bereit die Staatsregierung zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit kräftig zu unterstützen. — Hr. v. Baumbach: Eine trübe Zeit liegt hinter uns Besser wäre es gewesen, man hätte die Verfassung -eine Wahrheit werden lassen, so brauchten wir jetzt nicht die Hoffnung zu hegen, daß es geschehe. Das wahre Wohl verträgt sich aber nicht mit Eingriffen in die persönliche Freiheit und des Eigenthums ; das sind Ungesetzlichkeiten, die in wahre Räube- rcien schon ausgeartet sind. Es müssen nunmehr außer- ordentliche Mittel aufgeboten werden, um die hie und da noch gestörte Ruhe wieder herzustellen, und hierzu halte ich eine mobile Kolonne für zweckmäßig, die bald an diesem, bald an jenem Orte erscheint. — Hr. v. M ü n cbbausen: Wie nothwendig solche Maßregeln sind, dazu kann ich offizielle Belege liefern, wie namentlich in den Waldringen mit) mit dem Forstpersonal an manchen Punkten verfahren wird. Ist der Wald zerstört, so ist das auf Jahre ein Nachtheil für die ganze Gegend.
Hr. Lederer: ES haben bedauerliche Aufläufe der Art auch in Oberhessen sich ereignet, die sich an Personen rind an Eigenthum vergriffen haben. Ich erblicke aber auch ein Mittel zur Beruhigung darin, daß man die verhaßten Personen, welche aus bem ehemaligen Polizeistaat noch cristiren und die sich den Haß des Volks zugezogen, rasch versetze — aber rasch muß gehandelt werden. Die verhaßten Beamten müssen weg und die Behörden selbst müssen sich nicht entschuldigen, daß sie noch keine amtliche Mittheilung, etwa vom Kreisbereiter rc. haben. — Hr. Schwarzenberg. Er könne das Gesagte nur unterstützen; cs sei dies auch ein edler Gebrauch, den die Regierung vom vcrfassungs- mäßigen Recht machen müsse. Die jetzige Zeit sei nicht eine Zeit, wo man politische Rache nehmen müsse. Viele von uns haben in der Zeit des Druckes gelitten, aber dennoch wollen wir jetzt vergeben und vergessen, damit die Treue rind die Liebe tiefer Wurzel schlagen — Hr Henkel sprach sich ganz für diese Ansicht aus. Räuber und Diebe müßten weg. Keine Privatleidenschaft darf anffommen. — Hr. Eissengarthen: Ich sehe auch ein Mittel zur Aufrechthaltung der Ordnung und Ruhe darin, daß die Bür- gergarden in den Landgemeinden schnell organisirt werden; sie sind unter der vorigen Regierung gänzlich zri Grunde gerichtet. — Hr. Knobel: Dann muß auch das Bürger- gardengesetz revidirt werden, damit eine Gemeinde der andern zu Hülfe eilen kann. — Hr. Henkel: Das kann provisorisch festgestellt werden, außerordentliche Zeiten verlangen außerordentliche Mittel. — Der Antrag des Hrn. Schwarzenberg ward einstimmig angenommen. Eine Ehre die ihm unseres Wissens noch nie widerfahren. Dr. Landtagskommissar Wippermann. Ich danke für ihren einstimmigen Beschluß, die StaatSregierung zu unterstützen, um die Mittel zur Erhaltung der Ruhe und Ordnung zu ergreifen. Ihr Ausspruch wird nicht ohne Einwirkung bleiben, dafür sorgt unsere Seffentlichfeit, und kräftige Mittel werden angewender werden müssen, da wo Mißbräuche dennoch statt finden. Das was einzelne verehrte Mitglieder hier vorgebracht haben, wird ebenwohl nicht unbenutzt bleiben.
Die Stände gingen zu einer vertraulichen Sitzung über.
Kriges - G'hrouik.
Oestreich, das von Metternich mit zentnerschweren Ketten zum Rückschritt gezwungene Oestreich, erhält eine Verfassung. Oestreich eine konstitutionelle Monarchie! Der Wcltgeist hebt seine Schwingen mächtig! Noch vermögen wir die Geschichte der letzten Wochen nicht zu übersehen. Metternich ist auf der Flucht! Statt des Dresdner Kongresses, wäre es nicht übel, wenn die weggejagten Minister aller Länder eine Besprechung hielten zur Feststellung, wo sie in Zukunft ihre Sünden bereuen wollen. — In Korbach dürfte dies nicht geschehen, denn da ist unser !C. Scheffer erst in diesen Tagen wieder weggejagt unb nach Bergheim geflüchtet. Kaiser Nikolaus hat wohl die Güte und meist ihnen eine Stätte in Sibirien an. Dagegen sind die Nachrichten aus Berlin betrübend.
—' Die Posten sind ausgeblieben, zwei Estaffetten sind dagegen hier eingetroffen. — Die erste brachte die Nachricht, daß der König nach blutigen Stürmen alles bewilligt hat, was die süddeutschen Regierungen bewilligt haben; — die zweite meldet, daß eine zahlreiche Deputation des Stadtraths und Bürgerausschuffes, welcher sich eine ungeheure Volksmenge angeschlossen, zum König sich habe begeben wollen, um eine Dankadresse zu überreichen, aber von der zahlreichen Schloßwache, welche in der Meinung gestanden, man wolle das Palais stürmen, mit einer vollen Ladung empfangen worden, welche viele Tödtungen und Verwundungen veranlaßt habe. Die Wuth des Volks wendete sich gegen das Militär. — Die Kirchen und viele andere Gebäude standen in Flammen.
Kassel, 21. März. Gestern Abend traf unser Ior - dan hier ein. Eine unabsehbare Menschenmenge war ihm entgegen gezogen und eine andere empfing ihn unter donnerndein Applaus auf dem Königsplatze. Jordan hielt eine gediegene zentnerschwere Anrede ans Volk, worin er auf den falschen Liberalismus, des gefährlichsten Feindes für Deutschland, den Republikanismus, hinwieß, und zur gesetzmäßigen Ordnung ermahnte, auch dem Volke die Frage zur Beantwortung stellte, ob man seinen Worten Glauben schenken und Folge leisten wolle? was mit: Ja! beantwortet wurde. — Heute Morgen ist das Jäger- bataillon mit 1 Escadron Husaren nach Oberhessen marschirt.
— Se. Königl. Hoheit der Kurfürst hielt heute große Revue über die Bürgergarde auf dem Friedrichsplatze. Eine unübersehbare Menschenmenge hatte sich als Zuschauer eingefunden. Der Kurfürst an der Spitze des Generalstaabs und sämmtlicher Stabsoffiziere der Garnison, ward mit einem donnernden H o ch von der Bürgergarde empfangen , worin die Zuschauer einftimmten. Se. Königl. Hoheit ritten die Fronte entlang und ließen sodann die Bürgergarde zweimal defiliren. Der Kurfürst trug die große Generaluniform mit dem Band des Hausordens und der weißen Binde am linken Arm! Möge dieser Tag dazu beitragen, daß die Kluft, die bisher zwischen Fürst und Volk war, immer mehr schwinde. Jedenfalls liefert er den Beweis, daß auch die größte Staatsuniform sich mit der weißen Binde vereinigen läßt und so ihre wahre Bedeutung erhält!
Kassel. — Verantwortlicher Redacteur und Verleger: S. Hahndorf. — Druck der Estienne'schen Buchdruckcrer: