Blätter
Les matroNELen BereiRes für DeUtfchLâmL,
veröffentlicht
durch den Vorort dieses Vereines.
IVr. iS. Cassel, den 28. April. 1S49.
Diese Blätter erscheinen wöchentlich ein Mal, Sonnabends, einen halben Bogen stark. Beilagen werden nach Bedürfniß beigefügt. Der Abonncmentspreis beträgt 7'/, Sgr. für das Quartal, wofür alle Kurhessischen Postämter sowie alle Buchhandlungen ohne Preiserhöhung Bestellungen annehmen. Bei den übrigen Postämtern wird nur ein geringer Aufschlag berechnet werden. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.
Die große Tageöfrage.
In dem Momente, wo — wir dürfen es uns nicht verhehlen — die höchsten Güter unseres theuren Gesammt- vaterlandes auf dem Spiele stehen, wo die Erhaltung der seine Macht und Wohlfahrt begründenden, ihm kaum gegebenen, Verfassung, wo die Sicherstellung der Rechte und Freiheiten des deutschen Volkes, wo die Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung in den Einzelstaaten, von den äußersten Gefahren bedrohet wird, müssen auch unsere Blätter der Besprechung dieser hochwichtigen Interessen, mit Hintansetzung jedes anderen Gegenstandes, vorzugsweise ihre Spalten öffnen.
Wir fahren demnach zunächst fort mit dem, in den beiden letzten Nummern schon begonnenen, Berichte über die zahlreichen Beweise der lebhaftesten Theilnahme an der großen Frage von der deutschen Verfassung und dem Reichsoberhaupte, welche von Seiten der Vereine aus fast allen Gegenden von Deutschland — theils auf Veranlassung unseres eine deßfallsige Adresse an die Nationalversammlung begleitenden Rundschreibens vom 9. d. M. (Nr. 16 S. 75), theils aus eigner Bewegung — dem Vororte kund gegeben worden sind.
Den politischen Verein zu Lübeck hat „mit lebhafter Freude die rasche und energische Art erfüllt, mit der wir, eingedenk des hohen Berufes unseres Vereins, sofort nach dem Bekanntwerden der preußischen Antwort vom 3. April Namens der zahlreichen uns verbündeten Vereine unsere Stimme erhoben und der Nationalversammlung in einer kräftigen Adresse die Wünsche, die Erwartungen, des deutschen Volkes von seiner verfassunggebenden Versammlung
vorgetragen hätten". Jener Verein hat zugleich unserem Aufrufe durch eine eigne Adresse an die Nationalversammlung Folge gegeben, welche in Beziehung auf deren mannhaften Beschluß vom 11. April mit den Worten schließt: „Wir werden treu und unverbrüchlich zu den Vertretern des Nationalwillens stehen, so lange diese sich selbst und ihrer weltgeschichtlichen Aufgabe treu bleiben. Aber wir erwarten, daß dieser letzte folgenschwere Beschluß nicht wiederum mit den schönen Worten in der Paulskirche verklingen werde, wir erwarten, daß Deutschlands Vertreter diesen Beschluß durch nachhaltige That zu behaupten und zu verwirklichen wissen werden, daß sie „dem Gesetze Deutschlands" Nachdruck geben werden, es streite dagegen ein König oder der Anführer eines Volkshaufens, er trage die Blouse oder die Krone".
Das Centralcomitö der vereinigten lippischen Volksvereine zu Detmold theilt uns eine, in Nr. 30 der „Wage" abgedruckte, Adresse an die Nationalversammlung mit, deren, ausführlich und in kräftigen Ausdrücken moti- virter, Antrag dahin geht: „Wir wollen, daß die durch die deutsche Nationalversammlung, als einzig berechtigte Instanz, beschlossene Verfassung, einschließlich der Grundrechte und des Wahlgesetzes, unbedingt durchgeführt werde u. s. w." In dem Schreiben an den Vorort wird noch bemerkt, daß, wenn gleich die Majorität in den lippifchen Volksvereinen für eine demokratische Spitze, also gegen das Erbkaiserthum, sich entschieden ausgesprochen habe, sie es doch unter den gegenwärtigen Verhältnissen als ihre und jedes Deutschen Pflicht anerkenne, etwaigen Ansstellungen und abweichenden Parteiansichten Stillschweigen zu gebieten. „Wenn das Volk jetzt die Nationalversammlung nicht schirmt und schützt, so ist ja Alles, auch die Mög-