Einzelbild herunterladen
 

12

benutzung von Seiten der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn gegen eine jährliche Abgabe überlassen solle. Auch wäre es bei dieser Gelegenheit Zeit, auf eine Revision der Sta­tuten anzutragen.

9) Bei jeder Gelegenheit treten unsere Frauen an die Spitze, wo milde Gaben zu sammeln und auszutheilen sind. Es ist ein notorisches Factum, wie sehr die Sucht nach importirten Sachen, z. B. Möbeln, Kleidungsstücken rc. eingerissen ist. Mögen dieselben ihren Einfluß jetzt dahin ausüben, daß einheimische Arbeit der fremden vorgezogen werde.

10) Das öffentliche und mündliche Verfahren des Aus- bietens an den Mindcstfordernden darf nie wieder vorkom­men, und bringt nur Proletarier hervor.

11) Ist es eine Frage, ob die Messen und Jahrmärkte uns Vortheil bringen oder nicht.

12) Alle Korporationen rc., z. B. Eisenbahnen, müssen all ihr Benöthigtes im Jnlande fabriziren lassen, soweit die Natur der Sache dieses zuläßt.

13) Der Staat darf nicht selbst Gewerbe treiben, z. B. Dielenhandel.

14) Ist es wünschenswert!), daß fremden Kapitalisten die Aufnahme in den Unterthanenverband so leicht als möglich gemacht werde.

15) Müßte Se. Königl. Hoheit der Kurfürst unterthä- nigst ersucht werden, Alles hier anfertigen zu lassen, um auf diese Weise mit einem guten Beispiel voran zu gehen.

16) Beim Vergeben der größeren Arbeiten müßte mit der gehörigen Umsicht zu Werke gegangen werden, damit nicht Einer Alles und der Andere gar nichts erhält.

17) Ausbau der Katlenburg oder Abreißen derselben, insofern sich dieses mit dem Fideicommis vereinigt.

Worauf auf Vorschlag des Hrn. Henkel beschlossen ward, alle diese Punkte den einzelnen Zünften zur Begut­achtung zu übergeben und nachdem diese zurückgelangt sein werden, die weiteren nöthigen Schritte zu berathen und gehörigen Orts anzubringen und zu verfolgen. Hr. Grün brachte noch die Revision der Zunftordnung in Vorschlag. Hr. Henkel setzte auseinander, daß es zwei Haltpunkte gebe, welche den gesunkenen Gewerbstand heben und Ge- meinsinn wieder herstellen könnten, und das wären: Frei­heit und Liebe. Freiheit, damit die hemmenden Fesseln fielen, welche allenthalben anhingen, und Liebe, damit Einer den Andern auf alle Weise unterstütze. Diese Ge­sinnungen möchte ein Jeder mit nach Hause nehmen und zu verbreiten suchen. — Die Haltung der ganzen Versamm­lung war im höchsten Grade würdig. Die angeregten Fra­gen werden Stoff genug für die Diskussion geben.

Kassel, vom 17. — Hr. Wippermann ist ^nun­mehr als Referent im Ministerium und zum Landtags- kommiffar bestellt worden. Wir erwarten in aller Kürze ein Programm unserer dermaligen Minister, worin sie offen und unumwunden dem Lande ihr politisches Glaubensbe­kenntniß vorlegen. — Heute hatte sich wie ein Lauffeuer in der Stadt die Nachricht verbreitet, der Exministerialvor- stand Scheffer sei hier und suche das helle Wasser wieder zu trüben. Die angestellten Nachforschungen ergaben, daß

er hier gewesen und seine Kinder hergebracht habe, aber wieder abgereist sei. Der öffentlichen Ruhe wegen wollen wir dem Herrn den wohlgemeinten Rath geben, so lange die Landluft zu genießen, bis wir ihn durch diese Blätter einladen, hierherzukommen. — Das Schützenbataillon und 100 Husaren sind heute in Eilmärschen nach der Herrschaft Schmalkalden gezogen, wo bedauerliche Ercesse vorgefallen sind. — Eben so sind in Rotenburg Unordnungen vorge- fallen, die sich mit einer gesetzlichen Freiheit nicht vertragen.

Bekanntmachungen.

3. Mittwoch den 22. d. M. soll eine Besprechung zur Gründung eines

Männer - Turnvereins in dem Saale des Bierbrauers Hrn. Weil in der obern Carlsstraße Statt finden. Freunde des Turnwesens werden hiermit eingeladen, am genannten Tage, Abends 6 Uhr, sich dort einzusinden.

4. So eben sind erschienen :

Bürger ist jeder Sohn / Gedicht

von Wolfgang Müller , romponirt von

G. Ebert.

He ssenl and.

Gedicht von Dr. K. F. H. Strass, romponirt von J. N. Endter.

Zwei Volkslieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianosorte, allen Freunden des theuern Vaterlandes gewidmet.

Preis in eleg. Notenstich a 2| Sgr.

Diese beiden , sowohl in Gedichtform als Composition vorzüglich gelungenen Lieder werden jeden Gesangfrennd berühren, die Liebe zu Fürst und Vaterland kräftigen und unsern deutschen Mitbrüdern die edlen Gesinnungen des bra­ven Hessenvolkes auts Neue bekunden. Um dieselben zu wirklichen Volksliedern zu machen, haben die rühmlichst bekannten Componisten solche auch für Männerchöre einge­richtet , worauf ich alle Gesangvereine und Liedertafeln mit der freundlichen Bitte aufmerksam mache, sich deren baldige Einüburg angelegen sein zu lassen. Zur grösseren Würdigung und Verbreitung wäre es sehr zu wünschen , dass sämmt­liche Musikchöre des Landes diese Melodien arrangirten und einstudirten und dass solche von denselben bei allen passen­den Gelegenheiten vorgetragen würden.

Cassel im März 1848.

C. Luckhardt.

Musikalien-Handlung.

3- Tuvntrelle

empfiehlt J. M. Lindenfeld, oberste Gasse Nr. 35.

G5r* Bis die Einrichtungen für die Ueberlieferung der Blatter in hiesiger Stadt gehörig geordnet sind, bitten wir unsere verehrlichen Abonnenten, die ersten Nummern Diensttag, Donnerstag und Sonn­abend, Nachmittags von 5 Uhr an, entweder in der Estienne'schen Buchdruckerei, Hedwigstraße Nr. 994, oder vor der Schlacht Nr. 442 in der ersten Etage, oder auch in der Luckhardt'sche» Buchhandlung in der Mittelgasse oder in der Seehof'schen Schreibmaterialienhandlung, Paulistraße Nr. 795, ^bholen zu lassen, damit keine Unterbrechung eintritt.

Kassel. — Verantwortlicher Redacteur und Verleger: S. Hahndorf. — Druck der Estienne'schen Buchdruckeret.