Einzelbild herunterladen
 

3

wohnt, hier mitzuwirken, aber ich rechne auf ihre Nach­sicht, indem ich den guten Willen zu erkennen gebe, daß es zu Verbesserungen im constitutionellen Sinne von mei­ner Seite nicht fehlen soll.

Die Abgeordneten Reutzel und Wagner haben auf Einberufung ihrer Stellvertretre angetragen. Da der Stell­vertreter des ersteren aber auch schon verzichtet hat, so wird eine neue Wahl Statt finden müssen. Wir schlagen hierzu ^unumgänglich vor, daß die Wahl der Art geleitet werde, daß das Standesprinzip nothwendig zur Sprache komme.

Hr. Präs. v. Trott. In die Ständeversammlung sind dermalen so viele neue Mitglieder eingetreten und stehen auch noch solche Eintritte bevor, daß voraussichtlich die Wahl des Präsidiums und der Ausschüsse anders ausfallen werde, als sie ist. Deswegen lege ich das Präsidium nie­der und werde nur so lange am Platze bleiben, bis die Stelle anderweitig besetzt sein wird. — Hr. Nebelthau stimmte dem bei. Es sei ein durchgreifender Personenwechsel eingetreten, so daß eigentlich eine Auflösung hätte eintre­ten müssen, allein überwiegende Interessen hätten es noth­wendig gemacht, alsbald die Ständeversammlung zum Beistand der Negierung vorhanden zu sehn, damit die Zu­sicherungen des Landesherrn einzulösen seien; hierzu aber die Zeit dränge. Mit dem Herrn Präsidenten erblicke er ein Mittel darin andere Candidaten zum Präsidium vor­zuschlagen. Bleiben werde er so lange auf seinem Platze, bis die Nachfolger ernannt seien. Sobald dies geschehen, würde er einen weiteren Antrag, seine Person betreffend, stellen. — Man beschloß sowohl ein neues Präsidium als auch neue Ausschüsse zu wählen. — Hr. Henkel be­gründete alsdann sofort einen Antrag auf Abänderung meh­rerer Bestimmungen der Geschäftsordnung. Namentlich 1) daß einfache Anfragen und Erinnerungen nicht mehr als selbstständige Anträge behandelt werden sollen; 2) daß die Berichte den Deputaten wenigstens fünffach zur Verthei- lung zugestellt werden; 3) das Institut der Stenographen wieder vollständig zu bestellen; 4) den Druck der Verhand­lungen zu beschleunigen; 5) daß die selbstständigen Anträge in öffentlicher Sitzung begründet werden; 6) geheime Sitzung nur bei Sonderinteressen statt finden. 1— Hr. Knobel hielt es für zweckmäßig, einen Ausschuß zu beauftragen die ganze Geschäftsordnung zu revidiren. — Hr. Schwar­zenberg meinte beide Anträge ließen sich vereinigen — Hr. Nebelthau sprach sich für die Ansicht des Hrn. Knobel aus. Beide Anträge wurden genehmigt.

Hr. Pfeiffer begründete sodann einen selbstständigen Antrag des Inhalts, den Exminister v. Motz und den Ex- ministerialvorstand Scheffer, ersteren wegen Verschleuderung des Staatsvermögens, namentlich bei Abschließung der An­leihe zum Baue der Eisenbahn und den Verkauf der Do- maine Wilhelmsthal, und letzteren wegen Beschränkung der Religionsfreiheit, Eingriff in die Wahlen durch Ver­sprechungen und Drohungen, Erhebung von frivolen An­klagen, Anstellung von Staatsdienern ohne Prüfung und Vorschlag der vorgesetzten Behörde, in Anklage zu setzen und in persönliche Haft zu bringen. — Hr. Wipp er­mann erklärte sich aus formellen Gründen für die Erwä­gung des Antrags, weil Alles, was hier vorgebracht werde, zu prüfen sei. — Der Antrag ward dem Rechtspflege- Ausfchuß zur Begutachtung übergeben.

Die öffentliche Sitzung ward geschlossen und in der

geheimen Sitzung schritt man zur Wahl der Candidaten für das Präsidium. Sie fiel auf die HH. Wippermann mit 30 Stimmen, Henkel, Bergk und Schwarzenberg jeder mit 22 Stimmen.

An die Bürger Änrheffens.

In den Tagen der Gefahr hat uns das gemeinsame Wirken zusammen gehalten, hat uns die Einigkeit und Be­harrlichkeit auf den Standpunkt gebracht, auf welchen wir nun stehen. Das Volk ist reif, mündig erklärt worden. Jetzt ist es aber an der Zeit, daß wir nicht blos Gebrauch von dèr erlangten Freiheit der Presse durch schriftliches Bespre­chen machen, sondern auch daß wir durch mündliche Vor­träge uns in der gesetzlichen Freiheit immer mehr befestigen, ermutigen und erstarken. Wir hoffen, daß das allenthal­ben eingesehen wird, daß es durchaus nothwendig ist, daß wir aus der Schlaffheit aufwachen, daß wir nunmehr auch Männerschulen bilden, wo Einige es übernehmen, durch mündliche Vorträge mit den Pflichten und den Rechten eines freien Mannes bekannt zu machen. Nur der, welcher weiß, was er darf, was er soll, der ist frei, der stößt nicht an gegen gesetzliche Bestimmungen, die man sonst gegen ihn anwenden konnte. Keck muß jeder Bürger ei­nem Beamteten sagen kännen, das darfst du mir gebieten und das nicht, ich weise dich in die Grenzen des Gesetzes zurück. Da muß es hinkommen, nur dann können wir einen Zustand erhalten, der die gesetzliche Freiheit begrün­det. Auf dann! wer Muth und Kraft dazu in sich fühlt, auf dann, Vorwärts! nicht gezaudert. Rasch muß unser Streben sein, und laßt uns aus den vergangenen Jahren etwas gelernt haben. Laßt uns mit allen Verbesserungen, sie mögen Namen haben welche sie wollen, diesmal das umgekehrte Verhältniß eintreten lassen, als im Jahr 1831. Diesmal müssen alle Verbesserungen von Unten nach Oben vorgenemmen werden, damit ein starkes, tüchtiges, halt­bares Gebäude erstehe. Auf dann, ihr Bürger, laßt uns Vereine zur eignen Belehrung und zur Besprechung dessen, was uns Noth thut, begründen. Leider, leider gibts noch gar Vieles, was Noth thut, aber grade um deswillen Vorwärts! — Vorwärts! du lang gedrückter und unter- minirter Gewerbstand; erhebe dich, bespreche und berathe deine Angelegenheiten auch, suche selbst Mittel und Wege anzugeben, wie dir zu helfen, denn wer sich selbst hilft, dem wird auch Gott helfen!

Tages - Chronik.

Kassel. Vor allen Dingen müssen wir den Artikel im gestrigen Frankfurter Journal, die Aussagen eines Rei­senden betreffend, der Kassel am 11. d. M. verlassen ha­ben will, kurz weg für unwahr erklären. Es ist hier kein Pflaster aufgerissen, und noch weniger sind die Fen­ster am Palais eingeworfen worden. Wir haben überhaupt nur solche Pflaster aufgerissen, welche man uns auf den Mund und die Magengegend gelegt hatte. Am Palais ist auch nicht der geringste Exceß verübt. Unsere Blousen- mânner haben sich eben so achtungswerth gezeigt, als die französischen, und wenn sie hie und da einmal über die Schnur hauten^ so war nur die Leitung Schuld.