Reaction aufstecken und mit mehr Konsequenz
■n wird, als wir glauben. Täuschen wir uns nicht sWir wollen keine Rache, wir wollen einem Jeden ch verzeihen, der uns oder die Männer unserer Farbe persönlich verfolgte. Es ist uns noch gar nicht eingefallen, anders zu denken und zu handeln; aber was die Staatsmaschine anbelangt, so können fiel da nicht
bleiben. Es versteht sich von selbst, daß wir hier von den Führern und nicht von den Handlangern reden. — wollen wünschen, daß wir nicht nöthig haben, das Thema weiter zu behandeln. — Wir hatten in diesen La- gen wieder bedenkliche Gerüchte von Ministerwechsel zc., hie sich freilich als ungegründet herausgestellt haben. Wir reihen diese absichtlich hieran und lassen uns warlich so leichten Kaufs nicht wieder einlullen. Der Feind muß unschädlich gemacht werden; so lange er das nicht ist, w lange wir noch sehen, daß er nur den entferntesten Ver- luch macht, pd) zu sammeln, um Boden zu gewinnen, so lange sind wir nicht beruhigt und so lange müssen wir kampfgerüstet da stehen, einen jeden Eingriff, er mag offen ober auf listige Weise geschehen, zurückzuweisen. Männer des Fortichritts! laßt Euch nicht dadurch bethören, daß man Euch die abgeschnittenen Krallen zeigt, sie wachsen wieder! — Gestern Abend gegen 12 Uhr wurde dem Erminister v. Motz, den wir wieder in unseren Mauern besitzen , eine rührende Serenade gebracht. Die Virtuosen, welche die große Ouvertüre in B-moll aus der Oper: »Er muß aufs Land« mit bewundernswürdiger Fertigkeit auf der Gieskanne ausführten, erndteten den oerbienten Beifall. —
Bekanntmachungen.
7. Spiegel mit ächten Goldrahmen billigst während der Messe Karlsstraße Rro. 218.
"Vt^-R^'"«^ -ys^ ^^-y^C V^S^SC ^^ "^K^K 5C P 10. Die 1
% Tuch- und Modewaaren-Handlttn H von
Gustorf
Ä bleibt während der Messe in ihrem Lokal, Steinweg Ur. 191. Ä
Von heute au nehmen sämmtliche kur- hessischen Postämter Bestellungen auf diese Blätter an.
Wir ersuchen unsere verehrlichen hiesigen Abonnenten, bei Empfang der nächsten Nummer gefälligst anzugeben, ob sie das Blatt künftighin gebracht haben, oder ob sie es abholen lassen wollen und — nach unserer unten stehenden Bekanntmachung — wo? Für das Ueberbringen berechnen die Colporteure 4 Hlr. wöchentlich.
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Kassel. — Verantwortlicher Redacteur und Verleger: S. Hahndorf. — Druck der Estienne'schen Buchdruckdrei.