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Von der größten Wichtigkeit und von entscheidender Bedeutung ihrem Inhalte und Urheber nach sind dagegen Lie preußischen Noten vom 28. v. M., in welchen die Annahme der Kaiserkrone abgelehnt, von der deutschen Nationalversammlung die Abänderung der von ihr endgültig festgeftellten Verfassung begehrt, und für den Weigerungsfall Gewalts-Maßregeln gegen sie und ihre Anhänger angedroht, auch die Octroyirung einer von Bevollmächtigten der deutschen Fürsten zu beschließenden Verfassung in Aussicht gestellt wird.
Das preußische Cabinet hat nunmehr den Rubicon überschritten, es hat die Fackel des Bürgerkriegs muth- willig angezündet, von der man noch nicht weiß, ob sie, nach vollbrachter Verwüstung des Vaterlandes, in dem Maine oder in der Spree wieder gelöscht werden wird. Wir sagen muthwillig, denn die vom preußischen Cabinet begehrten Abänderungen der Verfassung sind nicht von der Bedeutung, um ihretwegen Alles auf das Spiel zu setzen. Für einen wirklichen Staatsmann, welcher mit parlamentarischen Majoritäten zu regieren pflegt, sind es Bagatellen; einem Minoritätsministerium Drandenburg-Manteuffel-Arnim, das sich ohne Gewaltmaßregeln selbst mit der österreichischen Verfassung nicht würde halten können, wird freilich nur d i e Verfassung eine Gewähr für eine „starke Regierung" verheißen, welche der Ausdehnung und Dauer des Belagerungszustandes keine Grenzen setzt. Das preußische Ministerium scheint außer der rohen physischen Gewalt keine Triebkraft, kein bewegendes Element im Staatsleben anzuerkennen; von der moralischen Gewalt des Volks, wodurch der wahrhafte Constitutionalismus Dem Volke die Theilnahme an der Regierung des Staats sichert, scheint in dem constitutionellen A-V-C-Buche jenes Ministeriums Nichts enthalten zu sein.
Es sei ferne, gegen ein Ministerium noch mit Gründen rechten zu wollen, nachdem der lange gefürchtete Schlag gegen Deutschlands Einheit und Freiheit nunmehr geführt und von ihm der Kampfplatz gegenüber der deutschen Nationalversammlung beschritten worden ist.
Die deutsche Nationalversammlung wird, bis zum Acußersten gedrängt, den ihr angebotenen Kampf annehmen, sie darf bei ihrer bisherigen ernsten und besonnenen Haltung des Beistandes aller Vaterlandsfreunde gewiß sein. Nur zwei Parteien wird cs bis zur Beendigung des Kampfes im gejammten Deutfchlande geben, die Derer, welche unter dem schwarz-rvth-gvldnen Banner der Nationalversammlung für die Verfassung Deutschlands sich zu- sammenschaaren, und die der Anderen, welche die Früchte der deutschen Revolution, die Einheit, Freiheit, Macht und Wohlfahrt Deutschlands, an die Cabinete von Olmütz und Petersburg schmachvoll zu verrathen, sich nicht entblöden.
Namentlich auch zum preußischen Volke darf man eS sich wohl versehen, daß es im bevorstehenden Kampfe auf die Seite treten werde, wohin es die Ehre, die Pflicht und das gegebene Wort ruft; eben „alle gesunden und redlichen Elemente" im preußischen Staate, auf welche Preußens Ministerium bei Durchführung seiner Pläne rechnet, werden die ersten sein, welche ihm den Fehdehandschuh in das Gesicht werfen, und sich von der Verantwortung für das über das Vaterland gebrachte Unglück eines Bürgerkriegs feierlich lossagen. Denn dem Blindesten muß es klar werden, was von einem Ministerium zu erwarten ist, welches nicht einmal die Fähigkeit und den Willen besitzt, die preußische Verfassung vom 5 December v. I. durchzuführen und zu befolgen.
Wohlan deutsches Volk, so rüste dich zum Kampfe, und sei der, einer bessern Sache würdigen, Worte eingedenk, welche Melden am 23. v. M. an die Bewohner Wiens richtete:
„Es mögen sich die Verständigen, Rechtlichen und „Braven vereinigen, und ein Jeder in seiner Sphäre „wirken; der Himmel hat der gerechten Sache, wenn „sie gegen das böse Princip streitet, noch immer den „Sieg verliehen, sonst stände ja die Welt nicht mehr, „denn ihr Bestehen ist nur auf das Gute und Rechte ge- „gründet."
Für Preußens König wissen wir bald nur noch den Rath: Folge er dem Beispiele Kaisers Karl V.; wie dieser, so wird auch er am Abende seines Lebens inne werden, daß das Vorurtheil und der Eigenwillen eines Einzelnen, selbst des Mächtigsten, gegen die ewig fortrollenden Wogen der Geschichte vergeblich ankämpft.
Cassel, den 5. Mai 1849. Z.
Vereinsbericht.
Schon mehrere unserer Blätter (Nr. 16 — 18) gaben erfreuliche Kunde von dem lebendigen Aufschwung, womit der hohe Zweck der unversehrten Aufrechthaltung der Reichsverfaffung allenthalben in den Vereinen erfaßt worden ist, namentlich aus Hanau, Braunschweig, Cassel, Großalmerode, Mannheim (Mainz, Darmstadt, Worms, Bensheim, Stuttgart), Friedberg, Schmalkalden, Münden, Fritzlar, Augsburg, Altenburg, Hamburg, Meiningen, Reichensachsen, Berlin, Lübeck, Detmold, Schlüchtern, Salzgitter, Melsungen, Bonn, Scharnbeck (Stade), Hungen. Seitdem sind uns noch viele andere, für zaghafte