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Blätter

des nationalen Vereines für DentschLamh,

veröffentlicht durch den Vorort dieses Vereines.

KsPe TM. Cassel, den 9. Juni. MGMA.

Diese Blätter erscheinen wöchentlich ein Mal, Sonnabends, einen halben Bogen stark. Beilagen werden nach Bedürfniß beige« fügt. Der Abonnementspreis beträgt 7% Sgr. für das Quartal, wofür alle Kurhessischen Postämter sowie alle Buchhandlungen ohne Preiserhöhung Bestellungen annehmen. Bei den übrigen Postämtern wird nur ein geringer Aufschlag berechnet werden. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Naum mit 1 Sgr. berechnet.

Rundschreiben an sämmtliche verbundenen Vereine.

Die öffentlichen Verhältnisse des deutschen Vaterlandes sind bekanntlich durch eine Reihe von rasch auf einander folgenden Ereignissen in einen Zustand der äußersten Ver­wirrung, Haltlosigkeit und Zerfahrenheit gerathen.

Je großer die Gefahren sind, welche aus diesem Zu­stande dem Vaterlands schon in kürzester Frist hervorzu­gehen drohen, desto drängender tritt an jeden seiner Bür­ger, tritt insbesondere an den nationalen Verein, die ernste Pflicht heran, sich dichter und inniger um das Ban­ner zu schaarcn, welches er für die Einheit, Freiheit, Macht und Wohlfahrt der Nation seit seinem Bestehen er­hoben hat. Zur Ausführung dieser heiligen Pflicht hatte der nationale Verein seinen Satzungen das Programm zu Grunde gelegt, welches ihn zur unbedingten Anerkennung, zur Unterstützung und Durchführung der Beschlüsse der deutschen Nationalversammlung, insbesondere der von ihr zu beschließenden und jetzt beschlossenen deutschen Verfas­sung, verpflichtet. Der nationale Verein ist diesem seinem Programme in guten und schlimmen Tagen treu geblieben. Er hat, soweit es in seinen Kräften stand, nichts ver­säumt, um sowohl die Beschlüsse der deutschen National­versammlung zum Vesten der Nation bestimmen zu helfen, als ihnen, sobald sie gefaßt waren, allenthalben Geltung zu verschaffen. Auch nachdem die Nationalversammlung die Verfassung vollendet hatte, ist vom nationalen Verein seinerseits Alles geschehen, um die Einführung dieser Ver­fassung zu befördern , und sie gegen die erfolgten Angriffe, soweit er es vermochte, zu beschützen. Die Wucht dieser von verschiedenen Seiten unternommenen Angriffe ist aber

bereits so gewaltig geworden, und die Natur des Kampfes, welcher aus Anlaß der Verfassungsfrage in deutschen Landen entbrannt ist, hat einen soweit über die Grenzen dieser Frage hinausgehenden Charakter angenommen, daß, bei der bereits erfolgten oder doch jeden Tag bevorstehenden, gänzlichen Auflösung des organischen Mittelpunktes für die deutsche Verfassungspartei, sich der Vorort des nationalen Vereins das Unzureichende dessen Programmes für eine gedeihliche Wirksamkeit in den gegenwärtigen Verhältnissen nicht länger hat verbergen können.

Es mußte für ihn die Frage entstehen, ob der natio­nale Verein als solcher, indem er sich auf die innerhalb seines bisherigen Programmes liegenden Handlungen be­schränkte, auf einer in dem gegenwärtigen Kampfe augen­blicklich für die Einheit, Freiheit, Macht und Wohlfahrt des Volkes vielfach unnützen Stellung verharren solle, oder ob er an diesem Kampfe auch nach anderer Richtung hin Theil zu nehmen die Verpflichtung fühle.

Hierbei mußte sich ihm insbesondere die Frage auf­drängen: ob und inwiefern der nationale Verein, nachdem die von der Nationalversammlung endgültig beschlossene Reichsverfassung von drei der mächtigsten Bundesregierun­gen zurückgewiesen, und ein neuer, davon in vielen we­sentlichen Punkten abweichender, Entwurf an deren Stelle gesetzt; nachdem auch dieser Entwurf die vorläufige Zustim­mung mehrerer der übrigen Regierungen, welche die Reichsverfassung, wie sie von der Nationalversammlung ausgegangen war, ausdrücklich anerkannt hatten, bereits erhalten hat, und nun schon in allen Zeitblättern, selbst in den gediegensten Organen der öffentlichen Meinung, ganz offen die Frage von der Zweckmäßigkeit des neuen Entwurfs, und von den Mitteln, auf dem einen oder