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genstand baldmöglichst in Betrachtung zu nehmen, um so mehr, als die Stimmung des Publikums, namentlich bei den jetzt das höchste Interesse bietenden Sitzungen, eine — ganz gelind ausgedrückt — sehr ärgerliche ist! Bgn.
Zuruf an die Bürger^arde!
Kameraden!
In dieser bewegten Zeit, deren Losung »der Fortschritt« ist, wird allerwärts in Deutschlands Gauen der Ruf: »Allgemeine Volksbewaffnung« laut. Seit 17 Jahren ist dieselbe nun bei uns durch die Konstitution eingeführt; gestehen wir uns aber offen, in diesen 17 Jahren hat ein Fortschritt nicht Statt gefunden.
Lauheit und Gleichgültigkeir sind an die Stelle des Eifers von 1830 und 1831 getreten, viele haben sich dmch leichtfertige Gründe ihrer Verpflichtung entzogen und dadurch ihren Mitbürgern größere Last aufgehalst.
Aber auch Seitens der Behörden ist nichts gethan worden, die Bürgerbewaffnung zu heben, deren Zweckmä- ßigkeit sich wiederum in unsern Märzlagen bewiesen hat. Sicher wäre auf dem Lande mancher Exceß verhütet worden, wenn die Bürgergarden der Landgemeinden organisirt gewesen wären.
Kleinliche Plackereien trugen dazu bei, die Lust und Liebe der Gardisten zum Dienst und den Waffenübungen noch vollends zu ersticken.
Kameraden! »Vorwärts!« heißt unser Fcldgeschrei!
Laßt uns eine Petition an die Ständeversammlung richten, worin wir um Umarbeitung des Bürgergarde-Gesetzes von 1832 bitten. Wählen wir einen Ausschuß von 26 Männern der Praxis, je zwei aus jeder Kompagnie und der Eskadron, zur Abfassung der Petition.
Beauftragen wir diese Männer aber auch zur vorläufigen Berathung des Bürgergarde-Gesetzes und Dienst-Reglements, damit der Krebsschaden der Ständeversammlung bekannt werde, und geben wir die Mittel an die Hand zur Verbesserung, wie sie uns die Praxis gelehrt.
Möge unser geehrter Regiments-Kommandeur die 12 Kompagnien und die Eskadron alsbald versammeln, um die Wahl einer Kommission von 26 Gardisten zu veranlassen, deren Aufgabe es sei, die Berathung sofort zu beginnen.
Kameraden! Laßt uns fest zusammenhalten und wirken, daß der Sinn für unsere Bürgerbewaffnung, geweckt werde, wo er schlummert, und die Bürgergarde dastehe:
»Kräftig! ernst! Achtung gebietend!«
Auf Kameraden! Rührt Euch!
Kassel, den 18. März 1848.
Ein Bürgergardist.
Gin Wort an Kurheffens Volksschnl- lehrer!
Der schöpferische Geist der Entwickelung ist wieder einmal sichtbar durch die Geschichte unserer Tage geschritten. Niemals ruht und feiert er: denn Bewegung ist sein Wesen. Seine Macht hat mit einem Male Licht verbreitet um uns her. Die eisernen Fesseln, in die der freie Men
schengeist gezwängt, sind klirrend zur Erde niedergefallen. Der Genius der Freiheit hat gesiegt und hat uns wiedergegeben die ewigen, ureigenen Rechte der Menschheit. Wohnt doch in der Tiefe der Erdenbrust der Frühling, und nach dem starren, eisigen Regimente des Winters folgen die lauen, milden, stärkenden Lüfte des Frühlings.
Ich wende mich an Euch, Volksschullehrer Kurhessens, an Euch, Kollegen! die wir Alle berufen sind, das Eine erhabene Ziel der Volksbildung und Volksgesittung zu erstreben. Vor der Glut nationaler Begeisterung will sich kein deutscher Mann zurückziehen; gegen die großartigsten Ereignisse darf sich auch kein Lehrer verschließen, und wollte er — es ginge nicht. Denn Keinem von uns fehlt es an Gefühl und Einsicht, Keinem von uns sollte es an Muth und Gesinnung fehlen, um die politische Freiheitsbewegung mit vollem, warmem Herzen anzuerkennen. Singt mit Eurer Jugend, Euern Chören Auferstehungs - und Jubellieder dem Frühlinge des neu erwachten Lebens entgegen. Denn die Verhältnisse lagen auch drückend und zernichtend auf uns. Der eisige Hauch des Despotismus wehte auch uns an und zernichtete manche aufbrechende Blüthenknospe. Wir litten an dem Geiste der Furcht und des Mißtrauens, der Verstellung, der ausgedehntesten Unselbstständigkeit, der submissesten, charakterzernichtenden Unterwürfigkeit, der Nachbeterei und der Nachtreterei. Das Bevormundungssystem, das über uns herrschte, als hätten wir noch nicht gelernt auf eignen Füßen zu stehen, dies entehrende, ich möchte sagen, demoralisirende Bewachen, Beobachten und Kontro- liren, das sich sogar bis in unser Privatleben erstreckte, wird nun aufhören. Mißmuth und Unzufriedenheit hatten ihre scharfen Krallen in unsere Herzen geschlagen, und waren in der Stille gewachsen. Das Alles war ein Giftquell unsäglicher trauriger Folgen für die große Sache der Volks- crziehung -
Di e Pr esse ist frei, die Censur, der Henker des freien Wortes, aufgehoben; Associationsrecht gewährt! Es sind Hesperidenfrüchte, cs sind goldne Gaben! Machet würdigen Gebrauch davon, damit sie uns und der Nation zum Heile gereichen. Versammelt Euch oft. Besprecht Euch über die innern und äußern Zustände des Volksschulwesens. Sprecht Euch offen über Alles aus, wovon die Schule berührt wird. Ohne Schonung und Rückhalt deckt die Mängel und Sünden derselben auf, aber mit Würde, wie es dem Manne geziemt, ohne Exaltation, ohne Uebertreibung. Denn nur die Wahrheit wird uns frei machen. Beweiset, daß Euch die gegebenen Freiheiten nicht bloß Bedürfniß waren, sondern daß Ihr auch derselben würdig seid. Das Alte ist vergangen und kehret nicht wieder. Statt Nullität und Stummheit — Oeffentlichkeit und freie Meinungsäußerung. Drum schweiget nicht mehr; redet sonder Furcht, so wie's Euch um's Herz ist, damit es anders und besser werde.
Gründet eine Kurhessische Volksschulzeitung, ein Centralorgan für das gestimmte Kurhessische Volksschulwesen , in der wir unsere Ansichten und Wünsche nie- derlegen können; die ein Mittelpunkt aller unserer Bestrebungen und Richtungen bildet, und die das Band der Einheit um uns desto fester schlingt. Den rechten Mann für dieses Unternehmen würden wir schon finden. Stehet zu einander wie Ein Mann. Betrachtet Euch als ein großes, organisches Ganze; als Einen Körper, in dem