Die freie Presse.
Zeitschrift für Unterhaltung, Staats- und Volksleben.
91= 7. Dienstag, den 28. März 18Ä8.
Der Preis dieses wöchentlich dreimal erscheinenden Blattes ist halbjährlich 1 Thlr. 15 Sgr. — Man abonnirt bei allen lobt Postämtern des Jn- und Auslandes. — Bekanntmachungen die Zeile 1 Sgr.
Die auf dem Lande vorgekommenen Exzesse und deren Ursachen.
In der landständischen Sitzung vom 21. d. M. hat der Hr. Schwarzenberg der bedauerlichen Ereignisse erwähnt, welche in Verbindung mit Angriffen auf Personen und Eigenthum im Lande Statt gefunden haben, und den Antrag gestellt, zu beschließen: die Ständeversammlung sei bereit, die Staatsregierung zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit kräftig zu unterstützen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen.
Wenn man auch wohl im Voraus überzeugt sein darf, daß die jetzige Staatsregierung sich nicht darauf beschränken wird, die öffentliche Sicherheit blos mit Waffengewalt zu erhalten, sondern auch darauf Bedacht nehmen wird, die Ursachen, welche zu Ausbrüchen der rohen Leidenschaft Veranlassung gegeben, zu ermitteln und möglichst zu entfernen, — in welcher Beziehung in der erwähnten Landtags- fitzung Hr. Lederer auch schon einige Andeutungen machte; -- so dürfte es doch nicht überflüssig erscheinen, einzelne jener Ursachen etwas näher zu beleuchten, was in einer Richtung hin durch Nachfolgendes geschehen soll, in- den, man es Sachkundigen überläßt, über die anderweiten Ursachen das Publikum ebenwohl aufzuklären.
Es sucht sich jetzt überall der Grundsatz geltend zu machen:
»her Mensch, der nichts als Körperkraft, guten Willen »und Gesundheit erhalten, hat ein Recht, ein unverjähr- »bares Recht auf billig bezahlte Arbeit, die ihm nicht »Ueberfluß, aber das Nothdürftige und die Mittel sichert, »gelund und stark, thätig und arbeitsam, — folglich ehr- »lich und gut zu bleiben, weil er sich glücklich fühlen » wird.«
Eine große Anzahl der Arbeiterklasse unseres Vaterlandes ist mit ihren Nahrungsquellen auf die vom Staate betrieben werdenden Berg-, Hütten- und Salzwerke angewiesen, und zwar in vielen Gegenden ausschließlich, da die im Schooße der Erde verborgenen Schätze sich in der 9ie= ßel da finden, wo die Oberfläche weniger ergiebig ist.
Die Pflicht des Staates wäre es gewesen, mit der zunehmenden Bevölkerung diese Nahrungsquellen möglichst zu erweitern und den Arbeitern solche Löhne zu gewähren, die dem angeführten Grundsätze entsprechen. Dieses ist aber nicht geschehen. Die Staats- Anlagen der erwähnten Art
sind nicht nur nicht erweitert, sondern gerade noch vermindert worden.
Das Frankenberger Kupfer- und Silber-Bergwerk wurde niedergelegt, weil es mit Zubuße betrieben wurde. Als Ursache wurden die ungünstigen Local-Verhältnisse angegeben, - in der That bestand solche aber in der Indolenz der Lokal-Beamten. Die Arbeiter waren schlecht beaufsichtigt, thaten wenig oder gar nichts. Unterschleisse und Entwendungen kamen vielseitig vor. — Sieht man doch jetzt, 30 Jahre nach jener Zeit. ein anderes vaterländisches Kupferwerk, bei der Verarbeitung von ärmeren Erzen und bei geringen Verkaufspreisen für die gewonnenen Products — freilich aber auch bei einer ausgezeichneten Local-Verwaltung — noch bestehen und die Bewohner des Riechelsdorfer Gebirges ernähren!
Die Salinen Carlshafen und Schmalkalden, welche dem Staate noch immer nicht unbedeutende Revenüen abwarfen, wurden niedergelegt unter dem Vorwande: daß die Proouction derselben auf den übrigen Salinen billiger noch mitzubeschaffen sei, — in der That aber, um einem Nachbarstaate, der eine höhere Salzsteuer erhob, gefällig zu sein, damit das Einschmuggeln des Salzes von diesen Salinen aufhörte.
Hinsichtlich des Betriebes der Bergwerke rc. rc. wurde der Grundsatz festgehalten — den wir auch in einer Stän- deversammlung von der Ministerbank her aussprechen hörten: — »der Staat dürfe sich bei dem Betriebe der erwähnten Anstalten so wenig als möglich von den Grundsätzen der Privatwirthschaft entfernen« , d. h. mit anderen Worten: die Arbeitslöhne müssen so viel als möglich niedrig gehalten werden, damit der Staat eine möglichst große Revenüe erziele.
Was durch solche Grundsätze für Uebelstände herbeigeführt worden sind, das sehen wir an der stets zugenommenen Verarmung der Gegenden von Schmalkalden und Frankenberg, — den Erzessen der Arbeiter fast auf allen Werken des Staats in der jetzigen Zeit.
Möge hohe Staatsregierung ihre jetzige Aufgabe in Beziehung des Betriebs der vaterländischen Werke richtig auffassen, und darin weniger eine Quelle der Staats-Einnahmen, als vielmehr die Nahrungsquellen vieler Tausende der Arbeiterklasse erblicken, — die Vermehrung der Staats- Einnahmen nicht durch Erzielung geringer Löhne, sondern durch Anstellung tüchtiger Beamten suchen, die mit den technischen Fortschritten der jetzigen Zeit vertraut sind und