20
nur E iu Herz schlägt und Ein Geist schafft und in dem derselbe Kreislauf deS Blutes neues Leben nach allen Richtungen hin erweckt. Betrachtet Euch als eine unheilbare, urfeste Einheit. »Vernichtung weht dich an, so laug' du Einz'les bist«. — Die Kurhessischen Schulblätter haben ihre Mission erfüllt. Mit dem zernichteten Princip, das sie befolgten, müssen auch sie folgerechter Weise aufhören. Denn daS Princip des Hergebrachten, des Formellen, des Veralteten ist zernichtet unb zerbrochen. Das bloße Hinweisen auf Autoritäten, was keine Autonomie deS geistigen Schaffens gestattet, genügt dem Volks- schullchrer nicht mehr. Wir erfassen, was die Geister frisch und gesund macht, was fördert und belebt, was entzündet, entflammt, begeistert. —
Ob auch das Volksschulwesen eine größere und schönere Zukunft haben wird? So fragt man wohl, aber man zweifelt nicht baran. Die Morgenröthe einer Hellern Zukunft ist über unsern Landen aufgegangen; ein lichter, allumfassender Sonnenaufgang wird ihr folgen. Dann wird auch ein Strahl auf die Schule fallen, und die in ihr schlummernden Keime wach rufen und zu Knospen und Blüthen entwickeln. Vertrauen wir nur den Männern, die das fürstliche Wort um den Thron gerufen; den Man- nern, die in den Tagen der Prüfung, in der jüngsten Sturm- und Drangperiode, Beweise ihrer geläuterten, volkstümlichen Gesinnung gegeben haben. Jeder von uns muß aber mit allen Kräften mitwirken. Deßhalb Fort, bildungsschulen, Dorf- und Volksbibliothcken, Gesangvereine und Turnanstalten gegründet, und »geturnt, was das Zeug halten will«, wie der Henkel sagt.
Drum rufe ich Euch, Ihr Lehrer in Kurhesscn, in welchem Winkel der Eide Ihr auch stecken möget, nochmal zu: Schließt Euch fest aneinander! Redet frisch und frei, wahr und froh! Ruft eine Kurtz essifche Volksschulzeitung ins Dasein! Das ist das Eine, was uns zunächst Noth ist. — Wie wollte ich mich freuen, wenn mein Wort nicht lautlos verhallte. Dann wäre einer meiner sehnlichsten Wünsche erfüllt!
Gut Heil!
Geschrieben den 18. März 1848
CH. Liebermann,
Lehrer an der Bürgerschule zu Eschwcge.
Gut Heil!
Es ist gewiß nicht zu verkennen, weich' wohlthätige Folgen das Turnen auf den Menschen ausübt. Nicht allein, daß die Körperkraft gestärkt und die Gesundheit, dieses theuere Kleinod, erhalten und befördert wird, wirkt es zugleich wohlthätig auf den Geist ein, den Ausspruch bestätigend, daß nur in einem gesunden Körper eine gesunde Seele wohnen könne. — Die harmonische Ausbildung des Geistes mit der Kräftigung des Körpers ist in unserer Zeit etwas unbedingt nothwendiges, nicht bloß um dem jetzt so bedürftigen Geschlechte eine Abhärtung, Gelenkigkeit und Gewandtheit zu geben, sondern auch die Frische des Geistes, die Offenheit und den Gemeinsinn zu fördern und
insbesondere die Sittlichkeit und Tugend, aus die ein jeder Turnverein gegründet ist, zu heben. Ueberall in unserm deutschen Vaterlande hat man den großen Nutzen anerkannt , den das Turnen gewährt und wie ein frisches Leben durch unsere Gauen verbreitet hat. Ja, wahrlich! gibt es eine angenehmere Ausfüllung der Müsestunden für einen jungen Mann, als sich in Gottes freier Luft an Reck und Barren zu starken und zu stählen? oder ist es besser, auf Bierbänken und in verräucherten Gesellschaftsstuben zu hocken, die edle Zeit mit Kartenspiel zu vergeuden, den Geist verdummende Redensarten zu führen und Kastengeist zu Hecken? Heraus denn! aus dem tragen Leben ; der Henkel ruft Euch auch zu : »turnt, was das Zeug halten will, daß die Geister hell, die Herzen edel und die Arme stark werden«, damit uns die Zeit als Männer, nicht aber als Jammergestalten bildet. Ergreift also alle, Bürger, Beamte, Gelehrte und Lehrer die Gelegenheit, die sich jetzt darbietet, einen Verein, der das Wohl des Volkes betrifft, in's Leben zu rufen, unb findet Euch zahlreich zu der angekündigten Besprechung ein; wir rufen Euch den Gruß des Turners kräftig zu: »Gut Heil!« dem Gedeihen der guten Sache.
Tages -Chronik.
Kassel. — Die Berliner Ereignisse bilden hier, wie wohl dermalen überall, das Tagesgespräch. Dies sind Gräulscencn, welche Verachtung und Abscheu erregen. Und nun der Jubel und die Illumination! Daß einzelne Menschen toll werden, ist nichts seltenes. Aber eine ganze Stadt? Und das Volk, das sich so schlägt, das Volk, das mit Berserkerwuth sich auf die Kartätschen speienden Feuerschlünde wirft und die Bedienungsmannschaft erwürgt, ohne Waffen erwürgt — das jubelt und jauchzt für ein paar andere Minister, und daß ihm die unter 5 Thlr. versetzten Pfänder auf dem Leihhaus unentgeltich zurückgegeben werden. Das hat über 1000 Menschenleben gekostet!! Das zu fassen und zu begreifen, dazu gehört wahrlich Berliner Geist! Wenn ich Berliner wäre, ich würde auf 4- Jahr nach Warschau ziehen!
— Gestern sind 2 Kompagnien vom I. Infanterie Regi- mcnt und 30 Husaren nach Witzenhausen, Eschwege rc. marschirt, wo ebenwohl bedauerliche Erzesse vorgefallen sind. — Hr. v. Baumbach-Kirchheim ist zum Präsidenten und Hr. Schwarzenberg zum Vicepräsidenten der bermaligen Ständeversammlung bestellt worden.
Bekanntmachungen.
6. Mehrere, in der jüngsten Zeit erfahrene, meine Person verdächtigende, Angriffe und Verfolgungen, veranlassen mich hiermit Jeden aufzufordern, der im Stande ist, mir irgend etwas Nachtheiliges, bezüglich auf öffentliche Angelegenheiten, nachzuweisen, solches in diesem Blatte zu veröffentlichen. Äehnlichen, späteren gegen mich gerichteten böswilligen Angriffen und Verfolgungen werde ich rücksichtslos, in mir geeigneter Art, zu begegnen wissen.
PH. F. Konsens.
Kassel. — Verantwortlicher Redacteur und Verleger: S. Hahndorf. — Druck der Estienne'schon Buchdruckerei. .