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haben die Reichsverfassung anerkannt. Die Könige $au-- dern; sie drohen den Bürgerkrieg über uns zu bringen, indem sie sich über den Willen der Nation setzen. Diese wird siegen, wenn sie es will! Es ist Zeit, daß sie massenhaft erkläre: sie wolle. Vielleicht läßt sich der Sturm dadurch noch beschwören, der unser Vaterland roth zu färben droht. Mitbürger aller Meinungen, wenn Euch das Heil des Vaterlandes, die Ehre der Nation, Eure Güter und Familien lieb sind, so erhebt Eure Stimmen jetzo und ruft einmüthig: daß ihr zu der Nationalver­sammlung stehen wollt, und zu der Verfassung, die sie uns gegeben hat."

In ruhiger gehaltenem Style hat der patriotische Verein zu Bremen in einer Adresse an die Nationalversamm­lung die, näher motivirte, Ueberzeugung ausgesprochen: Deutschland, soll es, dem Willen der Nation gemäß, zu dem in sich geschlossenen, starken, einigen, Bundesstaate sich erheben, bedarf einer, auf freie Verfassung zu be­gründenden, einzigen, erblichen, Centralgewalt." Bemerkenswerth ist insonderheit der Schlußsatz der Adresse: Diese feste Ueberzeugung von dem, was unserem gelieb­ten Vaterlande Noth thut, und die warme Hingehung, mit welcher Bremens Bewohner demselben immerdar an­gehangen haben, machen es den Unterzeichneten zur Pflicht, sich mit dieser Erklärung den laut ausgesprochenen Wünschen und Hoffnungen der Nation anzuschließen. Wir schließen uns damit zugleich dem hochherzigen Manne an der Spitze des Reichsministeriums an, welcher die Richt­schnur seines Handelns in der Erklärung niedergelegt hat, daß das mit der von der constituirenden Reichsversamm­lung eingenommenen Stellung unverträgliche Vercinbarungs- prinzip bezüglich des Verfassungswerkes entschieden zurück­gewiesen werden müsse. Vertreter des deutschen Volks, das Vaterland erwartet von Ihnen seine Größe, seine Selbstständigkeit, seine Zukunft. Möge Gott Ihrem Willen das Vollbringen geben!"

So eben kommt uns noch, kurz vor dem Schlüsse dieses Blattes, von Mannheim ein Aufruf des Vororts der vaterländischen Vereine Badens an das preußische Volk zu, im Wesentlichen folgenden Inhalts:

Deutsche Brüder!

Die Würfel sind gefallen. Jetzt gilt es oder nie! Darum wenden wir uns an euch in diesen entscheiden­den Tagen und rufen euch auf zur Rettung des Vater­landes.

Deutsche Brüder in Preußen ! Denket an jenes schmach­

volle Jahr 1806, wo in Folge einer unseligen Politik Preußen durch unfähige oder verkaufte Rathgeber der tiefsten Schande preisgegeben wurde, und der König mit seinem treuen Volke voll bitteren Grolles im Busen den übermüthigen Hohn des fremden Eroberers ertragen mußte. Denket dann jenes herrlichen, unvergeßliche» Jahres 1813, in welchem der König an sein Volk sich wandte und im Vertrauen auf dieses Volk einen Kampf wagte, dessen Ausgang sehr zweifelhaft war. Damals war es das preußische Volk, die preußische Landwehr, welche dem Könige seine geschmälerte, durch den Glanz des fremden Machthabers fast verdunkelte, Krone wieder eroberte, und er bedachte sich nicht, sic aus seines Volkes Händen an­zunehmen. Damals schon hätten sich Preußens Geschicke erfüllt, wenn nicht Diplomaten verdorben hätten, was der alte Marschall Vorwärts mit seinen braven Landwehr­männern gut gemacht hatte. An euch, ihr Preußen, ist es nun, zu verhindern, daß das deutsche Volk, mit dem ihr stehet oder fallet, nicht zum zweiten Male um die Früchte einer herrlichen Erhebung gebracht werde. Folget auch jetzt wieder mit Muth und Entschlossenheit eurem Marschall Vorwärts! Diesmal ist es nicht ein Heldengreis, der sein Jugendfeuer in die Herzen seiner jungen Krieger hinüberströmen läßt, es ist ein treuer, edler, kräftiger Bruderstamni, das tapfere Schwabenvolk, das euch voran­ging im Kampfe um die edelsten Gitter, des Vaterlandes Einheit, Macht und Größe. Wie cs einst auf hundert Schlachtfeldern, wo die vereinigte Kraft deutscher Stämme aus Nord und Süd ihre Schlachten schlug, das Reichs­banner, seit Ca»l der Große es seinen wackern Händen anvertraute, mit Ruhm vorangetragen hatte, so hat es auch jetzt einen glänzenden Sieg mit besonnener Mäßigung erfochten, und übergießt nun Euch mit edler Selbstver­leugnung dieselbe Fahne, damit ihr sie hinfort zum Sieg und Ruhme traget. So ergreift denn das schwarz-roth- goldene Reichspanier, und vergesset nicht, daß auch eure Landesfarben zuerst von deutschen Rittern an die Ufer der Ostsee getragen wurden, als Zeichen deutscher Macht und deutscher Sitte. Darum vorwärts! Das Vaterland hofft auf euch. Machet nicht, daß es einst fluchen muß, wo es segnen mochte!

Zn meinem Verlage ist erschienen und durch alle Buchhand­lungen zu beziehen:

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von Dr. B. W. Pfeiffer,

Kurf. Hess. ObcoAppellati'onsrath a. D.

Octav. broch. Preis 12 Sgr.

Cassel im Mai 1849. H. Hotop.

Hcrausgegeben, verlegt und gedruckt von Heinrich Hotop in Cassel.