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Unteranlage b.
An den Central-Märzverein zu Frankfurt.
Der unterzeichnete Bürgerverein zu Cassel erklärt, zufolge des in seiner heutigen General-Versammlung ein- müthig gefaßten Beschlusses, daß er sich bei allen den, auf Ihrem Congreffe zu Frankfurt am 6. d. M. zu verabredenden, Schritten betheiligen wird, welche den Schutz und die Unterstützung der deutschen National- Versammlung gegen jedes auf ihr Bestehen, auf die Gültigkeit ihrer Beschlüsse, auf die Rechtsständigkeit der von ihr gegebenen Verfassung, versuchte Attentat zum Gegenstände haben. Zwar hat der Bürgerverein Ihrer früheren Aufforderung zum Anschlusse an den Märzverein, durch verschiedene Bedenken verhindert, und eingedenk seiner als Vorort des nationalen Vereines für Deutschland übernommenen Pflicht, nicht entsprechen können. Jene Bedenken treten aber zurück, und diese Pflicht kann ihn nicht ferner hindern in dem Augenblicke, wo das Vaterland in Gefahr, wo die Verfassung und damit die ganze Zukunft Deutschlands bedroht ist. In diesem Augenblicke giebt es nur eine Partei, die Partei der Freiheit und der Ehre der Nation. In diesem Augenblicke giebt es nur eine Pflicht, sich dieser Partei anzuschließen, wo sie auch ihr Banner aufrichten möge. Und wie der Bürgerverein sich überzeugt hält, daß in diesem Augenblicke die deutschen Vereine jeder Farbe bei den Märzvereinen in dem Kampfe für die Reichs-Verfassung bereiteste Unterstützung finden werden, so hat er auch seiner Seits nicht versäumen wollen, diese Unterstützung anzubieten.
Indem wir deshalb bitten, uns von Ihren auf dem Congreß zu fassenden Beschlüssen zur weiteren Benehmung in Kenntniß zu setzen, verbleiben wir mit deutschem Vru- dergruß
Cassel, am 3. Mai 1849.
Für den Bürgerverein zu Cassel: (Unterschriften.)
Anlage B.
An den Central - Märzverein zu Frankfurt.
Der unterzeichnete Vorort des nationalen Vereins für Deutschland beeilt sich, die anliegende, von ihm erlassene Aufforderung zu einem Congreffe der dem nationalen Vereine verbündeten, sowie auch derjenigen Vereine, welche an der, von der deutschen Nationalversammlung endgültig festgestellten Verfassung mit festhalten wollen,
Ihnen mitzutheilen. In der sicheren Voraussetzung — von welcher auch der hiesige Bürgerverein in der gestern an Sie gerichteten Ansprache ausging — daß Ziel und Zweck des Congreffes der Märzvereine Deutschlands die Berathung der Mittel zum Schutze der Nationalversammlung und der durch sie gegebenen und verkündeten Reichs. Verfassung sei, würden wir keinen Anstand genommen haben, den nationalen Congreß bereits auf den 6. d. M. nach Frankfurt einzuberufen, um mit Ihnen in der höchsten und wichtigsten Angelegenheit des bedrängten Vaterlands Hand in Hand zu gehen. Allein leider gelangte die Kunde von dieser Zusammenkunft zu spät an uns, um hierzu das Erforderliche einzuleiten. Wir werden daher an dem von Ihnen am 6. d. M. begonnenen Werke am 14. d. M. fortbauen und dasselbe, so hoffen wir, gemeinsam vollenden.
Cassel, den 5. Mai 1849.
Der Vorort des nationalen Vereines für Deutschland.
(Folgen die Unterschriften.)
Die große Tagesfrage.
Sind wir auch um große und schöne Hoffnungen für die Zukunft des deutschen Vaterlandes seit den letzten 8 Tagen ärmer, so sind wir doch auf der anderen Seite durch Erfahrungen bereichert worden, welche zwar das Herz eines jeden aufrichtigen Vaterlandsfreundes auf das Tiefste bekümmern, allein endlich einen klaren Blick in das, was da kommen wird und muß, gestatten. Nur beiläufig sei auf die inzwischen erfolgten ablehnenden Erklärungen Baierns und Hannovers hingedeutet; dieselben werden, als nur stümperhafte Variationen auf das alte Thema: „das Volk kann mit seinem beschränkten Unterthanen-Ver- stande nicht wissen, was ihm frommt", im Buche der Geschichte, als von Einfluß auf die Geschicke Deutschlands, nicht verzeichnet werden. Hätten die Herren Stüve und Bray- v. d. Pfordten erwogen, daß weder in Hannover, noch in München, das Schicksal Deutschlands entschieden werde, so würden sie wahrscheinlich das Wesen der „wahren Repräsentativ-Verfassung", sowie die Lehre von „dem eigenthümlichen weltgeschichtlichen Berufe der Völker", mit einem geringeren Aufwande von Zeit und Mühe erörtert haben; es sei denn, daß jene Ausführungen — und wir hoffen diesen Erfolg — den braven Baiern und Hannoveranern endlich einmal die Augen über die vormärzlichen Idiosynkrasien dieser Männer öffnen, und sie zu fernerem kräftigen und entschiedenen Auftreten für Anerkennung der deutschen Reichsverfassung anspornen werden.