Blätter
des NâtiVRAlKU Vereines für DeAtschlMUh,
veröffentlicht
durch den Vorort dieses Vereines.
IVr. Sv. Cassel, den 12. Mai. 1849.
Diese Blätter erscheinen wöchentlich ein Mal, Sonnabends, einen halben Bogen stark. Beilagen werden nach Bedürfniß beigefügt. Der Abonnementspreis beträgt 7% Sgr. für das Quartal, wofür alle Kurhessischen Postämter sowie alle Buchhandlungen ohne Preiserhöhung Bestellungen annehmen. Bei den übrigen Postämtern wird nur ein geringer Aufschlag berechnet werden. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.
Rundschreiben an sämmtliche verbundenen Vereine.
Mit Beziehung auf die in der vorigen Nummer enthaltene Berufung eines nationalen Congreffes, zu Frankfurt am 14. d. M., theilen wir Ihnen vorläufig mit, daß die weiter zugesagte Ankündigung den Frankfurter Blättern zur Aufnahme zeitig zugesandt worden ist, und daß wir die Verhandlungen und Beschlußnahmen des Congres- ses in der nächsten Nummer zu Ihrer Kenntniß bringen werden.
Cassel, den 11. Mai 1849.
Namens des Vororts des nationalen Vereins: Der Vorsitzende Dr. B. W. Pfeiffer.
Weibezahn, Schriftführer.
Das Preußische Ministerium.
Die unheilvolle Saat, welche das Preußische Ministerium am 28. v. M. ausgesäet hat, ist bereits blutig aufgegangen; „Dresden" und „Leipzig" werden fortan den Lorbeerkranz dieses Ministeriums in gleicher Weise zieren, wie den der Preußischen Armee „Jena" und „Auerstädt". Doch dieses werden nicht die letzten Rubinen sein, welche die kunstfertige Hand eines Brandenburg in das Preußische Diadem einfügt. Wir sagen leider, da wir uns von derartigen Erhebungen kein Heil für die deutsche Sache versprechen können; namentlich von Erhebungen, bei denen die rothen Fahnen zur Genüge darthun, daß die Anerkennung der Deutschen Verfassung nicht als Preis
des Kampfes betrachtet worden sei. Bevor der Vorhang über diese Trauerscenen herniederfällt, muß noch mit Anerkennung des Wirkens der Führer des Deutschen Vereins zu Leipzig gedacht werden, welche, treu dem Ziele unseres gemeinsamen Strebens, den rohen Ausbrüchen des verblendeten Radicalismus energisch entgegengetreten sind.
Es ist schon häufig in diesen Blättern ausgesprochen worden, und kann nicht oft genug wiederholt werden, daß weder in Dresden, noch in München und Hannover, die Einheit Deutschlands, auf Grund der von der National- versammlung endgültig festgestellten Verfassung, errungen werden wird; nur in Berlin, nur durch das Verhalten des Preußischen Volks wird das Schicksal unseres Vaterlandes für alle Zukunft entschieden. Aus eben diesem Grunde buchen wir alles Unheil, was in den nächsten Wochen, vielleicht auch Monden, über die deutschen Gauen noch kommen wird, auf den Namen Brandenburg-Manteuffel; die Schlußabrechnung bleibe der Zukunft vorbehalten.
Preußens Volk möge aber nicht vergessen, daß die Firma Brandenburg-Manteuffel noch immer mit frecher Stirn behauptet, von den „Besten und Wohlgesinnten" in Preußen Procura zu haben; es möge daher, wie am Rhein, in der Provinz Sachsen, und in Schlesien, bereits geschieht, fortfahren, sich von der Verantwortlichkeit für die Handlungen seines Ministeriums feierlich loszufagen. Das beharrliche » ceterum censeo etc.« eines Einzelnen führte einst den Untergang der Stadt Carthago herbei; sollte das eines ganzen Volkes nicht einige unbeugsame Minister zum Abtreten zwingen können?
Kassel, den 11. Mai 1846. z.