— 88 —
Hand in Hand mit dem Volke, und nur wenige derselben zögern noch, oder wagen es, dem entschieden ausgesprochenen Volkswillen ihren Einzelwillen entgegenzusetzen. Auch Euer König befindet sich — wir hatten es nicht befurchtet und sehen es mit Schmerz — unter den Widerstrebenden, und er, der einst ritterlich an der Spitze seines Volkes kämpfte, wendet sich jetzt gegen sein Volk, dessen Stolz er war, in die Hände arbeitend durch solches Handeln den Feinden des Vaterlandes und der Freiheit.
In dieser traurigen Lage der Dinge hat das Volk im Schwabenlande auf rühmliche Weife eine kräftige entschieden deutsche Haltung angenommen, eine Haltung, die zum Siege führen muß; und besonders seid Ihr, die Vertreter Würtembergs, mit Beschlüssen vorangegangen, die den Dank aller Vaterlandsfreunde verdienen. Wenn die deutsche Sache endlich nach schweren Kämpfen gesiegt haben wird, dann werdet auch Ihr einen großen Theil an dem Kampfpreis haben, dann wird das Vaterland auch Eure Namen unter die Zahl seiner besten Kämpfer eintragen. Einstweilen rufen wir aus Hessen Euch und dem ganzen Schwabenlande zu: Nehmt unsern Dank! Wanket nicht! Gott mit Euch und dem Vaterlande!
Hungen den 22. April 1849.
Die vereinigten Ausschüsse des Bürgervereins zu Friedberg und des Volksvereins der oberen Wetterau.
Anlage C.
An die würtembergische Kammer der Abgeordneten.
Zn dem Augenblicke, wo das deutsche Volk 311 einem edlen und heiligen Kampfe, zum Kampfe für seine Verfassung, aufgerufeu wird, stiegen Aller Augen und Herzen dem Lande zu, in welchem dieser Kampf, wie es scheint, eröffnet werden soll. Dem edeln Volksstamme aber, der ihn eröffnet und seinen biedern Vertretern ruft es aller Orten entgegen: Heil Euch und Sieg Euerm muthigen und treuen Beginnen!
Aller Orten stählen sich die Herzen und rüsten sich die Arme zu Euerm und des theuern Vaterlandes Schutz. In dieser allgemeinen Bewegung giebt es keine Parteien mehr, sondern nur noch Söhne des Einen Vaterlandes, dessen Grundgesetz bedroht ist. In dieser allgemeinen Bewegung würde es uns am wenigsten geziemen, wenn wir dahinten bleiben wollten. Wir waren einst die Ersten, welche im deutschen Volke zufammentraten, und von vielen deutschen Männern aus allen Theilen des Vaterlandes beauftragt wurden, die Heiligkeit ihres Parlaments, die Geltung seiner Beschlüsse, die Verwirklichung seiner Verfassung , gegen die Anarchie und den Aufruhr bethörter Massen beschützen zu helfen. Wir wollen nicht die Letzten sein, wo es den Kampf gegen die gekrönten Widersacher gilt!
Die deutsche Nationalversammlung wendet sich jetzt mit der unwiderruflich abgeschlossenen Verfassung an das deut
sche Volk. Es ist dieselbe Versammlung, welche, als der Sturm der Revolutionen durch Europa ging, und als die Throne und die Dynastien in der Hand der Völker lagen, vom deutschen Volke zur allmächtigen Gesetzgeberin berufen ward. Es ist dieselbe Versammlung, welche von dieser ihr ertheilten Vollmacht mit einer Mäßigung und Treue ohne Gleichen Gebrauch gemacht, welche das Vergangene großmüthig vergessen und verziehen hat, damit um so schöner und einträchtiger das Gebäude der Zukunft aufgerichtet werde. Sie hat ihr Werk vollendet; sie, hat es den Nolkern, sie hat es den Fürsten übergeben. Die Völker danken es ihr und nehmen es auf als heiliges Gesetz.
Unter den Fürsten aber haben die Mächtigen den Dank vergessen. Jene Könige, welche einst den Nacken unter den Fuß des fremden Abenteurers beugten, aus dessen Hand sie Scepter und Krone empfingen, sind jetzt zu stolz, von den Vertretern des Volkes, welches sie noch vor Kurzem geschont und gerettet hat, des gejammten Vaterlandes Verfassung und Oberhaupt anzunehmen. In der verderblichen Täuschung ihrer eingebildeten Größe befangen, von den eigennützigen Einflüsterungen armseliger Höstinge vergiftet, glauben sie jetzt, unter dem nichtigen Vorwande ihres Familien-Jnteresse, das Palladium der deutschen Zukunft, die Grundlage der deutschen Einheit, Freiheit, Macht und Wohlfahrt, die Verfassung des deutschen Volkes, verläugnen zu dürfen.
Die Könige von Preußen, Baiern, Hannover, Sachsen, und leider auch von Würtemberg, befinden sich gegenwärtig im Zustande der Revolution gegen das nach göttlichem und menschlichem Rechte durch den Willen seiner Völker und durch die Versprechungen seiner Fürsten zu Recht bestehende Grundgesetz des deutschen Volkes.
Diese Revolution, von mächtigen und gefährlichen Gewalthabern begonnen, legt dem deutschen Volke die Psticht zum entschiedenen, zum augenblicklichen Widerstände auf. Von dieser Einsicht ist das Volk und die Ständekammer Würtembergs erfüllt. Sie hat es nicht bei den Beschlüssen und Erklärungen bewenden lassen, welche in Hannover, Sachsen, Baiern und Preußen von dem Volke und seinen Vertretern erlassen, aber nicht beachtet worden sind — sie hat zu den Worten die That gefügt; sie ist der Con- trerevolution mit Nachdruck entgegengetreten, sie wird sie — darauf rechnet jetzt Deutschland — sich selbst zum Ruhme und ihren deutschen Brüdern zum Beispiel — vernichten.
Das deutscheste und treueste Volk auf deutscher Erde, das dem Vaterlande seine größten Helden, seine größten Dichter und Denker, gestellt hat, das einst das deutsche Danner vorantrug zur Schlacht und zum Siege, das Volk der Schwaben, hat auch jetzt das getreue Banner zuerst erhoben für das wiedergeborne deutsche Vaterland! Heil dafür ihm, Heil seinen Vertretern!
Kassel, am 26. April 1849.
Der Vorort des nationalen Vereins für Deutschland.
Namens desselben:
der Vorsitzende Dr. B. W. P feiffer.
Dr. P fass als Schriftführer.
Herausgegeben, verlegt und gedruckt vvn Heinrich Hotop in Cassel.