Einzelbild herunterladen
 

Blätter des nationalen Vereines Mr Dentschland, veröffentlicht durch den Vorort dieses Vereines.

Wr. SS Cassel, den 26. Mai. 1849.

Diese Blätter erscheinen wöchentlich ein Mal, Sonnabends, einen halben Bogen stark. Beilagen werden nach Bedürfniß beige-- fügt. Der Abonnementspreis beträgt 7% Sgr. für das Quartal, wofür alle Kurhessischen Postämter sowie alle Buchhandlungen ohne Preiserhöhung Bestellungen annehmen. Bei den übrigen Postämtern wird nur ein geringer Aufschlag berechnet werden. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.

Nachtrag zu dem Berichte über den Statt gehabten Congreß.

Dem in der vorigen Nummer enthaltenen Berichte muß noch hinzugefügt werden, daß der deutsche Volksverein zu O l d e n b u r g auf die Aufforderung zum Congreffe erklärt hat, von der Beschickung desselben nur durch den verspäteten Em­pfang des Aufrufs abgehalten worden zu sein. Auch der politische Verein zu Weimar hat sich dahin ausgespro­chen, ohne Beschickung des Congresies, doch dessen Be­schlüsse, welche die Durchführung der deutschen Verfassung im Einklänge mit der Nationalversammlung bezweckten, zu den (einigen zu machen.

Bericht an den Borort des nationalen Vereins über den zu Frankfurt am 14. und 15. Mai abge- Haltenen Congreß.

Vom Vorort des nationalen Vereins für Deutschland nach Frankfurt a. M. gesandt, um an den Verhandlungen des auf den 14. Mai d. J. ausgeschriebenen Congreffes Theil zu nehmen, habe ich mich diesem ehrenvollen Auf­trage nach Maaßgabe der mir gewordenen allgemeinen In­struktionen unterzogen und halte mich nunmehr für ver- pflichtet, über die Verhandlungen und Ergebnisse des Con- gresses meinem Vollmachtgeber Rechenschaft abzulegen.

Ueber den äußerlichen Verlauf der Verhandlungen, über die Zahl und die Namen der Theilnehmer, sowie über die wörtliche Mittheilung der gefaßten Beschlüsse, glaube

ich mit Hinweisung auf den bereits in die Vereinsblätter aufgenommenen, unter meiner Mitwirkung entstandenen protokollarischen Bericht hier hinweggehen zu dürfen. Meine Aufgabe kann es nur sein, die Verhältnisse, unter denen diese Verhandlungen und Beschlüsse erfolgten, ihre innere Entstehungsgeschichte, ihre Absicht und Bedeu­tung, nach gewissenhafter Ueberzeugung darzustellen.

Hieraus wird sich dann von selbst die Stellung erge ben, welche der nationale Verein im Sinne jener Congreß- beschlüsse zu den wogenden und schwankenden Ereignissen der Gegenwart meines Erachtens einzunehmen hat.

Die Gefahren, in welche sich das Vaterland plötzlich gestürzt sieht, und welche den Vorort am 4. März veran­laßten, den außerordentlichen Congreß zu berufen, sind bekanntlich aus dem fortgesetzten Widerstände vier könig­licher Regierungen gegen die deutsche Reichsverfassung er­wachsen.

Die allen constitutionellen Grundsätzen widerstrebende Art und Weise dieses Widerstandes, die Reihe von Staats­streichen, zu denen er die gegen den Willen ihrer Völker renitenten Regierungen hingerissen hat, und, ihnen gegen­über die sehr ungleichartig wachsenden, an verschiedenen Punkten Deutschlands ihre Grenzen weit überfluthenden, Bewegungen des Volkes, hatten bei dem gänzlichen Mangel einer organisirten, entschlossenen und ausreichenden Macht, welche zwischen Beiden gestanden hätte, die Lage der Dinge sehr bald bis zur äußersten Verwirrung und Rathlosigkeit gesteigert.

Unb gerade an dem Orte, von welchem allein eine gedeihliche Lösung ausgehen konnte, zu Frankfurt a. M., am Sitz der Centralgewalt und der Reichsversammlung, an dem vereinigenden Mittelpunkte der verfassungtreuen,