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weil das Wildpret da, wo es geschossen wird, sich weg­zieht, wodurch der Grundbesitzer nicht nur gegen Beschädi­gung seiner Felder, sondern der Jagdberechtigte auch gegen die Gefahr, den Schaden ersetzen zu müssen, ge­schützt werden würde; auch würden alsdann die Jagdbc- rechtigten wahrscheinlich größere Sorgfalt anwcnden, durch Niederschießen des übermäßigen Wildprets und durch son­stige Vorrichtungen das Austreten desselben aus den Jagd­revieren zu verhüten. Kassel, im März.

F. H.

Tages - Chronik.

Paris, 31. März. Die provisorische Regierung hat eine Proklamation »an die Bürger von Paris« erlassen, in welcher sie für die Zeit der Sitzungen der Nationalver­sammlung zur Ruhe und Ordnung ermahnt. Tumulte und lärmende Demonstrationen, Freudenschüsse und dergleichen, sagt die Regierung, würden nur Handel und Verkehr er­schrecken und den Schein erwecken, als sei die National­versammlung nicht frei in ihren Berathungen; dergleichen Ruhestörungen würden außerdem den Verleumdern der Re­publik Waffen in die Hand geben und eines Volkes un­würdig sein, welches seine Freiheit auf so glorreiche Weise erkämpft habe.

Eine zweite Proklamation der Regierung richtete sich an die Soldaten, denen bekanntlich jetzt auch das Wahlrecht verliehen ist. Dieselbe sagt: »Disciplin und Ordnung sind in einigen Regimentern gestört worden; die Regierung wird solche Handlungen mit republikanischer Strenge unterdrücken; aber ehe sie einschreitet, möchte sie warnen. Seht das Volk an, bewundert seine freiwillige Ordnung, welche es durch die bloße Disciplin der allge­meinen Vernunft aufrecht erhält. Haltet das Heer rein und stark für die Eventualitäten des Landes. Wir ge­hen damit um eure Reihen zu vermehren; (!) für jeden Patriotismus wird Raum und Ruhm da sein.« Am Schlüsse wird angezeigt, daß binnen kurzem ein Verbrüderungsfest für Heer, Volk und Nationalgarden in Paris stattsinden soll.

Die Disciplin des Volkes, von welcher die Prokla­mation spricht, hat übrigens in den letzten Tagen, na­mentlich in Lyon und Rouen, wo man es auf die frem­den Arbeiter abgesehen hatte, wiederholte Störungen er­fahren, die nur mit Mühe beseitigt werden konnten, und Paris hat sich die Wuth des Haufens gegen Emil de Gi- rardin gerichtet, welcher Tag für Tag in der »Presse« mit Eifer und Freimuth gegen die Maßregeln der proviso­rischen Regierung ankämpft. Wenn nicht Hr. Lamartine und die angesehnsten republikanischen Blätter mit Ernst gegen solche Beeinträchtigungen der Preßfreiheit aufgetreten wären, so würde das Volk wahrscheinlich die Bureaux und Pressen des genannten Blattes zertrümmert haben.

Aus dem Herzogthum Westfalen, 29. März. In unserem sonst so ruhigen Herzogthume leben wir in voll­ständiger Anarchie. Die Macht der Behörden ist gebrochen und an deren Stelle die physische Gewalt »des Volkes« getreten. Der Privatrache sind alle Thüren geöffnet, und

wer aus früheren Zeiten noch etwas abzumachen hat, sucht sich ungestraft sein Opfer aus der Masse heraus, um sol­ches zur Bestrafung vor das Volksgcricbt zu ziehen. Reich gewordene Juden, Adelige und mißliebige Beamten fallen überall als Opfer der Volkswuth. In Attendorn kam es unlängst zu bedauerlichen, die persönliche Freiheit und das Eigenthum verschiedener Ortseingesessener gefährdenden Excessen; in der Gegend von Elspe soll das Leben des Kreis-Landrathes bedroht gewesen sein; in Fredeburg ist mittelst Volksgerichtes der Oberförster seines Amtes ent­setzt, in Berge der Landrath des Kreises Meschede ge- nöthigt worden , seine Geschäftsstube von Berge nach Me­schede zu verlegen; in Bödefeld soll sich das Volk zu- sammengruppiren, um das Gericht zu Fredeburg zu zwin­gen, einen ständigen Gerichtskommissar in Bödefeld einzu­setzen In Berleburg-Wittgenstein werden die fürst­lichen Familien bedroht; in Freienthal ist der Amt­man mittelst des Volksgerichts seines Amtes entsetzt und dem Vernehmen nach vom Volk bereits sein Nachfolger erwählt. In Brilon sind Beamte vom Volke verjagt und nur mit Lebensgefahr der Volkswuth entkommen, Ju­den beraubt und mißhandelt. In Padberg sind vom Pöbel mehrere Häuser eingeäschert, und in A l m e ist der Graf von Bochholz genöthigt worden, seine Besitzung zu verlassen und den wüthendsten Ausbrüchen der Volks­wuth Preis zu geben In dem Fürstenthume Paderborn, welches ebenso wie unser Herzogthum von allem Militär entblößt ist, mag es nicht besser gehen; denn so eben ver­breitet sich das Gerücht, daß Pöbelhaufen bereits seit zwei Tagen damit beschäftigt sind, das prachtvolle Schloß des hier beliebten Grafen von Westfalen gänzlich zu demoliren. Aller Orten herrscht Schrecken und Verwirrung, und wenn dieser rathlose Zustand noch länger forldauert, dann bleibt dem ruhigen, ordnungsliebenden Bürger nichts An­deres übrig, als sich jenseits des Oceans einen andern Weg zu suchen.

Frankfurt. Die Mitglieder des permanenten Aus­schusses zur Vorbereitung und Einberufung des deutschen Parlaments sind: Wiesner (Oestreich); Jtzstein (Baden); R. Blum (Sachsen); Jacobi (Königsberg); Kolb (Rhein- baiern); Abegg (Breslau); Soiron (Baden); Simon (Bres­lau); Schott (Würtemberg); Murschel (Würtemberg); Ra- veaux (Rheinpreußen); Spatz (Rheinbaiern); Eisenmann (Baiern); Schleiden (Schleswig); Matthy (Baden); Gülich (Schleswig-Holstein); Freudenthal (Hannover); Gr. Bis­singen (Oestreich); Stadtmann (Rheinpreußen), Venedey (Rheinpreußen); Schnelle (Mecklenburg); Siemens (Hanno­ver); Jürgens (Braunschweig); Zachariä' (Hannover); Wip­permann (Kurheffen); Lehne (Rheinhessen); Biedermann (Nassau); Rüder (Oldenburg); Hergenhahn (Nassau); Buhl (Baden); Nonne (Hildburghausen); Kierulf (Mecklenburg); Heckscher (Hamburg); Cetto (Rheinpreußen); Duckwitz (Bremen); Behn (Lübeck); Schwarzenberg (Kurhessen); Brunk (Rheinhessen); Mappes (Frankfurt); Pagenstecher (Preußen); Wilhelmi (Preußen); Briegleb (Koburg); Bla- chiëre (Kurhessen); v. diesen (Baiern); Pauz (Baiern); Reh (Darmstadt); Mack (Würtemberg); Meyer (Preußen); Wedemeyer (Preußen); Kanzler Wächter (Würtemberg).

Kassel. Verantwortlicher Redacteur und Verleger: S. Hahndorf. Druck der Estienne'schen Buchdruckerei.