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Stimme; ermüdet nicht in gesetzlichem Kampfe für Deutschlands Einheit, Freiheit und Ehre, für die Reichsver- faffung.
Euer Wahlspruch, Preußen, aus dem Jahre 1813, er lautete „Vorwärts" und führte zum Siege; vorwärts im gesetzlichen Kampfe sei auch heute Euer Ruf und Eure That.
Durch alle Gauen des deutschen Vaterlandes erschalle es, hier allweg die Reichsverfassung, hierfür allweg gut Würtemberg!"
Anlage A.
Hohe Nationalversammlung!
Wir die sämmtlichen politischen Vereine eines deutschen Landes, verschieden in unseren Ansichten, aber gleich in der Liebe für Freiheit und Vaterland, haben uns, dem Beispiele unserer Vertreter in Frankfurt folgend, brüderlich die Hand gereicht und erklären einstimmig:
Die Nationalversammlung in Frankfurt ist allein berufen und berechtigt, dem deutschen Volke eine Verfassung zu geben.
Die Verfassung ist von der Nationalversammlung vollendet, und dadurch das Grundgesetz des deutschen Volkes geworden.
Weder Fürst noch sonst wer hat das Recht, auch nur einen Buchstaben eigenmächtig zu verändern; nur auf dem in der Verfassung vorgeschriebenen Wege kann die Verfassung geändert werden.
Das deutsche Volk zählt auf die unerschütterliche Festigkeit seiner Vertreter, und ist zur Vertheidigung seiner Rechte bereit.
Anlage 13.
Deutsche Männer! die Reichsverfassung ist rechtsgültig verkündet, sie ist Gesetz, und jeder Einzelne, der seine Sondergelüste dem Gesammtwillen entgegenzusetzen wagt, vergeht sich gegen das Gesetz, wer dies mit Gewalt versucht, ist Rebell. Zunächst ist es nun an Euch, Ihr Brüder in den deutschen Ländern, deren Fürsten die Erklärung der unbedingten Unterwerfung unter die Reichs- verfassung verweigern, durch die kräftige und entschiedene
Kundgebung Eures übereinstimmenden Willens ihnen eine solche abzuringen. Die hochherzigen Würtemberger, die den Dank des Vaterlandes verdienen, haben Euch ein Nachahmungswerthes Beispiel gegeben. Sollte aber in rebellischer Weise Gewalt gegen Euch gebraucht werden, dann werdet Ihr zu widerstehen wissen. Dann ist aber auch das ganze deutsche Volk in seinem Rechte, seiner Würde und Hoheit, bedroht und verletzt, es kann und wird nicht dulden, daß seine Nationalversammlung, die Trägerin seiner Souveränetät, zu einer Vorschlagscommission herabgewürdigt werde; es kann und wird nicht dulden, daß Brüder deshalb angegriffen werden, weil sie sich dem widersetzen; das ganze deutsche Volk muß und wird sich wie ein Mann erheben, zu stützen die von ihm selbst erwählte Nationalversammlung, zu schützen seine Reichsver- fassung. Hierzu muß es sich aber vorbereiten; es muß gerüstet sein für jeden Fall, denn das alte Sprichwort sagt: „Wenn du den Frieden willst, so rüste dich zum Kriege." Darum ist es nothwendig, daß überall und in allen Gauen des Vaterlandes solche Vorbereitungen getroffen , solche Rüstungen vorgenommen werden. Und wir in Hanau, denen in den Tagen der Gefahr unsere Brüder von Nah und Fern bereitwillig ihre Hülfe zugesagt, wir halten uns zu Gleichem verpflichtet. Darum Mitbürger in Stadt und Land, laßt uns zum Zwecke der Unterstützung vollständiger Durchführung der Reichsverfassung mit dem Neichswahlgesetze, die Errichtung eines bewaffneten Corps so weit vorbereiten, daß cs im Stande sei, im eintretenden Falle, vereint mit den Schaaren der übrigen dentschen Gauen, augenblicklich für jene Zwecke thätig zu werden. Hierbei müssen alle Parteizwecke in den Hintergrund treten; wir Alle schaaren uns unter eine Fahne, unsere Reichsverfassung; unsere eine Losung ist: die Freiheit und die Einheit des Vaterlandes. Wirket daher alle mit, die Ihr bereit seid, die Waffen für diese hohen Zwecke zu ergreifen, die Ihr dies große Werk durch Geldbeiträge oder Verabreichung von Waffen zu unterstützen gedenkt. Das Vaterland ruft alle seine Kinder, eilt herbei, das gerettete Vaterland wird Euer schönster Lohn sein!
In meinem Verlage ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen:
Fingerzeige
für alle deutschen Ständevcrsummlungcn
von Dr. V. W. Pfeiffer,
Kurf. Hess. Obcr-Appellationsrath a. D.
Octav. broch. Preis 12 Sgr.
Cassel im Mai 1849. H. Hotop.
Herausgegeben, verlegt und gedruckt von Heinrich Hotop in Cassel.